Ludwigshafen
100-Millionen-Euro-Projekt in LU offenbar geplatzt: Neuer Bauherr plant 70 Wohnungen
Der Volksmund bezeichnet die große Baugrube am Berliner Platz als „Ludwigshafener Loch“. Seit mehr als zehn Jahren ist der Krater ein weit über die Grenzen Ludwigshafens hinaus bekanntes Symbol für den Untergang der Innenstadt. Nicht ganz so groß, aber beinahe ebenso symbolträchtig könnte ein weiteres Bauloch werden, das sich seit vergangenem Jahr im Stadtteil Süd auftut: Hier ist zwischen Kurfürsten-, Arnulf- und Silcherstraße nach dem Abriss eines Bürogebäudes, in dem das kommunale Wohnungsunternehmen GAG während des Umbaus seines Hauptsitzes in der Mundenheimer Straße Unterschlupf gefunden hatte, ebenfalls ein beachtlicher Krater entstanden. Banner an einem Bauzaun verkünden, wer hier demnächst Wohnungen und eine Kita bauen will. Es ist nicht mehr Pro Concept. Das Mannheimer Unternehmen wollte auf dem ehemaligen Pfalzwerke-Gelände mehr als 300 Wohnungen auf drei Baufeldern errichten und kündigt seit Langem auch Investitionen in die Ludwigshafener Walzmühle an.
Neuer Bauherr für das einstige Baufeld 1 des Quartiers in Süd, das weiter unter dem Namen „Kurfürsten Karree“ vermarktet wird, ist die Mannheimer Baklan Group. Nach eigenen Angaben ist die Firma seit über 20 Jahren auf dem Immobilienmarkt in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar erfolgreich. Der Fokus der Aktivitäten liege auf dem Ankauf und der Weiterentwicklung sowie der Vermarktung, Vermietung und dem Verkauf von Wohn- und Geschäftsimmobilien, wie es weiter auf der Webseite der Gruppe heißt, als deren Geschäftsführer Tamer Baklan firmiert. Auf dem ehemaligen Baufeld 1 sollen 70 Wohnungen, eine Kindertagesstätte und eine Tiefgarage entstehen, informiert eine Sprecherin schriftlich auf Anfrage der RHEINPFALZ nach dem Eigentümerwechsel und den neuen Plänen für das Abrissgelände.
Nur abgegrenzte Teilfläche
Die Baklan Gruppe hat den weiteren Angaben nach im vergangenen Jahr vom „ursprünglichen Initiator Pro Concept die Projektentwicklung für Baufeld 1 des ehemaligen Pfalzwerke-Areals übernommen“. Die Entwicklung betreffe ausschließlich diese klar abgegrenzte Teilfläche des Gesamtquartiers, unmittelbar angrenzend an das Finanzamt, heißt es weiter.
Das Grundstück umfasse rund 2570 Quadratmeter. Der Altbestand der früheren gewerblichen Nutzung sei bereits vollständig zurückgebaut worden, sodass die baulichen Voraussetzungen für die Neubebauung geschaffen seien. Geplant ist die Errichtung eines modernen Wohn- und Betreuungsstandortes mit 70 Wohneinheiten, einer Kindertagesstätte mit rund 1380 Quadratmeter Nutzfläche sowie einer Tiefgarage. Vorgesehen sind Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, wobei der überwiegende Teil vermietet werden soll.
Neu geplant
Bei der Projektübernahme sei die bestehende Planung in enger Abstimmung mit der zuständigen Bauverwaltung technisch und konstruktiv neu aufgesetzt worden, sagt die Baklan-Sprecherin. Die ursprüngliche Konzeption habe sich in Teilen als nur eingeschränkt realisierbar erwiesen. Vor diesem Hintergrund seien „die Grundrisse funktional optimiert, die betrieblichen Anforderungen der Kindertagesstätte baulich integriert, die Statik vollständig neu berechnet sowie ein angepasstes Gründungs- und Tragwerkskonzept entwickelt worden“. Mit der architektonischen und wirtschaftlichen Neuplanung wurde ein Architektenbüro aus Karlsruhe beauftragt. Für den Betrieb der Kindertagesstätte befinde sich die Baklan Gruppe in finaler Abstimmung mit der Stadt hinsichtlich des Mietvertrages. Die architektonische Planung sei abgeschlossen.
Der Baubeginn ist für das Frühjahr vorgesehen, die Fertigstellung des Projekts rund 20 Monate nach Baustart, also Ende kommenden Jahres. Kai Erler, Bauleiter des Projekts, erklärt: „Die Planung wurde gemeinsam mit der Bauverwaltung umfassend technisch neu aufgesetzt. Tragwerk, Gründung und Grundrisse sind vollständig überarbeitet und an die tatsächlichen Anforderungen von Wohnen und Kita-Betrieb angepasst. Dabei bleibt die Bebauung unverändert im Rahmen des geltenden Bebauungsplans. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten war konstruktiv und zielorientiert. Die letzten formalen Genehmigungsschritte erwarten wir kurzfristig.“
Baustart mehrfach verschoben
Ein Sprecher der Ludwigshafener Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage, dass die Planung für die Kita in der Silcherstraße auf Wunsch des Eigentümers modifiziert worden sei. „Die Baugenehmigung liegt inzwischen vor.“ Wegen der Förderung der Kitaplätze sei noch beim Land ein Antrag auf vorzeitigen Maßnahmebeginn zu stellen. Grundlage sei grünes Licht vom Landesjugendamt. Hierzu müsse der Investor die notwendigen Antragsunterlagen vorlegen.
Nach den ursprünglichen Plänen von Pro Concept sollte das insgesamt 13.000 Quadratmeter große Pfalzwerke-Areal ab dem Frühjahr 2022 neu bebaut werden. In das Projekt wollte die Mannheimer Firma 100 Millionen Euro investieren. 328 Wohnungen und eine Kita waren geplant. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise sprach Pro Concept jedoch von Problemen mit der Materialbeschaffung, und der geplante Baustart wurde mehrfach verschoben. Zuletzt Anfang 2025. Die zuständigen Gremien segneten bisher jede Verzögerung verständnisvoll ab. Denn der Investor versicherte immer wieder: „Wir wollen das Projekt realisieren.“
Die Pfalzwerke sind Anfang 2023 aus dem Altbau (Baujahr 1921) in der Kurfürstenstraße in einen Neubau von Pro Concept in der Stadtmitte gezogen. Der Energieversorger wurde damit vom Immobilien-Eigentümer in Süd zum Mieter in der City. Das Altgebäude steht seither leer. Die Zukunft der Immobilie scheint ungewiss. Abriss und Neubebauung sind nicht mehr in Sicht. Schriftliche Anfragen dazu ließ Pro Concept unbeantwortet.