Landtagswahl
Linke-Kandidatin Lea Schanne: Zwischen Abi und Antifaschismus
Die schriftlichen Abi-Prüfungen hat Lea Schanne schon hinter sich. Mathe, Deutsch, Geschichte. Mündlich wird sie im Fach Englisch geprüft – „am Montag vor der Wahl“, erzählt die 18-Jährige. Sie ist zuversichtlich: „Das läuft irgendwie.“ Gleichzeitig tritt sie als Direktkandidatin der Linken bei der Landtagswahl an – für Menschenrechte und Gleichberechtigung, gegen Diskriminierung und gegen Rechts.
Politik betrifft auch und gerade die junge Generation, meint Lea Schanne. Sie selbst hatte das Glück, einen Lehrer am Goethe-Gymnasium zu haben, der das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für politische Praxis schärfte. Im November 2024 war sie für ein Planspiel im Kontext politischer Bildung in Berlin. „Genau zu der Zeit war der Ampelbruch“, erinnert sich die junge Frau. Der Hauptstadt-Austausch mit Jugendlichen, die schon einer Partei angehörten, war die Initialzündung der Linken beizutreten. Der Anspruch auf gute Oppositionsarbeit anstatt auf die Regierungsbank – das hat die Lea Schanne im damaligen Bundestagswahlkampf überzeugt.
Streik gegen die Wehrpflicht
Hakenkreuze auf Tischen oder Stickern: Im Schulalltag erlebe sie immer wieder Situationen, in denen rechtsextreme Ideologien offen gezeigt werden. In der Gesellschaft gebe es eine hohe Toleranz und Akzeptanz für rechtes Gedankengut, meint Lea Schanne. Sie geht ihre Kandidatur mit einer klaren antifaschistischen Haltung an. Als junge Frau vertritt sie auch eine feministische Linie. „Ich möchte ein Vorbild sein, dass junge Frauen in der Politik mitsprechen können und ernst genommen werden“, sagt sie. Es gebe zu wenig Frauenhäuser in der Region, sie müssten dauerhaft und sicher finanziert werden. Lea Schanne möchte aber nicht nur Frauen eine Stimme geben, sondern allen Menschen, die aus binären Geschlechtersystemen herausfallen und von Sexismus, Diskriminierung oder „patriarchalischen Strukturen“ betroffen sind.
Die 18-Jährige hat die Linksjugend Germersheim mitgegründet und vertritt diese im Bezirksvorstand Südpfalz, ist dort Sprecherin für Queerpolitik. Am 5. März streiken Schüler bundesweit gegen die Wehrpflicht, Lea Schanne hat mit anderen Jugendlichen eine Kundgebung auf dem Germersheimer Paradeplatz organisiert. Die junge Frau ist außerdem Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität. „Es geht um die Freiheit von Menschen, die unterdrückt und im Gaza-Streifen ermordet werden“, erläutert Lea Schanne. In letzter Konsequenz sei es eine Bewegung für Menschenrechte und gegen Unterdrückung unabhängig von Ländergrenzen.
Eintopf für Obdachlose
Aufgewachsen ist Lea Schanne in Rülzheim. Ihre erste Demo, innerhalb der Fridays-for-Future-Bewegung, hat sie mit ihrem Vater besucht. Sie spielt Saxofon im Musikverein ihres Heimatortes, gibt Instrumentalunterricht, kümmert sich um den Social-Media-Auftritt. Außerdem tanzt sie Latein. Der Wahlkampf lässt derzeit wenig Raum für Freizeit. „Im Kopf hab’ ich noch gar nicht verarbeitet, dass ich in den Dörfern auf Plakaten hänge“, sagt sie lachend. Viele Haustür-Gespräche hat die junge Frau, die im Wahlkreis Wörth (52) antritt, schon hinter sich. Der Wahlkampf führte sie auch nach Mainz und Worms. Aus dem Suppenküchenbus heraus hat sie mit Parteigenossen und -genossinnen Eintopf an Obdachlose verteilt. Ein Direktmandat zu holen, sei nicht realistisch, meint sie. Ziel sei, über die Liste möglichst viele Abgeordnete in den Landtag zu schicken und die erste Linke-Fraktion in Rheinland-Pfalz zu bilden. Lea Schanne steht an neunter Stelle – aus ihrer Sicht kein aussichtsloser Listenplatz. Wenn es bei der Wahl im März nicht für ein Mandat reicht, will sie ein gesellschaftswissenschaftliches Studium beginnen.
Laut sein
Jungen Menschen aufzeigen, dass ihre Stimme und Mitsprache etwas wert sind, dass Politik sie hört und Demokratieverständnis fördern, ist ein Ziel der Rülzheimerin. Schüler- und Jugendparlamente seien ein Ansatz auf kleiner Ebene. Menschenfeindlichkeit treibe sie um, mache sie wütend. In ihrem Instagram-Profil bezeichnet sich Lea Schanne als „angry woman“. Wofür steht das? „Ich finde, es ist wichtig, wütend zu sein, weil das einem in irgendeiner Form antreibt“, erläutert sie. Laut sein, empathisch sein, gesellschaftliche Missstände benennen und verändern wollen – das steht auf ihrer Agenda.