Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger diskutieren über Pfalztram-Pläne: Großes Interesse in Rheingönheim

Kritischer Blick: Mithilfe von Grafiken informierten sich die Bürger über die möglichen Trassenverläufe zwischen Rheingönheim un
Kritischer Blick: Mithilfe von Grafiken informierten sich die Bürger über die möglichen Trassenverläufe zwischen Rheingönheim und Neuhofen.

Die erste Runde der Bürgerbeteiligung zur Pfalztram ist fast abgeschlossen. Im Ludwigshafener Süden gab es großes Interesse, einige Fragen, aber keinen Protest.

Es war eine gute Idee, die erste Bürgerbeteiligung zur geplanten Pfalztram im Ludwigshafener Süden kurzfristig in die Turnhalle der Rheingönheimer Mozartschule zu verlegen. Dort blieben zwar viele Plätze leer. Aber in dem Begegnungszentrum, in dem der Termin ursprünglich stattfinden sollte, wäre es für die knapp 70 Interessierten etwas eng geworden. In der luftigen Halle war die Veranstaltung dagegen gut platziert. Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (CDU) freute sich, dass sich so viele Bürger über den geplanten Ausbau der Straßenbahnlinie informieren wollten und den Vertretern des ÖPNV-Zweckverbands und der Verkehrsbetriebe aufmerksam zuhörten. Von Protest oder grundsätzlicher Ablehnung des Projekts war in dem südlichen Stadtteil nichts zu spüren.

Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Straßenbahnlinie 6 bereits bis nach Rheingönheim verläuft und diese nach den Ausbauplänen dereinst über Neuhofen bis nach Waldsee weitergeführt werden soll. Viele Zuhörer sind bereits viel mit der Bahn unterwegs, wie eine Abfrage zum Auftakt ergab. Dass mit der Pfalztram auch der beliebte Wildpark und das Naherholungsgebiet in Neuhofen einmal mit der Straßenbahn angesteuert werden könnten, wird offenbar als interessante Chance begriffen. Wobei die Debatten über die Trassenführung noch gar nicht geführt wurden.

Flächen seit 50 Jahren reserviert

„Wir haben aktuell noch die Freiheit der Trasse“, betonte der Ludwigshafener Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos). Reserviert sind für den Linienausbau schon seit 50 Jahren Flächen am Rand des Dorfes, erläuterte RNV-Sprecher Thomas Weisenstein. Mit dieser Trassenführung würde das geplante Neubaugebiet „Im Kappes“ besonders gut an die Bahnlinie angebunden. Dagegen gibt es unterdessen in Rheingönheim heftigen Widerstand. Aber auch eine Führung der Gleise entlang des Hohen Wegs und über die Neuhöfer Straße sei alternativ möglich. Katrin Zima vom beauftragten Mannheimer Planungsbüro ergänzte, dass die Bürger weitere Vorschläge in die Diskussion einbringen könnten. Denn die konkrete Planung der Varianten stehe voraussichtlich erst in zwei Jahren auf der Agenda.

Knapp 70 Interessierte verfolgten den Info-Abend in der Turnhalle der Rheingönheimer Mozartschule.
Knapp 70 Interessierte verfolgten den Info-Abend in der Turnhalle der Rheingönheimer Mozartschule.

Rund 100 Millionen Euro sind allein für die Trassenverlängerung bis nach Waldsee veranschlagt. Damit sich das Projekt rentiert, braucht es laut Weisenstein zusätzlich 5200 Fahrgäste auf der Strecke. Die Planer sind sehr zuversichtlich, dass dieses Ziel übertroffen wird. Das hätten auch die Erfahrungswerte gezeigt, die bereits bei der Inbetriebnahme der Mannheimer Stadtbahn Nord gesammelt worden seien. „Ein attraktives Angebot bringt die Menschen in die Bahn“, bilanzierte Weisenstein.

Parlamente entscheiden

Kritik an dieser These, wie insbesondere bei den bisherigen Info-Veranstaltungen im Ludwigshafener Norden, gab es in Rheingönheim nicht. Wohl aber einige Fragen: Wann fällt die Entscheidung über die Trassenführung? Sind in Rheingönheim weitere Haltestellen geplant? Wären E-Busse eine kostengünstigere Alternative? Die Entscheidung über die Trassenführungen werden am Ende eines langjährigen Prozesses die jeweiligen kommunalen Parlamente fällen. Haltestellen gibt es auf den einzelnen Linien etwa alle 300 Meter. In Rheingönheim soll es auf jeden Fall einen weiteren Haltepunkt nahe des Wildparks geben. Und E-Busse sind nicht kostengünstiger, wie Untersuchungen bereits ergeben haben.

Der Rheingönheimer Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (rechts) war überrascht über das große Interesse am Projekt Pfalztram.
Der Rheingönheimer Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (rechts) war überrascht über das große Interesse am Projekt Pfalztram.

Die Zuhörer diskutierten im Anschluss an die Vorträge der Verantwortlichen eifrig über die Pläne für ihren Stadtteil. Ein Thema war dabei der Zeitplan: Dass für das Projekt weit mehr als ein Jahrzehnt veranschlagt ist, sorgt bei vielen für Kopfschütteln. „Wer weiß heute schon“, meinte eine Frau, „was sich in dieser langen Zeit technisch verändern und künftig möglich sein wird, was wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.“

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