Landtagswahl
Öko mit klarer Kante
Zum Gespräch mit der RHEINPFALZ kommt Luca Hartkorn auf seinem E-Bike der Marke Eigenbau angeradelt. Es ist sein Fortbewegungsmittel für fast alles. Nicht nur, um in Bewegung zu bleiben und günstig von A nach B zu kommen, sondern vor allem aus Überzeugung. Denn die Verkehrswende könne nicht allein daraus bestehen, auf E-Autos umzustellen. „Wir müssen von unserem hohen Ross runter und an den Individualverkehr ran“, sagt der 27-Jährige. Auch wenn man so etwas nicht gerne höre.
Schnell wird klar, dass man es hier sicherlich nicht mit einem Sonntagsredner zu tun hat. Den Finger in die Wunde legen, Dinge aussprechen, die wehtun – das ist Teil seiner politischen DNA, auch wenn diese erst seit vergangenem Jahr eine Parteifarbe hat.
Parteieintritt und Landtagskandidatur an einem Abend
Als Neuzugang erst mal mit angezogener Handbremse fahren? Das ist nicht Hartkorns Weg. In der Sitzung, in der er bei der Linken eintrat, hob der Godramsteiner auch gleich die Hand für die Kandidatur zur Landtagswahl. Denn sonst hätte die Partei schlicht niemanden für den Wahlkreis Südliche Weinstraße (49) aufgestellt – daraus macht er keinen Hehl. Der Landkreis sei nicht gerade ein linkes Pflaster, die „dörfliche Familie“ eher konservativ, das sei ihm bewusst.
Ebenso wenig macht er sich Illusionen darüber, dass seine Kandidatur direkt zu einem Mandat führt. „Mir ging es darum, dass es überhaupt jemanden von uns gibt, den man wählen kann – und der das anspricht, was andere gerne ausblenden“, sagt der „leidenschaftliche Südpfälzer“, der sich im Kreis ebenso verwurzelt fühlt wie in der Stadt. Und das nicht nur sprichwörtlich. In Burrweiler gräbt er im eigenen Permakulturgarten gerne mit den Händen in der Erde. „Die Natur ist unsere Lebensgrundlage – vom Weinberg bis zum Wald.“ Umweltpolitik ist für den „Fast-Vollzeit-Veganer“ das zentrale Thema der Zeit.
Vom grünen Aktivisten zum linken Gerechtigkeitskämpfer
In seiner früheren „aktivistischen Zeit“ hätte man ihn vielleicht als „klassischen Grünen“ bezeichnet, meint er. Doch von dem Kurs, den die Partei eingeschlagen habe, sei er enttäuscht gewesen. Den Willen, das System zu hinterfragen und wirklich an den großen Hebeln zu ziehen, habe er nur bei der Linken gesehen.
Was „links“ für ihn ganz persönlich bedeutet, beschreibt er mit einem Schlüsselmoment, den er nach seinem Abi auf Mallorca erlebte. Ein Jahr habe er dort als Kellner in einer 5-Sterne-Finca gearbeitet – und die Reichen und Schönen bedient. Der Klassenunterschied, den er dort vor Augen geführt bekommen und am eigenen Leib erfahren habe: „Das brennt sich ein.“ „Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich aufgrund meines ,Standes’ – als Pöbel, als Arbeitender – so behandelt wurde“, erzählt er. „Meine Mutti hat mir viel über Gerechtigkeit beigebracht“ – das sei seine moralische Richtschnur.
Neben Studium Job beim Geothermiekraftwerk
Seine drei großen SÜW-Themen für Mainz hat er gesetzt: eine Landwirtschaft ohne Plastik und Pestizide – und mehr Tempo bei Verkehrs- und Energiewende. Wobei diese „in eure Hände“ gehöre, zitiert Hartkorn aus seinem Wahlslogan. Er meint damit, dass Mobilität für alle bezahlbar sein müsse und bei neuen Energieprojekten die Menschen vor Ort finanziell und politisch partizipieren sollten.
Bei dem Thema kennt er sich aus: Denn neben seinem Studium der Erneuerbaren Energien am Umweltcampus Birkenfeld arbeitet er seit fünf Jahren beim Geothermiekraftwerk in Landau – zunächst im PR-Bereich bei Geox, inzwischen in der Forschung und Entwicklung. Gerade bei Sonnen- und Erdwärme habe die Südliche Weinstraße viel ungenutztes Potenzial, findet er. Das sei nicht nur ,Hippie-Aktivismus’, sondern auch eine finanzielle Chance für die Region.
„Energiewende in eure Hände“: Was steckt hinter Hartkorns Wahlslogan?
Wobei sein Job beim Geothermiekraftwerk im Wahlkampf wohl eher kein Bonus ist: In der Region sitzt das Misstrauen bei vielen tief. Wie begegnet er Kritikern? „Mit Freude“, entgegnet er. Als Schüler habe er selbst noch miterlebt, wie hier die Erde bebte. Es habe damals Fehler gegeben – wirtschaftlich getrieben und aufgrund nicht ausgereifter Überwachungstechnik, nimmt er kein Blatt vor den Mund. „Heute würde das nicht mehr passieren“, ist er überzeugt. Doch für Akzeptanz in der Bevölkerung sei vor allem eines entscheidend: Transparenz. Und das gelte letztlich für alle politischen Prozesse.