Leute in Lu
Dank Mustafa Istif: Weißes Häusl mutiert zur Bunten Villa
„Bunte Villa 03“ nennt er das Lokal, mit dem er den Spagat zwischen der traditionellen Gaststätte im Inneren und einem hippen Biergarten außen schaffen will. „Wir bringen Farbe ins Weiße Häusl“, kündigt der 32-Jährige Freiburger an. Den Rhein vor der Haustür kennt er von dort. „Allerdings liegt dort auf der anderen Seite Frankreich“, sagt er lachend. Eine gewisse Abgrenzung erkennt er auch stromabwärts. „Auf der linken Seite beruft man sich stark auf das Pfälzer Erbe, auf der rechten Seite legt man großen Wert auf die Vorsilbe ,Kur’ vor der Pfalz“, vergleicht der Neu-Ludwigshafener, der 2017 für das Studium nach Mannheim gekommen war und hier hängen geblieben ist. Für ihn gehören beide Ufer zusammen. So wie er auch in seiner bunten Villa die unterschiedlichen Stile von „original-urig“ bis „luftig-hip“ vereinen will.
Traum vom Polizeidienst geplatzt
Istif ist ein Macher. „Ich habe noch nie einen Euro Unterstützung bekommen“, erklärt er. So sei er schließlich auch in der Gastronomie gelandet. „Ursprünglich wollte ich zur Polizei. Wenige Tage vor der Eignungsprüfung hatte ich mir aber eine Meniskusverletzung zugezogen. Damit war dieser Traum geplatzt.“ Aber anstatt Trübsal zu blasen und Formulare bei der Arbeitsagentur auszufüllen, habe er seinen damaligen Fußballtrainer gefragt, „ob er nicht einen Job für mich hat.“
So landete der Freiburger zunächst in der Spülküche und schon wenige Tage später im Service eines Freiburger Lokals. Nicht die einzige Beschäftigung. „Ich habe auch als Ski- und Snowboardlehrer gearbeitet.“ Nach und nach sei er in eine Tätigkeit als DJ gerutscht. „Da habe ich mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad.“ Unter anderem im Hafen 49 in Mannheim habe er unter seinem Künstlernamen Kaptan Musti schon aufgelegt, war zugleich Geschäftsführer in einem Mannheimer Lokal.
Location für lokale DJs
Aber eigentlich hatte er nach einer eigenen, erschwinglichen Location gesucht und wurde über das Internet fündig. „Ich sehe hier eine Chance für lokale DJs und Eventgruppen“ – selbstverständlich im Einklang mit den Naturschutzregeln. „Ich mache zwar samstags regelmäßig DJ-Events, aber um 22 Uhr ist Schluss.“ Auch Danjo und seine „Schlicht-Sounds“ hat er bereits ans Rheinufer gelockt.
Ansonsten hofft er, dass sich sein Konzept aus Nachhaltigkeit und lokalen Produkten durchsetzt. Eine Metzgerei aus Mannheim liefert das Fleisch für Hamburger und original Wiener Schnitzel. Die Brauerei stammt aus Plankstadt, die Softgetränke haben nahezu allesamt einen sozialen Hintergrund. „Und wir haben draußen noch nicht mal Dubbegläser für die Schorle“, lacht er.
Getränke durchweg in Einmachgläsern
Fast schon Blasphemie in der Pfalz. Istif verweist aber auf das Konzept. „Wir schenken die Getränke in Einmachgläsern aus.“ Die haben den Vorteil, dass sie auch Fahrradfahrer oder Camper in ihren Körben mitnehmen können. „Spätestens, wenn ich erkläre, dass so auch keine Wespe im Glas landet, habe ich die Leute überzeugt.“
Istif ist in diesem Sommer zunächst einmal mit dem Biergarten an den Start gegangen. „Unser Ziel ist es, dass wir mit den Gästen nach und nach wachsen.“ Denn er ist überzeugt: „Wer einmal hier war, der kommt auch wieder.“ Die Regionalität der Produkte, der entspannte Aufenthalt im Liegestuhl und auch der Enthusiasmus des neuen Betreibers sind gute Gründe dafür.
„Stück für Stück“, so das Ziel, werde die Bunte Villa 03 zu einem kleinen Schmuckstück ausgebaut, der Rückstau an Reparaturen und Sanierungen aus den vergangenen Jahren aufgeholt. „Nächsten Sommer wollen wir im Biergarten bei 80 Prozent Auslastung sein“, kündigte er an. Der Innenausbau des Lokals und auch des Veranstaltungsraums soll nach und nach erfolgen. Hier spekuliert Istif mit der Zeit vor allem auf Reservierungen.
Direkter Blick auf Rhein vermisst
Die Arbeiten macht der Neu-Ludwigshafener beinahe alle selbst. „Ich bin ein Werkstatt-Kind. Dort hat mein Vater gearbeitet, und ich war beinahe jeden Tag dort und habe mir vieles angeeignet.“ Lediglich bei den Arbeiten an der Elektrik lasse er sich helfen. „Und dann wird das Weiße Häusl endgültig wieder bunt“, kündigte er an.
Auf einen Standortvorteil hat er indes keinen Einfluss: „Viele Gäste haben mir vom Blick auf den Rhein vorgeschwärmt, den es hier früher gab.“ Aber die Pflege des Uferbewuchses liegt nun einmal außerhalb seines Grundstücks, des südlichsten in Ludwigshafen.