Ludwigshafen / Bad Dürkheim / Lambsheim
Die CDU lässt es „pletschern“: Wen die Partei für ein Schlüsseldezernat ins Rennen schickt
In der CDU-Geschäftsstelle in der Benckiserstraße wird am Mittwochnachmittag schnell klar, dass da einer in den Startlöchern sitzt, der erstens unbedingt will, zweitens die Stadt bestens kennt und drittens keine Scheu hat vor der Problemflut, die womöglich ab 1. Januar auf ihn zukommt. In Ludwigshafen fehlen über 3000 Kita-Plätze, der Sanierungsstau an Schulen ist immens. Das Ressort 3 im fünfköpfigen Stadtvorstand ist mit seinen 1800 Mitarbeitern das größte. Es gilt als Schlüsseldezernat. Davor habe er einerseits Respekt, sagt Pletscher. „Ich bin nicht blauäugig.“
Andererseits betont er: „Ich fühle mich in der Lage, diese große Aufgabe zu bewältigen und bringe auch die politische Erfahrung dafür mit.“ Und dann schiebt er noch einen Satz hinterher, der darauf hindeutet, dass er den Job, sollte er am 30. Juni im Stadtrat tatsächlich gewählt werden, mit Empathie, aber auch sportlichem Ehrgeiz angehen will. „Was gibt es Schöneres, als die Zukunft für Kinder und Jugendliche aktiv mitzugestalten.“
Einstimmiges Votum
Dass Pletscher der richtige Mann für die Nachfolge von Cornelia Reifenberg (67, CDU) ist, die zum Jahresende in Ruhestand geht, davon ist auch die Union überzeugt. Der Kreisvorstand hat sich bereits am 13. März einstimmig für den verheirateten Vater einer Tochter (9) und eines Sohns (13) ausgesprochen, der Kreisparteiausschuss ist diesem Votum am Abend gefolgt. „Wir wollten jemanden, der aus Ludwigshafen kommt. Wir wollten einen Verwaltungsexperten. Und wir wollten jemanden, der tief in der CDU verwurzelt ist“, sagt Kreisvorsitzender Torbjörn Kartes. Pletscher erfülle alle Kriterien – und wäre auch „eine ideale Ergänzung“ zu Klaus Blettner, sollte sich der 57-jährige Bewerber von Union und FWG am 21. September bei der Oberbürgermeisterwahl durchsetzen. Das passt menschlich und inhaltlich“, ist sich Kartes sicher.
Kultur soll „Chefsache“ werden
Blettner lässt anklingen, dass er sich bei einem Wahlsieg durchaus vorstellen könne, den Kulturbereich zur Chefsache zu machen – und damit das ohnehin mit einer Fülle von Themen vollgepackte Dezernat zu entlasten.
„Das war keine Nacht- und Nebelaktion, das war gut vorbereitet“, erklärt Kartes zur Auswahl des in der Pfingstweide und Edigheim aufgewachsenen Pletschers, der mit seiner Familie seit 2011 in Lambsheim wohnt. Dessen Fachkompetenz und Sachverstand habe die Findungskommission letztlich überzeugt. Neben dem Kreisvorstand und Blettner war Peter Uebel Teil dieses Gremiums. „Er ist sehr authentisch, absolut geeignet und ein Glücksfall für den Stadtvorstand“, schwärmt der Fraktionschef im Stadtrat regelrecht von Pletscher.
Von den Stimmenzugewinnen bei der Kommunalwahl leite seine Partei den Anspruch ab, das Dezernat 3 aus den eigenen Reihen zu besetzen, so Kartes. Seit Juni 2024 stellt die Union (17 Sitze) die stärkste Fraktion im 60-köpfigen Stadtrat. Sie überholte die SPD (14). Schon aufgrund dieser knappen Mehrheit im Stadtrat ist Pletschers Wahl vermutlich reine Formsache, weil ihn wohl auch die Genossen mittragen. Im Gegenzug dürfte sich die CDU nicht querstellen, David Guthier zum Chef des Sozialdezernats zu küren. Seine Partei hat den 35-jährigen SPD- und Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat bereits am 25. März als Ersatz für Beate Steeg (66, SPD) nominiert, die Reifenberg nach acht Jahren in den Ruhestand folgt. Reifenberg ist seit 2018 Bürgermeisterin und damit OB-Stellvertreterin. Beigeordnete ist sie seit 2003.
Dozent an der Hochschule
Ihr potenzieller Nachfolger würde an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Diplom-Verwaltungswirt Pletscher hat seine Laufbahn 1999 mit einer Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Ludwigshafener Stadtverwaltung begonnen, erwarb die Fachhochschulreife und managte den Bereich Kitas und Schulen. „Ich kenne den Konzern Stadt und auch noch viele ehemalige Kollegen. Ich bin sogar noch Mitglied der Betriebssportgruppe“, berichtet er. Im Ludwigshafener Rathaus hat er auch seine Frau kennengelernt. Die Verwaltungsfachwirtin arbeitet inzwischen bei der Stadt Frankenthal.
Ende 2007 wechselte Pletscher nach Lambsheim. Bis Mitte 2015 war er dort Kaufmännischer Leiter der Gemeindewerke, im Anschluss Geschäftsführender Beamter in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, ab Mai 2017 Leiter der Finanzabteilung in Bad Dürkheim. Seit sechs Jahren ist er dort Chef-Beamter. Alle wichtigen Fäden der Verwaltung der 19.500 Einwohner zählenden Nachbarstadt laufen bei ihm zusammen.
Zum Wechsel in das von der Bevölkerungszahl her neunmal so große Oberzentrum meint Pletscher: „Ich freue mich riesig.“ Er habe zwar keine 4000 Kita-Plätze in der Hosentasche, werde sich der Herausforderung des Amtes aber „volle Kanne“ stellen. Aus Lambsheim wegziehen will er jedoch nicht.
„Brauchen Menschen, die sich einbringen“
Pletscher tanzt auf vielen Hochzeiten: Als Dozent an der Dualen Hochschule in Mannheim kümmert er sich beispielsweise um den Verwaltungsnachwuchs. Er mischt beim Städtetag Rheinland-Pfalz mit und steht als Vorsitzender sowohl des CDU-Ortsverbands Lambsheim als auch des CDU-Gemeindeverbands Lambsheim-Heßheim politisch in der Verantwortung. Er ist Fraktionssprecher im VG-Rat. „Wir brauchen Menschen, die sich in die Gesellschaft einbringen, damit sie am Ende auch funktioniert“, sagt er.
Seit 1984 Fan des VfB Stuttgart
In der Familie hat Sport einen großen Stellenwert. Früher war Pletscher selbst aktiver Kicker sowie Trainer. Der Sohn spielt Fußball, die Tochter Handball. Alle sind Fans des 1. FC Kaiserslautern. Nur der Papa bildet der schwäbischen Verwandtschaft wegen eine Ausnahme. Seit dem 26. Mai 1984 drückt er dem VfB Stuttgart die Daumen. Beim ersten Besuch im damaligen Neckarstadion unterlag der Klub zwar dem Hamburger SV, holte aber den Meistertitel. Geht’s nach Pletscher, soll am 24. Mai der Pokalgewinn gegen Drittligist Bielefeld folgen. In Feierlaune ist er so oder so: Am 23. Mai hat seine Tochter Geburtstag.
