Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalztram aufs Gleis gesetzt: Stadtbahnnetz bis in die Pfingstweide und den Rhein-Pfalz-Kreis

Über 21 Millionen Fahrgäste pro Jahr nutzen laut RNV das Stadtbahnnetz in Ludwigshafen.
Über 21 Millionen Fahrgäste pro Jahr nutzen laut RNV das Stadtbahnnetz in Ludwigshafen.

In fünf Jahren könnte der erste Spatenstich für den „Stadtbahnausbau Vorderpfalz“ gesetzt werden – ein Netzausbau von der Pfingstweide bis Waldsee, von LU bis Dannstadt.

Gute Nachricht für Pendler, die Stadt und den Rhein-Pfalz-Kreis. Unter dem Arbeitstitel „Stadtbahnausbau Vorderpfalz“ nimmt das Projekt „Pfalztram“ Fahrt auf. Tausende Menschen sollen von dem verbesserten Verkehrsangebot profitieren. Erste Weichen sind gestellt: Mit einer Anschubfinanzierung von drei Millionen Euro ist Vorplanung nun endgültig gesichert.

Nur drei Minuten, um ein solches, für die Region äußerst wichtiges Megavorhaben vorzustellen, sind knapp bemessen: Doch mehr Zeit gewährte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) angesichts der umfangreichen Tagesordnung Frank Dommasch am Montagabend in der Sitzung des Stadtrats nicht. Dem Bereichsleiter Infrastruktur der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) gelang es dennoch, bei den Kommunalpolitikern eine Art Euphorie für das Projekt zu wecken. Gleichzeitig dämpfte er in seinem Sachstandsbericht zu hohe Erwartungen. Denn ein frühestmöglicher Baubeginn wäre wohl erst in fünf Jahren realistisch, so Dommasch.

Worum geht’s? Mit dem „Stadtbahnausbau Vorderpfalz – Projekt Pfalztram“ soll das Schienennetz innerhalb der Vorderpfalz auf rheinland-pfälzischer Seite erweitert und damit eine wichtige Grundlage für eine moderne, klimafreundliche und leistungsfähige Mobilität geschaffen werden. Konkret geht es dabei um den Ausbau der Nord-Süd-Achse zwischen der Ludwigshafener Pfingstweide und Waldsee sowie um den Ausbau der Ost-West-Achse zwischen Ludwigshafen und Dannstadt – ein jahrzehntelang gehegter Wunsch.

Steigende Fahrgastzahlen, geringere Reisezeiten

Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg: Aber nach einer positiven Kosten-Nutzen-Analyse – steigende Fahrgastzahlen, geringere Reisezeiten, weniger Unfälle, Einsparung von CO2 – kann die Vorentwurfsplanung für das Vorhaben nun tatsächlich in Angriff genommen werden, weil damit dessen generelle Förderfähigkeit gesichert sei, wie Dommasch informierte. Auf Basis dieser Ergebnisse habe der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz (ZÖPNV) Süd, eine hundertprozentige Tochter des Landes, auf seiner Verbandsversammlung am 25. August beschlossen, einen Zuschuss von drei Millionen Euro als Anschubfinanzierung zu gewähren – und zwar für die ersten beiden Planungsphasen. Das heißt: Zunächst einmal entstehen keine Kosten für die beteiligten Kommunen. Projektpartner sind die RNV, der ZÖPNV Süd, das Land Rheinland-Pfalz und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Weiterer Vorteil mit Blick auf das gesamte Finanzpaket, dessen Umfang bisher noch nicht feststeht: Bei Stadtbahnprojekten wie diesen mit positiver Prognose winkt eine Bundesförderung von 75 bis 90 Prozent.

„Sinnvoll und dringend notwendig“

Die letzten großen Streckenerweiterungen im Schienennetz stammen laut Dommasch überwiegend aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Stetig steigende Fahrgastzahlen, aktuell über 21 Millionen im Jahr, sowie die Problematik der Hochstraßensanierungen zeigten, dass sowohl nachhaltigere Lösungen wie auch ein Ausbau des Stadtbahnnetzes dringend notwendig und sinnvoll seien, erläuterte Dommasch.

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Die Straßenbahn in Ludwigshafen sowie die Rhein-Haardtbahn bildeten seit Jahrzehnten das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs für Stadt und Region. In Anbetracht der landesweit höchsten Bevölkerungsprognosen sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, die Weichen zu stellen für einen auch in der Zukunft sicheren, stabilen und leistungsfähigen ÖPNV in diesem Teil der Metropolregion. Der Wirtschaftsstandort soll damit gestärkt, die Verkehrswende „belastbar“ vorangetrieben werden, betonte Dommasch in seiner Präsentation.

