Landtagswahl
Vorzeige-Linker Gregor Gysi in Landau: Der Name zieht immer noch
Gregor Gysi, dieser Name zieht. Immer noch. Der Rechtsanwalt ist auch mit seinen mittlerweile 78 Lenzen eines der schillerndsten Gesichter der politischen Linken. Nicht etwa wegen seines Auftretens an sich. Seine Popularität und Zugkraft gründen vielmehr auf seiner Vita. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte er im Zuge der Wende in den Jahren 1989 und 1990. Gysi sprach auf der ersten freien Großdemonstration der DDR auf dem Berliner Alexanderplatz, wenig später wurde er zum Vorsitzenden der SED gewählt. Am 3. Oktober 1990 wurde er Mitglied des Bundestags.
Die SED ist mittlerweile Geschichte, ebenso wie ihre Nachfolgeparteien SED-PDS und PDS. Geblieben ist die Partei Die Linke, die unter anderem aus der PDS entstanden ist – und auch wegen Gregor Gysis rhetorischer Begabung Erfolge feierte. Daran ließ sein Auftritt am Mittwochabend im Universum-Theater keine Zweifel. Zum ersten Mal seit 20 Jahren gastierte der Vorzeige-Linke in Landau – und viele Menschen wollten dabei sein. Sogar so viele, dass das Universum nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt war, sondern viele Besucher draußen bleiben mussten.
Gysi möchte Genossen in der Südpfalz unterstützen
Er wolle die Genossen in der Südpfalz unterstützen, erklärte Gysi. Klar: Nächste Woche wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt – und Die Linke soll dort zum ersten Mal in der Geschichte vertreten sein. Darauf hoffen auch die Direktkandidaten Luca Hartkorn (Wahlkreis 49 – Südliche Weinstraße), Philipp Lange (Wahlkreis 50 – Landau), Karl-Hermann Vogel (Wahlkreis 51 – Germersheim) und Lea Schanne (Wahlkreis 52 – Wörth). Gysi allerdings stellte nicht die vier Kandidaten in den Fokus, die auf die Erststimmen der Wähler hoffen. „Auf die Zweitstimmen kommt es an“, rief er in den Saal. Wieso, das habe man jüngst in Baden-Württemberg gesehen, wo Die Linke knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und damit nicht im Landtag vertreten ist.
Der Ausflug ins Nachbarbundesland sollte nur einer von vielen an diesem Abend sein. Eine gute Stunde lang lieferte Gysi einen Parforceritt durch die aktuelle politische Lage. Bürgergeld, Rente, das aus seiner Sicht mangelhafte Agieren der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz, die Stärke der Rechtsaußenpartei AfD – es war ein bunter Strauß an bundespolitischen Themen, denen Gysi seinen linken Anstrich verlieh. Es solle endlich Volksentscheide auf Bundesebene geben, forderte er hier, eine Änderung des Wahlrechts sollte es dort sein – stets garniert mit dem ihm eigenen Witz.
„5,1 Prozent wären besser als 5 Prozent“
Nachdem schließlich der Berliner Politbetrieb abgehandelt war, ging die Reise weiter durch die ganze Welt. Venezuela, Grönland, Kuba, Donald Trump, der Nahostkonflikt. Die Themen und Brandherde rund um den Globus sind hinlänglich bekannt. Aber: Was hatte Gysi eigentlich im Hinblick auf Rheinland-Pfalz mit dabei? Inhaltlich im Grunde genommen gar nichts. Auch wenn er nach seiner Rede im kurzen Gespräch beteuerte, dass er die Landespolitik sehr wohl verfolgen könne aus dem fernen Berlin. Er beließ es jedenfalls bei Allgemeinplätzen, etwa: „Je stärker Die Linke wird, desto sozialer wird die Politik.“
Immerhin das wäre im Sinne der Direktkandidaten, die im Vorfeld von Gysis Rede auf der Bühne standen. „Ich habe ein bisschen Angst vor der Zukunft“, bekannte Lea Schanne. Grund dafür seien unsichere Jobs, Krisen und Kriege, Kapitalismus und Imperialismus, die Schannes Meinung nach die Oberhand gewonnen haben, sowie horrende Mieten. Die wiederum hat Lange besonders im Fokus. Großkonzerne machen sich seiner Meinung nach die Taschen voll, während sich immer weniger eine Wohnung leisten können. „Wir müssen diese Wohnungen selbst verwalten“, meint Lange. Ob als Genossenschaft oder ob das die Stadt mache, müsse man schauen. Klar ist für ihn: Die Linke muss dafür sorgen, „es wird sich sonst niemand drum kümmern“.
Bleibt die Frage, ob sich die Partei tatsächlich nach der Wahl am 22. März darum kümmern kann. Gysi meinte wenig überraschend: ja. „5,1 Prozent wären besser als 5 Prozent“, sagte er angesprochen auf seine Prognose. Zumindest unter den auffallend jungen Besuchern im Universum würde Die Linke die magische Hürde wohl deutlich nehmen. Der Rest wird sich zeigen.