Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Linken-Kandidat Vogel: Keine Angst vor kontroversen Forderungen

Karl-Hermann Vogel (Linke).
Karl-Hermann Vogel (Linke).

Karl-Hermann Vogel tritt zum dritten Mal für Die Linke an, diesmal im Wahlkreis 51. Im Wahlkampf schreckt er vor Forderungen wie Enteignung und Verstaatlichung nicht zurück.

„Ich mache schon seit 20 Jahren Wahlkampf. Jetzt ernten wir endlich die Früchte“, sagt ein gut gelaunter Karl-Hermann Vogel mit Blick auf Prognosen, laut denen Die Linke bei 6 Prozent liegt. „Solche Zahlen hatten wir noch nie“, sagt er. Dennoch sei er stets dabei geblieben, „weil ich meine Überzeugungen nicht verloren habe“.

Bis 2005 sei er kein SPD-Mitglied, aber „sozialdemokratisch angehaucht“ gewesen, erinnert sich Vogel. Doch dann kam unter SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder die sogenannte „Hartz-IV“-Gesetzgebung, bei der Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Noch 2005 trat Vogel der noch jungen WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit) bei, die sich als Protest gegen diese Agenda gegründet hatte, und trat für sie 2006 als Direktkandidat an. 2016 stellte sich Vogel erneut zur Wahl, inzwischen – WASG und PDS waren fusioniert – für die Partei Die Linke, in beiden Fällen für den Wahlkreis 50, Landau.

Ein anderer Wahlkreis

Diesmal steht Vogel im Wahlkreis 51, Germersheim, auf der Liste. Das habe mit der neuen Organisationsstruktur der Linken in der Südpfalz zu tun, erläutert er. Der noch recht junge Bezirksverband Südpfalz hatte vier Wahlkreise zu besetzen, Landau, Südliche Weinstraße, Wörth und eben Germersheim. Die Verbandsgemeinde Offenbach gehört zum Wahlkreis 51, Vogel wohnt in Offenbach.

Der Hauptgrund für seine erneute Kandidatur: In Germersheim gibt es eine starke Vertretung der Linken-Jugendorganisation Solid, sagt Vogel. Als der Nachwuchs gesagt habe, dass er ihn unterstütze, auch beim Flyerverteilen oder Plakate hängen, war Vogel wieder dabei. „In der Verbandsgemeinde Offenbach bin ich etwas bekannt und hoffentlich auch etwas beliebt“, sagt Vogel, der auch noch in der Altersklasse „Masters“ in der Leichtathletik aktiv ist.

Der 67-Jährige lebt als Single in Offenbach, hat vier erwachsene Söhne. „Sie stehen alle fest im Leben, ich kann auf alle stolz sein“. In der Freizeit halten ihn seine zehn Enkel, die alle in der Region wohnen, auf Trab. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und war viele Jahre als Betriebsrat aktiv. 2021 sattelte er um und arbeitete einige Jahre als Kurierfahrer. Von Ruhestand will er aber nichts wissen: „Ich fühle mich viel zu fit, um nichts mehr zu machen“, sagt er.

Armut, Bildung, Wohnen als Themen

Die Armutsbekämpfung steht für ihn ganz oben, genauso wie die Arbeitnehmerrechte. Denn dem ehrenamtlichen Übungsleiter und Torwarttrainer ist beim Training von Jugendlichen auch schon das Thema Kinderarmut untergekommen. „Die Armutsquote liegt in Rheinland-Pfalz höher als im Bundesdurchschnitt“, sagt er mit Blick auf den Armutsbericht der Landesregierung. Was fehlt, ist die Begrenzung von überdurchschnittlichem Reichtum, sagt er und ergänzt: „Ich meine zweistellige Milliardenvermögen.“

Als Arbeitnehmervertreter hat sich Vogel lange für die Rechte von Arbeitnehmern eingesetzt. „Da wird gekämpft für ein vernünftiges Renteneintrittsalter ...“, sagt er. Und nun gehe die Bundesregierung in genau die entgegengesetzte Richtung. „Das Erkämpfte soll nicht einfach kampflos abgegeben werden, die sozialen Errungenschaften sollen erhalten bleiben“, aber das allein reiche noch nicht aus.

Gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse, freies Schulessen für alle und Lernmittelfreiheit, damit Kinder aus wohlhabenden Familien nicht bevorzugt werden und jedes Kind die bestmögliche Förderung erhält, sind Punkte im Bereich Bildung. „Das dreigliedrige Schulsystem sollte abgeschafft werden“, merkt Vogel an.

Außerdem müsste eine Landeswohnungsbaugesellschaft gegründet werden, „kein Mensch darf ohne Obdach sein“. Das Wohnen müsse wieder in staatliche Hand, wie auch das Gesundheitssystem. Das würde zum Beispiel die Verstaatlichung privater Kliniken bedeuten. Über eine Bürgerversicherung sollten sich alle einbringen „und wer mehr hat, muss auch mehr bezahlen“. Mit Blick auf Leerstände und verfallende Gebäuden „nehmen wir auch das Wort Enteignung in den Mund“, sagt Vogel. Wenn jemand eine Immobilie besitze und nichts machen wolle, dann müsse man diese eben der Allgemeinheit zuführen.

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