Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Blies-Festival: 3000 Techno-Fans erwartet

Bei der ersten Auflage vor einem Jahr tanzten 1700 Raver an der Blies.
Bei der ersten Auflage vor einem Jahr tanzten 1700 Raver an der Blies.

„Save the rave, fuck the war“: Unter diesem Motto findet am 3. September ab Mittag bis Mitternacht die zweite Auflage des Techno-Festivals an der Großen Blies statt. Obwohl es nach der Premiere vor einem Jahr Kritik hagelte.

Das Blies-Festival, nach Angaben des Projektleiters Danijel Jozic ein internationales Kulturfest für elektronische Musik, soll wieder Raver aus der ganzen Region nach Ludwigshafen locken. 1700 Technofans feierten im vergangenen Spätsommer am Ufer des Weihers. Am 3. September ist es von 12 bis 24 Uhr wieder soweit. Auf den Wiesen an der Blies soll es dann eine 130 Quadratmeter große Bühne, einen Foodcourt, mehrere Bars, Rückzugsorte und interaktive Kunstinstallationen sowie eine Festivallandschaft geben – diesmal sogar für rund 3000 Techno-Fans. Die erste Ausgabe während der Corona-Pandemie sei ausverkauft gewesen, bilanzierten die Macher im Vorjahr.

Das Motto „Save the rave, fuck the war“ verstehe sich als Hommage an die Wurzeln der Rave-Kultur und sei ein klares Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Bei einem Lippenbekenntnis soll es Jozic zufolge nicht bleiben: Das Festival sei eine Partnerschaft mit dem Closer-Club in Kiew eingegangen. Dieses Kreativzentrum in einer ehemaligen Fabrik voller Musik, Platten, Kunst, Essen und Mode sei in seiner Form einzigartig in Europa. Aufgrund der politischen Lage in der Ukraine und den direkten Auswirkungen des russischen Angriffskriegs habe der Club in der ukrainischen Hauptstadt jedoch schließen müssen.

Ticketkontingent begrenzt

Die Macher setzen nach eigenen Angaben nicht auf Masse: „Als junges Kulturfest zeichnen wir einen bewussten Gegenentwurf zum kommerziellen Ausverkauf der riesigen Techno-Events. Wir sind nicht profitorientiert, sondern fördern einen niederschwelligen Zugang zum Rave als Erlebnis, bei dem für viele Musikfans eine besondere kollektive Energie spürbar wird“, sagt Projektleiter Jozic. Das Ticketkontingent sei bewusst auf 3000 Gäste begrenzt, um „ein möglichst familiäres Wirgefühl“ zu erzeugen.

Internationale DJs wie Mathew Jonson aus Kanada sorgten 2021 für den treibenden Soundtrack.
Internationale DJs wie Mathew Jonson aus Kanada sorgten 2021 für den treibenden Soundtrack.

„Es ist nicht die Zeit für große Headliner und aufwendige Lasershows. Es gilt gerade jetzt, die positive soziale Utopie des Techno wieder in den Vordergrund zu rücken. Genau dieser Ethos von ,Peace, Love, Unity und Respect’ hat auf kommerziellen Events leider keine Chance“, betont der künstlerische Leiter Karl Martin Leo Becker.

Wasser für alle Besucher

Alle Besucher sollen mit dem Eintritt auf das Event-Gelände einen wiederverwendbaren Becher bekommen. Dieser kann an einem kostenfreien Brunnen unbegrenzt mit Wasser gefüllt werden. Der Wasserbrunnen sei als fester Bestandteil des Blies-Festivals auch Sinnbild für das ideelle Konzept der Veranstalter und deren Ansatz, die Ursprünge der Technokultur wiederzubeleben, kündigen diese an. Für die Installation des Brunnens habe ein befreundetes Kunstkollektiv mit dem Wilhelm-Hack-Museum zusammengearbeitet.

Kulturdezernentin und Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU) begrüßt die Neuauflage: „Das Blies-Festival zählt zu den Highlights im Sommer-Kulturkalender. Wir freuen uns auf die zweite Ausgabe. Mit seinen innovativen Künstlern bietet das internationale Festival der elektronischen Musik dem Publikum erneut ein unvergessliches Musikerlebnis und darüber hinaus Raum für interkulturelle Begegnungen und Inspiration. Ich wünsche dem Blies-Festival viele Besucher und bestes Gelingen.“

Wirbel nach der Premiere

Gefördert wird die Veranstaltung vom Verein Musikfonds, der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Land Rheinland Pfalz. Die Stadt Ludwigshafen steuert 30.000 Euro bei. Hauptsponsor ist laut Veranstalter die BASF.

Die Festival-Premiere vor einem Jahr hatte für viel Wirbel gesorgt: Anwohner hatten im Vorfeld versucht, die Veranstaltung gerichtlich zu verhindern. Sie hielten den Lärm für unzumutbar. Vergeblich. In diesem Frühjahr entzündete sich an der Neuauflage des Blies-Festivals Kritik. Sowohl die Linksfraktion als auch ein Anglerverein sprachen sich gegen eine Wiederholung der Techno-Veranstaltung in dem Landschaftsschutzgebiet aus. Sie brachten unter anderem den Parkplatz im Ebertpark und den Bahnhofsvorplatz als Veranstaltungsort ins Gespräch. Ohne Erfolg.

Kein Standortwechsel

Auch gab es im vergangenen Herbst Ärger, weil der Sohn von Kulturdezernentin Reifenberg indirekt einen Bezug zur Organisation der Festival-Premiere hatte. Dies sorgte für Kritik der Politik, die Bürgermeisterin geriet unter Druck und musste in einer mehrstündigen Sondersitzung Rede und Antwort stehen. Denn die Stadt war als Veranstalter und Geldgeber aufgetreten.

Trotzdem hält die Verwaltung an dem jungen Projekt fest. Nachdem das Festival nach einer sorgfältigen Prüfung für eine Sondernutzung des Bliesgeländes als genehmigungsfähig eingestuft wurde, sah die Stadt keinen Anlass für einen Standortwechsel. Daher heißt es nun am 3. September an der Blies: „Save the rave, fuck the war.“ Es wird damit einen Tag lang wieder laut auf der grünen Wiese am Weiher. Auch wenn das einigen nicht gefällt.

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