Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Pläne für Kutschenmuseum ausgebremst

Der berühmte „Glaslandauer“ kombiniert eine teilverglaste Kabine vorne mit einem Klappverdeck.
Der berühmte »Glaslandauer« kombiniert eine teilverglaste Kabine vorne mit einem Klappverdeck.

Landau lässt seine Kutschensammlung im Depot. Weit gediehene Pläne für ein eigenes Museum haben sich zerschlagen. Der nach der Stadt benannte Kutschentyp des Landauers soll aber zumindest noch ein öffentlichkeitswirksames Gastspiel haben.

Landau hat Mobilitätsgeschichte geschrieben, und das schon vor ziemlich langer Zeit. Der Landauer ist eine viersitzige, gut gefederte Reisekutsche, deren Klappverdeck nach vorne und hinten zu öffnen ist. Die Stadt verfügt über eine kleine Sammlung solcher und anderer Kutschen und hat sie immer gerne für offizielle Zwecke eingesetzt, unter anderem bei der Eröffnung der Landesgartenschau. Doch jetzt weiß niemand mehr so recht, was man mit dem Schatz sinnvoll anfangen kann.

Benannt ist der Landauer nach einem historischen Ereignis, das auf der Außenwand des Alten Kaufhauses abgebildet ist: 1702 hatte der österreichische König Joseph I. mit diesem Kutschentyp den Weg von Wien nach Landau in 14 Tagen zurückgelegt, um im Spanischen Erbfolgekrieg den Oberbefehl bei der Belagerung der von den Franzosen gehaltenen Festung zu übernehmen. Die Zeit der Kutschen ist zwar lange vorbei, aber der Begriff hat sich bis heute in der Automobilwelt gehalten: Vom Landauer gab es auch eine zweisitzige Version, das Landaulet. Luxuriöse Automobil-Cabriolets mit diesem Namen wurden zuletzt noch von Mercedes und Maybach gebaut. Die wohl exklusivste Kutsche der Landauer Sammlung ist ein verglaster Landauer, der seinerzeit vermutlich von ähnlich privilegierten Menschen genutzt wurde wie die genannten Luxuslimousinen.

Kutschen-Fan hat Sammlung aufgebaut

Die Landauer Kutschensammlung war unter Franz Müller zusammengetragen worden, dem vorigen Leiter des Büros für Tourismus (BFT). Als Müller 1985 seinen Job antrat, hatte er einen maroden Landauer in der Roten Kaserne vorgefunden, restaurieren lassen und für touristische Fahrten eingesetzt. Die Sammlung wuchs schnell dank des Landauer Architekten Professor Paul Jäger, der unter anderem das Thomas-Nast-Hochhaus in Landau errichtet hat und laut Müller begeisterter Kutschenfan war. Jäger war nicht nur Verfasser des Buches „Der Landauer – ein europäischer Reisewagen“ von 1985, sondern hatte zeitweise ein Kutschenkabinett in der Poststraße/Ecke Maximilianstraße eingerichtet. Jäger und Müller wollten daraus ein Museum machen, das zusammen mit weiteren Exponaten und Gemälden zum Thema Reisen in einer Halle in der Haardtstraße unterkommen sollte. Daraus wurde nichts, obwohl sogar schon Sanitäranlagen eingebaut worden waren. „Letzten Endes fehlte es am Geld“, bedauert Müller – und wohl auch an leidenschaftlichen Fürsprechern des Projekts. Kurz vor deren Abriss war dann noch einmal die Süwega-Halle als möglicher Standort ins Gespräch gebracht worden, aber wohl nur, um dem Holzbau noch eine Nutzung zu verpassen.

Halle als Museum ungeeignet

Inzwischen stehen die rollenden Schätze in einer Halle in der Taubensuhlstraße, neben Stehtischen, Sonnenschirmen, Biertischgarnituren und sonstiger Ausstattung für Feste, die die gemeinsame Veranstaltungsgesellschaft von Stadt, Kreis SÜW und Sparkasse Südliche Weinstraße vorhält. Präsentieren kann man sie da nicht. Es handelt sich um ein reines Lager.

