Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Verein schaut kritisch auf Architektur der Neubauten

In der Schloßstraße in Landau zwischen Schlössel und Frühmesser-Tankstelle steht im ehemaligen Garten eines Gründerzeitbaus ein
In der Schloßstraße in Landau zwischen Schlössel und Frühmesser-Tankstelle steht im ehemaligen Garten eines Gründerzeitbaus ein mehrstöckiger Neubau. Besser lässt sich der Bruch im Stadtbild kaum zeigen.

Unsere Städte verlieren durch ausdruckslose Neubauten an Gesicht, meint Mario Albers. Der 53-Jährige hat sich mit Gleichgesinnten im Verein Stadtbild zusammengetan und möchte Landau schöner und zukunftsfähiger machen. Was hat der Mann gegen quadratisch, praktisch, gut?

„Jedes Mal, wenn in der Stadt etwas abgerissen wird, habe ich Angst, dass ein neues Monstrum entsteht.“ Mario Albers hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Er lebt seit elf Jahren in Landau und fühlt sich hier sehr wohl. Doch manche Entwicklung im Stadtbild findet er gruselig.

Der Oberstudienrat am Eduard-Spranger-Gymnasium und Lehrer für Geschichte, katholische Religion und Latein geht mit wachem Blick durch die Stadt. Er kennt jeden Neubau, diskutiert mit Freunden und Vereinskollegen über Details. Architektur sei schon immer sein Steckenpferd gewesen, sagt Albers im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ästhetisches Bauen ist sein Thema.

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Nicht noch mehr Banalität

Kultureller Verfall

Menschen, die ähnlich denken, haben 2006 den Verein Stadtbild Deutschland gegründet. Mario Albers ist seit Jahren eines der heute 600 Mitglieder und nun seit dem Wochenende Sprecher des frisch ins Leben gerufenen Regionalverbandes Südpfalz mit Sitz in Landau.

Die Frage, was zeichnet einen schönen und sich harmonisch ins Umfeld einfügenden Neubau aus, beschäftige im Verein auch Architekten und Stadtplaner, sagt Albers. Quadratisch, praktisch sei nicht immer gut. Er vermisst an vielen Fassaden von Neubauten ein Gesicht – Fenstereinrahmungen, Gesimse. „Die glatten Fassaden nach dem Strich-Code-Prinzip sind kultureller Verfall. Das sollte uns nicht genügen“, betont der Geschichtslehrer.

Fremdkörper in der Altstadt

Gerade in Landau, wo die Häuserfassaden in der Innenstadt kleinteilig angelegt seien, müssten auch die Neubauten harmonisch eingepasst und bewährte Formen wieder aufgenommen werden. Ein schlechtes Beispiel sieht Albers in dem „Klotz“ zwischen H&M und Gymnasiumstraße gegenüber dem Otto-Hahn-Gymnasium. „Die Fassadengestaltung ist nicht das, was die Altstadt verdient hätte.“ Die Kleinteiligkeit sei wichtig in der Altstadt, weil sonst ein Fremdkörper im Design entstehe. Ganz im Sinne von Albers Architektur-Verständnis ist der Umbau des Gebäudes beim ehemaligen Expert-Roth in der oberen Königstraße. Diese Fassade habe ein Gesicht und füge sich gut ein.

Es gehe doch heute darum, wie Städte attraktiv blieben auch für Besucher, betont der 53-Jährige, der aus Schaumburg-Lippe stammt und in Freiburg studiert hat. So versteht er nicht, warum sich die Landauer über Parkplätze und die Straßengestaltung in der Königstraße so aufregen. „Viel wichtiger als das ist doch die Frage der Gestaltung der Häuser.“ Es brauche einen Charakter, der schlüssig sei.

Nicht mehr die 20er-Jahre

Die Stadtverwaltung Landau sei die Stadtentwicklung sehr einseitig angegangen und habe zu viel modernistische Architektur zugelassen. Der Verein Stadtbild suche nicht die Konfrontation, betont Albers, sondern wolle Alternativen aufzeigen. Es gehe um Denkmalpflege, neue klassische und moderne traditionelle Architektur, lokaltypisches Bauen. Die Räume müssten fußgängerfreundlich sein, die Nutzung solle gemischt sein. „Wir leben nicht in den 20er- und 30er-Jahren und bauen trotzdem so“, sagt Albers und bemängelt die fehlende Reflexion.

Dazu zählt für ihn auch das Flachdach. In Landau und der Umgebung sei diese Dachform ein Bruch mit der lokalen Architektur. „Die passen nicht hierher. Aber sie werden auf Teufel komm raus durchgedrückt. Wenn man will, gibt es andere Lösungen.“

Der Verein Stadtbild möchte mit Veranstaltungen auf seine Ziele aufmerksam machen. Er versteht sich auch als Anlaufstelle für Architekten, „die die trist-funktionale Formensprache der sogenannten ,modernen Architektur’ ablehnen, aber nicht die Chance erhalten, ihre Ideen zu verwirklichen“, heißt es im Leitbild des jungen Regionalverbandes Südpfalz. „Es ist eine Güterabwägung, es geht doch um uns. Wir wollen uns wohlfühlen in unserer Stadt“, sagt Mario Albers.

Info

www.stadtbild-deutschland.org

Mario Albers sieht an vielen Stellen in Landau Verbesserungsbedarf im Stadtbild.
Mario Albers sieht an vielen Stellen in Landau Verbesserungsbedarf im Stadtbild.
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