Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Linken-Kandidat Lange: Der Klassenkämpfer

Philipp Lange hilft Menschen bei ihren Abrechnungen.
Philipp Lange hilft Menschen bei ihren Abrechnungen.

Der Landauer Philipp Lange will für die Partei Die Linke in den Landtag. Aber er will auch die Kluft zwischen der Politik und dem Leben überwinden. Er will konkreter helfen.

Mit Philipp Lange will für die Partei Die Linke ein fast kompletter Polit-Neuling in den Landtag – und bleibt es bei dem Aufwind, der die Partei derzeit trägt, könnte er es möglicherweise als Kandidat auf Platz 8 der Landesliste sogar schaffen, ohne die Direktwahl zu gewinnen.

Der 38-jährige Sohn einer alleinerziehenden Mutter zweier Kinder arbeitet als Angestellter in der Pflege – und ist erst seit wenigen Jahren in der Kommunalpolitik engagiert. Zuvor habe er jahrelang gewohnheitsmäßig auf der Couch den Fernseher angebrüllt, wenn ihn etwas frustriert habe. Später habe ihn die jetzige Fraktionsvorsitzende Lisa Hartmann aufgefordert, doch in die Partei einzutreten. „Dann hat es nicht lange gedauert, bis ich Plakate aufgehängt habe.“ Seit 2021 sitzt er in der Stadt Landau für Die Linke in Ausschüssen. „Seit ich politisch aktiv bin, verstehe ich viel besser, was passiert“, sagt er. Aber: Er lerne auch immer mehr, wie groß die Kluft zwischen Verwaltung, Politik und Parlament und „dem realen Leben“ sei. Einer der Antriebe Langes ist die Verkleinerung dieser Kluft.

Kernthema: Wohnungspolitik

Auch aus diesem Grund wird er außerhalb des Sitzungssaals aktiv. Zusammen mit anderen Mitstreitern hat Lange bei größeren Mietshäusern Infostände aufgebaut und mit den Menschen über ihre Heizkosten geredet. Das Resultat: Ein voller Erfolg, schildert Lange. Zuerst war er im Landauer Süden im Einsatz, in diesem Jahr dann am Danziger Platz. Die Menschen seien gekommen und hätten mit den Linken gesprochen – auch solche, die wahrscheinlich der rechtsextremen AfD zugeneigt seien. Zuerst sei eine Skepsis dagewesen: Geht’s hier um uns – oder will eine Partei wieder nur Werbung machen?

Doch Lange und die Genossen hätten sich die Abrechnungen angesehen, die Menschen ins Gespräch gebracht und ihnen geholfen, sich zu organisieren. Das seien die Ideen hinter der Aktion, betont Lange. Konkret im Alltag zu helfen – und den Menschen zu zeigen, dass sie und ihre Nachbarn dieselben Probleme haben. Denn die Wohnungspolitik ist Langes Kernthema.

Lange als klassischer Linker

Er kennt die Armutsrisiken vieler Menschen allein schon wegen seiner Biografie. Viele seien vor allem gegen Ende des Monats mit der Frage konfrontiert, ob sie sich Windeln oder Schulutensilien für die Kinder kaufen könnten, sagt Lange. Einfach zu sagen, es gebe Beihilfen, man müsse ja nur Anträge ausfüllen, helfe diesen Menschen nicht. Sie hätten oft zu viel um die Ohren und kämen nicht dazu, sich selbst über die ganzen Möglichkeiten, die der Sozialstaat bietet, zu informieren. Dazu passiere es recht schnell angesichts der Belastungen auch Fristen zu verpassen. Ihnen müsste Politik konkreter, lebensnaher helfen, findet Lange.

Hier, in dieser Variante des Klassenkampfes, zeigt sich ganz gut das klassische linke Gedankengut, das Lange in sich trägt. Trifft man ihn, erkennt man den Klassenkämpfer aber nicht wirklich, denn er bleibt ruhig in seinem Auftreten, moderat und ziemlich ausgeglichen in seinen Forderungen. Schlagworte wie „Revolution“ oder der erwähnte Kampf fallen gar nicht. Der gebürtige Dresdner berichtet aber von viel Frust, den er in den Gesprächen mit den Menschen wahrnehme. Gerade diejenigen, die sagen, sie wählen nicht, berichteten, dass sich sowieso nichts verbessere und die Welt sich nicht ändere. Insgesamt, so schätzt Lange, verstünde ein Drittel der Menschen nicht, was Politik, egal ob im Bund, Land oder kommunal, für sie zu bieten habe. Hier ist sie wieder, die von Lange beschriebene Kluft.

Über Lange war zuletzt berichtet worden, weil ihn über die Stadtverwaltung eine Morddrohung erreichte. Diese habe ihn nicht nachhaltig beeindruckt, betont er erneut. Drohungen gegen Linke seien stets an der Tagesordnung. Beteiligt war Lange an der Blockade an der Landauer Polizeiwache wegen einer Abschiebung im November.

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