Täglich 25.000 Pendler nach LU

Die Entwicklung in dieser „Wachstumsregion“ untermauerte er mit Zahlen. So soll in Ludwigshafen die Einwohnerzahl (derzeit rund 180.000) laut RNV bis 2040 um sieben Prozent, im Rhein-Pfalz-Kreis (rund 155.000 Einwohner) um 5,4 Prozent steigen. Täglich pendelten aus dem Umland rund 25.000 Menschen nach Ludwigshafen und Mannheim, etwa 4500 würden täglich aus den beiden Großstädten ins Umland fahren.

Nord-Süd-Achse: Für die Achse Pfingstweide/Waldsee sieht das Stadtbahnkonzept in ersten groben Überlegungen vor, die Linie 7 im Norden Ludwigshafens ab der bisherigen Endhaltestelle Oppau im 20-Minuten-Takt bis Pfingstweide zu verlängern. Für die Streckenführung gibt es zwei Optionen.

Im Stadtsüden ist die Entwicklung/Verlängerung einer neuen Linie X12 aus der Linie 10/12 im 20-Minuten-Takt mit Expresscharakter in Rheingönheim (bisher Endhaltestelle) über Neuhofen bis Waldsee als Variante im Gespräch. Eine Weiterführung nach Speyer sei nicht vorgesehen, weil das nicht wirtschaftlich wäre, so Dommasch.

Ost-West-Achse:Hier ist der Neubau einer Strecke von Ludwigshafen nach Maudach, Mutterstadt und Dannstadt geplant. Befahren werden soll die Strecke mit einer neuen Linie aus Mannheim: bis Maudach im Zehn-Minuten-Takt, bis Dannstadt im 20-Minuten-Takt.

Breite Bürgerbeteiligung

Für das Gesamtprojekt kündigte Dommasch eine breite Bürgerbeteiligung an, die erste sei im Frühjahr 2026 terminiert. Auch die politischen Gremien in den betroffenen Stadtteilen und Gemeinden sollen transparent informiert werden. Aktuell werde an einem entsprechenden Kommunikationskonzept gearbeitet.

Durchweg positive Resonanz

Die Resonanz im Stadtrat auf die RNV-Präsentation war am Montag durchweg positiv. „Das ist eine große Chance für unsere Region“, sagte CDU-Fraktionsvize Klaus Blettner. Der künftige Oberbürgermeister plädierte dafür, die Bevölkerung eng in den Prozess einzubeziehen. Von einem „richtigen und wichtigen Schritt in Richtung Verkehrswende“ sprach Christian Schreider (SPD). „Die Zusage des Landes für die Vorentwurfsplanung der ,Pfalztram’, ist ein deutliches Bekenntnis zu diesem wichtigen Zukunftsprojekt. Als verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion freue ich mich sehr über dieses klare Signal – und darüber, dass es jetzt mit Nachdruck vorangeht“, sagte David Guthier.

Mit dem Pfalztram-Projekt sei es möglich, noch mehr Verkehr vom Auto auf die Schiene zu verlagern, meinte Susanne Großpietsch (Grüne). Liborio Ciccarello (BSW) sagte, ein erweitertes Schienennetz könne darüber hinaus die Wohnungsnot in Ludwigshafen entschärfen.

Von einem „tollen Projekt“ sprach auch Rainer Metz (FWG), merkte aber kritisch an, dass der seit Jahrzehnten geplante Ausbau der Straßenbahnlinie 10 in Friesenheim immer noch nicht komplett abgeschlossen sei, während in dieser Zeit in Mannheim und Heidelberg mehrere neue Straßenbahnlinien entstanden seien.

Zuspruch aus Oppau

Zuspruch für das Projekt kommt auch aus dem Ludwigshafener Norden von der SPD Oppau-Edigheim-Pfingstweide. Der geplante Stadtbahnausbau Vorderpfalz berge große Chancen. „Dieses Vorhaben hat eine enorme verkehrliche und raumstrukturelle Bedeutung für unsere Region“, betont Frank Dudek, Fraktionssprecher im Ortsbeirat. „Gerade für unsere drei Stadtteile Oppau, Edigheim und Pfingstweide eröffnet sich die Möglichkeit, die Anbindung an das Stadtbahnnetz erheblich zu verbessern.“ Es sei höchste Zeit, den öffentlichen Nahverkehr zukunftsfähig auszubauen, ergänzt Stadt- und Ortsbeirätin Martina Blaufuß. Der ÖPNV trage wesentlich zur Erreichung der Klimaziele des Landes Rheinland-Pfalz bei. Wichtig sei, die Menschen vor Ort frühzeitig und aktiv in die Planung einzubinden. „Wir fordern eine zeitnahe, intensive Bürgerbeteiligung – noch bevor die konkrete Streckenführung feststeht“, unterstreicht Dudek. „Nur so kann ein offener Austausch unterschiedlicher Interessen stattfinden. Jeder muss mitgenommen werden.“

Wie in Dannstadt-Schauernheim über das Thema diskutiert wird, lesen Sie hier.

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