„Wir werden das Museum nicht verwirklichen“, sagt Bernd Wichmann, der jetztige BFT-Chef und Geschäftsführer der Gesellschaft. Mit „wenn es hoch kommt zehn“ Kutschen wäre das Museum nicht konkurrenzfähig. Beispielsweise mit der Mannheimer Kutschensammlung, die der Sammler Heinz Scheidel (Bauunternehmen Diringer & Scheidel) in einer Fabrikhalle in Neckarau zusammengetragen hat, könne man bei Weitem nicht mithalten. Das Depot in einer Seitenstraße des Horstrings liege nicht zentral genug, sei nicht groß genug, und es fehle an Personal, um Besucher zu betreuen.

Schlemmerfahrten ins Elsass

Franz Müller denkt gerne an touristische Erfolge mit den Kutschen zurück. Beispielsweise an zweitägige Schlemmerfahrten von Landau ins Elsass, mit Imbissen und Weinverkostungen unterwegs sowie Candellight-Dinner am Abend, die trotz hoher Preise immer stark nachgefragt waren. Oder an die 14-tägige Kutschenfahrt 1985 von Wien nach Landau auf der historischen Route von König Joseph I.. Oder an den großen Kutschenkorso zum 50. Erlebnistag Deutsche Weinstraße. Und einmal sei tatsächlich auch eine der Kutschen gebucht worden, um eine Schülerin an ihrem 18. Geburtstag zum Gymnasium zu fahren. Bis vor Kurzem verfügte die Stadt sogar über eigene Kutschpferde und einen Kutscher.

Wenn die Besucher nicht zu den Kutschen kommen können, soll zumindest ein Landauer zu den Leuten kommen: Aus einem großen Zuschuss zur Belebung der Innenstadt will die Stadt einen Ausstellungscontainer erwerben, um einen Landauer an wechselnden Stellen in der Stadt zu zeigen. Dafür will Wichmann in Kürze die Ausschreibung machen. Er hofft, dass das Minimuseum im ersten Halbjahr 2023 vorhanden ist.

„Idee hat sich überlebt“

Tourismusdezernent Jochen Silbernagel (FDP) hält das für richtig. Die Museumsidee sei zu ihrer Zeit gut und richtig gewesen, habe sich nach seiner Einschätzung aber überlebt. Er sei nicht davon überzeugt, dass eine solche Ausstellung heute noch genügend Zugkraft entwickeln könne. Die Ansprüche an Ausstellungen würden immer höher, außer den Kutschen müssten dann sicher auch noch andere Dinge gezeigt werden, beispielsweise Uniformen und historische Reisekleidung. Doch ein Museum zu stemmen, sei nicht Aufgabe des Büros für Tourismus.

Silbernagel hält daher die Idee mit dem Glascontainer für absolut richtig. Der könnte passenderweise mal vor dem Deutschen oder dem Französischen Tor stehen, mal auf dem Martha-Saalfeldt-Platz, auf dem Gartenschaugelände, an der Roten Kaserne oder auch in den Stadtdörfern, „da, wo die Menschen sind“, so Silbernagel. So könnten wechselnde Kutschen an wechselnden Stellen präsentiert werden, nachts auch bei LED-Beleuchtung. Er sei sicher, dass dies sehr attraktiv für Besucher der Stadt werde und auch gut in Stadtführungen eingebunden werden könne. So bekämen weit mehr Menschen einen Eindruck vom Landauer als in einem zwangsläufig etwas abgelegenen Museum.

Was passiert mit überzähligen Kutschen?

Was aus den übrigen Kutschen wird, ist noch nicht entschieden. Ein Verkauf scheidet vermutlich aus, denn nach Wichmanns Beobachtung sind sehr viele solcher Gefährte auf dem Markt und die Preise derzeit im Keller. „Dazu müssen wir noch mal in Klausur gehen“, sagt Silbernagel. Dass man einzelne Gefährte als Dauerleihgabe an andere Museen abgebe, hält der Tourismusdezernent für denkbar, aber entschieden sei noch nichts.

Liebe volle Details: Kutschenlaterne und Bremse.
Liebe volle Details: Kutschenlaterne und Bremse.
Die Räder werden nicht mehr rollen.
Die Räder werden nicht mehr rollen.
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