Mannheim
Neuer Hotel-Betreiber: Es geht weiter im Prachtbau
Stolz thront der 1901 eröffnete Prachtbau im Renaissancestil am Friedrichsplatz. Das Aus des Maritim-Hotels kam für viele überraschend. Der Pachtvertrag der berühmten Hotelkette lief aus, das Leben in der Nobelherberge aber geht weiter – und greift als „Parkhotel 1901“ die Historie des Gebäudes auf.
Schon bei seiner Eröffnung firmierte das Domizil mit der Sandstein-Fassade als „Parkhotel National“. Viele Eigentümer und Betreiber haben die 172 Suiten seitdem in 122 Jahren kommen und gehen sehen. Das Maritim stieg erst in den 1980er-Jahren ein – und nun zum Jahresende aus. Tatsächlich gab es schon seit Mitte Oktober keine Übernachtungen mehr, wurde das Gebäude geräumt und vom neuen Betreiber umgestaltet. „Wir wollen das Hotel behutsam in ein neues Zeitalter führen. Es wird vieles modernisiert werden müssen, aber ohne, dass wir dabei den Blick auf seine Tradition verlieren“, sagt Tamer Baklan.
Neuer Pächter kein Unbekannter
Der neue Pächter ist in Mannheim kein Unbekannter. Baklan ist Geschäftsführer der gleichnamigen Gruppe, einem Unternehmen, das sich auf den Ankauf und die Entwicklung von Wohn- und Geschäftsimmobilien in der Metropolregion Rhein-Neckar spezialisiert hat. Zuletzt ersteigerte man auf Turley ein denkmalgeschütztes Ex-Militärgebäude aus der Kaiserzeit für 1,3 Millionen Euro. Zudem ist Tamer Baklan der Neffe von Suntat-Gründer Mustafa Baklan, eine vor allem für ihre Dosen und Einmachgläser bekannte deutsch-türkische Lebensmittelgesellschaft, die über 1200 mediterrane Produkte vertreibt.
Auch die Hotelbranche ist für den jungen, unter 40-jährigen Unternehmer kein neues Terrain. Mit den 3-Sterne-Hotels „Wegener“ und „Bismarck“ werden in der Schwetzingerstadt bereits zwei große Häuser betrieben. Das Parkhotel mit seiner Pianobar, mit seinem von Säulen flankierten Treppenaufgang und mit Carrara-Marmor verziertem Vestibül, in denen schon der berühmt-berüchtigte deutsch-amerikanische Schriftsteller Charles Bukowski sowie der Astronaut Buzz Aldrin (nach Neil Armstrong der zweite Mensch auf dem Mond) abgestiegen sind, habe er schon immer als etwas ganz Besonderes wahrgenommen. „Für mich gehört es zu Mannheim wie der Wasserturm. Selbst übernachtet habe ich darin noch nicht, da ich ja in Mannheim wohne“, verrät er.
Illustre Namen im Gästebuch
Als die Concept AG als Eigentümerin des Maritim-Hotels nach einem neuen Pächter Ausschau hielt, habe er nicht lange gezögert. „Für ein Hotel ist der Standort geradezu ideal und wir sind sehr zuversichtlich, das geschichtsträchtige Haus mit diesem Potenzial wieder zu altem Glanz führen zu können. Unser Ziel ist es, dem künftigen Parkhotel 1901 wieder die gesellschaftliche Akzeptanz zu verschaffen, die es früher hatte“, betont er.
Ein erster Fingerzeig darauf soll eben der neue Name sein, der auf die lange Tradition des Hauses verweist. Auch die Liste der berühmten Hotelgäste ist lang. Prinzessin Haya von Jordanien soll sich im Gästebuch verewigt haben. Genauso wie Cindy & Bert, Franz Beckenbauer, Horst Eckel, Bon Jovi, Mario Adorf, André Rieu oder die Rockgruppe Genesis. An der Maritim-Bar soll Ex-Kanzler Gerhard Schröder zudem seine spätere Ehefrau Doris Köpf kennengelernt haben.
Ohne Bar geht nichts
Tamer Baklan macht kein Geheimnis daraus, dass die Hotelbranche durchaus schon bessere Zeiten erlebt hat. „Das Marktumfeld war in den vergangenen Jahren sicher nicht ganz einfach, aber wir sind optimistisch, uns mit dem Parkhotel erfolgreich in Mannheim positionieren zu können. Es gibt Anzeichen, dass sich die Zeiten zum Positiven ändern. Außerdem haben wir ein überzeugendes, ein gutes Konzept“, betont er. Und liefert zumindest kleine Details. So entwickele man derzeit ein gastronomisches Konzept, das zur Marke passen soll. „So viel sei schon jetzt verraten: Es wird auf jeden Fall wieder eine Bar geben“, erklärt er.
Ob dort ähnliche Berühmtheiten wie einst wieder Platz nehmen und ein paar Drinks bestellen werden, muss sich noch herausstellen. Tatsächlich aber gilt das Ensemble am Friedrichsplatz als eine der am vollständigsten erhaltenen neubarocken Anlagen in ganz Deutschland. Seit dieser Woche ist das Hotel wieder eröffnet.