Ein Bild und seine Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Werkfeuerwehr: Anfangs im Keller untergebracht

1939: Die Werkfeuerwehr präsentiert sich vor der Feuerwache Süd.
1939: Die Werkfeuerwehr präsentiert sich vor der Feuerwache Süd.

Die BASF hat seit 1913 eine eigene Feuerwehr. Seit 100 Jahren befindet sich die Einsatzzentrale in Friesenheim – gegenüber von Tor 2. Mit 14 Mann begann die Truppe. Heute sind es über 200 Mitarbeiter.

Die Lösch- und Leiterfahrzeuge stehen vor der Feuerwache des Chemiekonzerns in Reih und Glied. Auf den teils noch offenen Fahrzeugen sitzen die Feuerwehrmänner mit Helmen und blicken in die Kamera. Das Bild suggeriert Einsatzbereitschaft und Entschlossenheit. Die BASF-Werkfeuerwehr präsentiert 1939 ihre Flotte vor der Feuerwache dem Fotografen.

Zu diesem Zeitpunkt ist es gerade einmal 26 Jahre her, dass der Chemiekonzern eine professionelle Feuerwehrtruppe hat. Zuvor mussten die Arbeiter löschen, wenn ein Feuer auf dem Werksgelände ausbrach. Alles begann 1913 mit einer im Keller untergebrachten Feuerwache mit 14 hauptberuflichen Wehrleuten. Bis in die frühen 1930er-Jahre gab es im Werk noch zahlreiche unbefestigte Straßen und hochstehende Gleisanlagen. Die Anfahrt einer Feuerwehrspritze zum Einsatzort per Automobil war teils kaum möglich.

Deswegen gab es sogenannte schienengebundene Motorspritzen – Löschfahrzeuge, die auf Schienen fuhren. Leitern, Äxte und eine Rolle zum Aufwickeln der Schläuche gehörten zur Grundausstattung der Wagen. Die Werksbahn diente als Fortbewegungsmittel. Die Feuerlöschgeräte beschränkten sich auf Druckspritzen und einfache Leitern. Im Werk Ludwigshafen waren zehn Männer aktiv. Im damals getrennten Werk Oppau waren weitere vier in einer dortigen Feuerwache stationiert.

Nach Unglück aufgerüstet

Eine Chemiefabrik ist hochgefährliches Areal. Das zeigte sich am 21. September 1921, als ein Düngemittel-Silo im Oppauer Werksteil explodierte. Eine Katastrophe von ungekanntem Ausmaß. 561 Menschen starben, 2000 wurden verletzt. Das Unglück hatte Folgen für die Sicherheitsstandards in der Produktion. Der Aufbau der Werkfeuerwehr wurde danach weiter forciert. 1923 wurde die Feuerwache Süd eingeweiht, die heute gegenüber dem Besucherzentrum liegt. Eine flächendeckende Notrufanlage wurde im Werk installiert.

Die Feuerwehrmänner, die 1939 auf dem Bild vor der Feuerwache Süd posierten, konnten damals nicht ahnen, dass die Folgejahre die Werkfeuerwehr extrem fordern würden. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Chemiewerk in Ludwigshafen zu einem der Hauptangriffsziele der alliierten Bomberflotten. 124 Mal wurde die Stadt bombardiert. Hinzu kam noch eine Kesselwagenexplosion im Sommer 1943, die 64 Todesopfer forderte und einen großen Schaden anrichtete. Auch die Feuerwache Süd wurden bei den Luftangriffen 1944 weitgehend zerstört. Im Juli 1948 kam es abermals zu einer Kesselwagenexplosion, die noch größeren Schaden anrichtete und 207 Menschen tötete. Rund 1000 Feuerwehrleute aus der ganzen Region war danach im Einsatz.

Heute Einsatzzentrale

Die Feuerwache in Friesenheim wurde 1953 wieder aufgebaut. Die Werkfeuerwehr wurde modernisiert und ist heute technisch auf dem neuesten Stand. Das Gebäude gegenüber von Tor 2 dient bis heute als BASF-Hauptfeuerwache. Hier befindet sich die Leitstelle der Werkfeuerwehr, in der alle Notrufe und Gefahrenmeldungen bearbeitet werden. Rettungsdienst, Werkfeuerwehr, Standortsicherheit und Umweltüberwachung arbeiten von hier aus im Ernstfall zusammen. In Großschadensfällen wird in dem Gebäude der Krisenstab einberufen und die Koordination der Einsatzkräfte übernommen.

Heute zählt die Mannschaft der BASF-Werkfeuerwehr, die 110-jähriges Bestehen feiert, über 200 Mitarbeiter, die in den drei Wachen, der Hauptfeuerwache Süd, der Feuerwache Nord sowie der Feuerwache Ost auf der Friesenheimer Insel in Mannheim, stationiert sind. Die Feuerwehrmänner auf dem historischen Foto würden über die Ausrüstung ihrer heutigen Kollegen staunen: 50 Feuerwehrfahrzeuge sind bei der Werkfeuerwehr im Einsatz – darunter Spezialfahrzeuge wie der Turbolöscher.

Das „Aerosollöschfahrzeug“, wie es in der Fachsprache heißt, zerstäubt mittels der Kraft zweier Flugzeugdüsentriebwerke das Löschwasser. Bis zu 8000 Liter Wasser können pro Minute vernebelt und bis zu 120 Meter weit gesprüht werden. „Dies macht das Fahrzeug zu einem der effektivsten landgebundenen Löschfahrzeuge der Welt“, sagt die BASF nicht ohne Stolz.

Der Turbolöscher dient zum Auswaschen von Schadstoffen aus der Luft, zur Kühlung von Industrieanlagen bei Bränden oder zur Belüftung von Tunneln. In Ludwigshafen sind zwei dieser Fahrzeuge im Einsatz, die Anschaffung eines dritten Turbolöschers ist geplant, der voraussichtlich ab 2024 die aktuelle Fahrzeugflotte verstärken soll.

Der Turbolöscher ist auch bei Großbränden wie 2013 auf der Parkinsel eingesetzt worden.

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