Landau
Wie soll das neue Landauer Stadtviertel aussehen?
Der Verein Stadtbild Deutschland, Regionalverband Südpfalz, übt sich nicht in Bescheidenheit: Er hat Vorschläge gemacht, wie das neue Stadtviertel im Südwesten, südlich der Wollmesheimer Straße, künftig gestaltet werden sollte. Er bezeichnet dies selbst als wegweisenden Entwurf.
Wie es der Name nahelegt, will der Verein darauf hinwirken, Städte attraktiver zu machen. Er fühlt sich „der Schönheit verpflichtet“, so die Homepage. In Landau hat sich die Regionalgruppe Südpfalz bereits mehrfach in öffentliche Diskussionen eingebracht und sich kritisch mit Bauprojekten auseinandergesetzt, beispielsweise der Radbrücke an der Queich, einem Neubauvorhaben in der Münchener Straße oder einem Projekt in der Paul-von-Denis-Straße.
Detaillierter als ein Bebauungsplan
Jetzt hatte die Regionalgruppe um Mario Albers in den Gloria-Kulturpalast eingeladen, um nicht nur sein Anliegen und Leitbild in größerer Runde vorzustellen, sondern auch konkrete Vorschläge für ein Großprojekt zu machen, das die Stadt seit 2016 vorantreibt, auch wenn es zuletzt deutlich ruhiger um das Thema geworden ist: ein komplett neues Stadtviertel. Zur Einordnung: Einen Gestaltungsrahmen gibt der jeweilige Bebauungsplan vor. Er regelt beispielsweise die Anzahl der Geschosse und Baufenster (bebaubare Teile eines Grundstücks), geht in der Regel aber nicht bei Gestaltungsfragen ins Detail.
Der Verein hatte den Berliner Architekten Robert Patzschke (Patzschke und Partner Architekten) eingeladen, der beispielsweise das Berliner Nobelhotel Adlon am Brandenburger Tor entworfen hat. Der Verein hatte sein Büro gebeten, Zeichnungen für den neuen Stadtteil Landau-Südwest anzufertigen. Bisher gibt es für das Areal nur einen in einem Wettbewerb gekürten Vorschlag zu den Grundzügen der Quartiersgestaltung. Die Sieger, das Düsseldorfer Architektur- und Stadtplanungsbüro Thomas Schüler und das Landschaftsarchitekturbüro Faktorgrün aus Freiburg, hatten Straßen und Plätze sowie die Anordnung zentraler Einrichtungen geplant. Vorgegeben waren maximale Gebäudehöhen, doch noch keine weiteren Gestaltungsfragen. In diese Lücke stoßen jetzt der Verein Stadtbild und Patzschke.
„Die Bürger sehen es mit Staunen“
Der besondere Stil des Berliner Architekturbüros sei „unter regem Interesse und Staunen der Bürger“ herausgearbeitet worden, schreibt Albers. Der ist kurz und knapp als historisierend charakterisierbar, Patzschke zitiert Historismus, Jugendstil, Art Deco und Bauhaus. Albers erkennt darin das gemeinsame Anliegen, „eine Architektur mit Herz und Gesicht zu erschaffen, die der üblichen austauschbaren Langweiligkeit und Tristesse nichtssagender Fassaden entgegengestellt werden könne und müsse“.
Für Landau-Südwest – das Viertel hat trotz zwischenzeitlicher Versuche, den Begriff Europaviertel zu etablieren, noch keinen Namen bekommen – schlagen die Berliner Architekten eine Bauweise vor, die „anstatt steriler Einheitsblöcke“ (Zitat Albers) etwas bietet, das sich „an den Prinzipien der europäischen Stadt ausrichtet“ und durch Mischnutzung, Kleinteiligkeit, Orientierung an Parzelle und Blockrand sowie durch Erdgeschosszonen geprägt ist, die sich dem Stadtraum öffnen und Gewerbe und Fußläufigkeit ermöglichen. All diese Punkte sind allerdings nicht neu. Das sieht auch der Entwurf der Wettbewerbssieger vor, denn das Viertel ist nicht als Schlafstadt konzipiert, sondern soll sich eher an erfolgreichen Konzepten für belebte Viertel orientieren, wie sie beispielsweise in Freiburg und Tübingen umgesetzt worden sind. Der Stadtrat hatte sich darüber bei einer Exkursion informiert.
Wie ein gewachsenes Viertel
Neu – oder besser: alt – sind zahlreiche Gestaltungsvorschläge. Patzschke hat eine ansprechende Dach- und Fassadengestaltung empfohlen. In den Entwürfen seines Büros, die auf dem vorgesehenen Quartiersgrundriss basieren, finden sich unterschiedlich hohe Gebäude, hohe Walmdächer statt der bei Neubauvorhaben beliebten Flachdächer mit Penthouse-Wohnungen, turmartig betonte Eckgebäude (wie beim Stadttor Landau anstelle des Kaufhofs), Schaugiebel, hohe Erdgeschosszonen, wie sie ab der Gründerzeit für Wohn- und Geschäftshäuser geplant wurden, und etliche weitere Rückgriffe auf bewährte Gestaltungselemente, die durch ihre Kombination den Eindruck erwecken, dass man es nicht mit einem in einem Aufwasch geplanten, sondern einem gewachsenen Stadtviertel zu tun habe. Ziel ist es laut Albers, keinen „Wohnpark Ebenberg 2.0“ zu erhalten. Dieses Quartier beziehe seinen Reiz „allein von den historischen Gebäuden“, den Kasernen in Klinkerbauweise, während die Neubauten der Stadt „keinen echten ästhetischen Wert“ hinzufügen könnten.
