Ludwigshafen Wo die Kiwis auf Bäumen wachsen
Nur wenige Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die dicht bewachsenen Blätter der Bäume. Trotz der Sommerhitze weht kühler Wind durch den Biergarten des Weißen Häusls. Das Haus liegt zwischen Rheingönheim und Altrip auf einer Art Halbinsel am Rhein. Von der Terrasse aus lassen sich vorbeifahrende Schiffe beobachten. Im Schatten der Bäume genießen die ersten Gäste das selbst gebraute Bier. Die Wirte Gertrud und Bernd Zaun bereiten währenddessen das Abendessen in der Küche vor.
Gertrud Zaun schneidet Gemüse für das Salatbüfett. Die Zutaten dafür wachsen im Garten. Dort erntet die 63-Jährige regelmäßig ihre selbstaufgezogenen Tomaten, Gurken und Äpfel. „In unseren Gerichten wollen wir hauptsächlich frische Zutaten verwenden“, erzählt die gebürtige Ellerstadterin, „aber eigentlich pflanze ich so viel, damit meine Enkel und die Kinder unserer Gäste lernen, wo unser Obst und Gemüse herkommt.“ Dafür nehme sie es gerne in Kauf, dass sie sich jeden Tag fast zwei Stunden um ihre Pflanzen kümmern muss. Sie geht auf die Terrasse und begutachtet die Kiwis, die auf den Bäumen wachsen. „Die brauchen noch ein bisschen, aber die sind jetzt schon viel größer als im vergangenen Jahr“, sagt Zaun. „Sobald sie soweit sind, werden wir sie auf jeden Fall verarbeiten, vielleicht machen wir ein Mus.“ Mit einem zufriedenen Lächeln kehrt sie in die Küche zurück. An großen steinernen Tischen mit Blick auf den Rhein können Besucher des Biergartens vor allem viele verschiedene Fleischgerichte genießen. „Unser Ochsenkotelett mit Kräuterbutter ist total beliebt, und jeden Dienstag grillen wir Spareribs. Hier kommen vor allem Fleischesser auf ihre Kosten“, sagt Gertrud Zaun. Auch der Räucherlachs werde oft bestellt. „An heißen Tagen essen die meisten Besucher Salat.“ Walter Stahl ist Stammgast im Weißen Häusl. Seit zehn Jahren kommt er jeden Tag aus der Innenstadt zum Essen und schätzt vor allem die frischen Speisen. Oft bleibt Stahl drei Stunden im Lokal. Dort hat er seinen eigenen Tisch. „Heute gab es Zander mit Kartoffelsalat, das esse ich jeden Freitag“, erzählt der Ludwigshafener. Seiner Meinung nach ist der Zander im Weißen Häusl der beste in ganz Ludwigshafen. „Nach dem Essen trinke ich ein leckeres Bier und lese ein paar Zeitschriften, besser könnte es nicht sein“, fügt Stahl hinzu. „Außerdem muss ich dann nicht selbst kochen.“ Sagt’s und genehmigt sich noch einen Schluck helles Bier. Bier, das die Familie Zaun selbst gebraut hat. Seit 2003 besitzen sie eine eigene Hausbrauerei. Für das Bierbrauen ist vor allem Bernd Zaun zuständig. Je nach Bedarf braut er Helles, Dunkles und Weizenbier. „Früher haben wir das Bier eingekauft, aber mir hat es überhaupt nicht geschmeckt. Dann habe ich spontan beschlossen, es mal selbst zu versuchen“, sagt der 67-Jährige. Seine erste Brauanlage hat der gebürtige Bad Dürkheimer in einer Zeitungsannonce gefunden. Zaun produziert das Bier für seine Gäste je nach Bedarf. 2007 stellte er sogar einen Rekord auf, indem er das stärkste Bier der Welt braute. Seit 27 Jahren betreiben Gertrud und Bernd Zaun das Weiße Häusl. Das Ehepaar ist seit rund 40 Jahren in der Ludwigshafener Gastronomie tätig und hat Lokale in Oppau, Friesenheim und Mundenheim geführt. „Wir haben damals eine große Tour durch Ludwigshafen gemacht und sind hier zwischen Rheingönheim und Altrip gelandet. Wir hängen sehr an unserem Häusl und unsere Stammgäste wahrscheinlich auch, denn sie verfolgen uns schon so lange“, sagt Gertrud Zaun. Stammgast Stahl hat seine Zeitschrift gelesen und verabschiedet sich von den Zauns. Er schreitet an den Kiwibäumen vorbei und läuft durch den schattigen Biergarten zu seinem Auto.