Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: AfD will Süwega-Halle retten

Sie muffelt, ist im Winter zu kalt und nur aufwendig zu unterhalten: das Relikt der Gartenschau von 1949.
Sie muffelt, ist im Winter zu kalt und nur aufwendig zu unterhalten: das Relikt der Gartenschau von 1949. Karikatur: Ritter

Die AfD im Landauer Stadtrat möchte die Süwega-Halle auf dem alten Messplatz erhalten. „Warum sollte man etwas Bestehendes zerstören, wenn es noch von Nutzen ist?“, fragte Norbert Herrmann. Wie ist die Situation?

Das Holzbauwerk erinnert an die Südwestdeutsche Gartenbauausstellung 1949. Daher auch der Name - Süwega. Die Halle ist nur noch eingeschränkt nutzbar. Bälle dürfen dort wegen asbestbelasteter Bauteile schon länger gar nicht mehr geschossen oder geworfen werden. Die Halle ist aufwendig im Unterhalt - er kostet die Stadt rund 23.000 Euro jährlich. Außerdem ist das Gartenschau-Relikt, das als einer mehrerer Ausstellungsbauten konzipiert war, schlecht zu heizen. Die Meinung der Landauer ist gespalten, welchen Stellenwert die Halle hat.

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe, Wächterin über die Denkmäler in Rheinland-Pfalz, dagegen hat einen klaren Standpunkt. Für sie ist die Halle nichts Besonderes und schon gar kein Denkmal. Im Frühjahr 2017 hat die Behörde verlauten lassen, dass der von der Süwega verbliebene Bau nur noch ein isolierter Solitär auf dem weiträumigen Platz sei, der heute asphaltiert ist und als Parkraum genutzt wird. Die Einbindung in das Süwega-Konzept sei nicht mehr zu erkennen.

Keinen historischen Zeugniswert

Die Experten lassen kein gutes Haar an der Halle. Sie sprechen von konventioneller Holzkonstruktion, einem Bautyp mit austauschbaren Funktionen, von kaum durchschnittlicher architektonischer Qualität. Kurz: Die Halle hat keinen historischen Zeugniswert.

Die Generaldirektion änderte ihre Haltung auch nicht, als Frank Krämer, Vorstandsmitglied des Landauer Festungsbauvereins, im Februar dieses Jahres mahnend den Finger hob. Für den Archäologen ist die Süwega-Halle ein Teil des kollektiven Gedächtnisses der Landauer. Statt Abriss fordert er eine neue Nutzung. Krämer klagte, die Denkmalpflege tue sich mit Nachkriegsarchitektur schwer. Apropos neue Nutzung: Sein Vereinskamerad Thomas Schleuning hat vorgeschlagen, das Kutschenmuseum, das einen Neustart hinlegen soll, in die Süwega-Halle zu packen.

Investoren gefunden

Wiederholt enttäuscht und verärgert über den geplanten Abriss der Südwega-Halle hat sich das damalige SPD-Stadtratsmitglied Heinz Schmitt geäußert. Sie müsse nur aus taktischen Gründen weichen, schimpfte er im Frühjahr 2015, damit Landau die Notwendigkeit der neuen Dreifeld-Sporthalle begründen und weitere Parkplätze anlegen könne.

Die AfD blies jetzt ins selbe Horn. Es habe sich eine Interessensgemeinschaft gebildet, die die Halle erhalten wolle, heißt es im Antrag, den der Stadtrat auf dem Tisch hatte. Mitglieder von Sportvereinen und Privatpersonen wollten den geplanten Abriss verhindern und den Holzbau mit „hoher handwerklicher Qualität“ als Mehrzweckhalle nutzen. Sprecher Norbert Herrmann nennt als Fürsprecher den Vorsitzenden der ASV-Boxer, Max Leydecker, und Ernst Fath, Vorsitzender des Vogelzuchtvereins Kanaria. Auch Marktbeschicker des Wochenmarktes würden eine Verwendung im Winter sehr begrüßten, heißt es im Antrag. Laut Herrmann hat die AfD Geldgeber gefunden, die größere Summen für eine Sanierung investieren würden, außerdem einen Architekten.

„Beste Situation ever“

Oberbürgermeister Thomas Hirsch erinnerte daran, dass der Rat über dieses Thema mehrfach diskutiert habe, auch mit Blick auf die Historie. Der Ratsbeschluss vom 28. April 2015 stehe. Der Abriss sei die Voraussetzung für den Bau einer Dreifeld-Sporthalle am Jahnsportplatz gewesen. „Wir haben die beste Hallensituation ever“, sagte Hirsch. Ein Blick ins RHEINPFALZ-Archiv zeigt: Fraktionen und Verwaltung feierten den 28. April 2015 als großen Tag für den Sport in Landau. „Alle akzeptierten den Abriss der Süwega-Halle als Preis für den Neubau, auch wenn dies im Gartenschaujahr bedauerlich sei.“

Die Stadt hat den Abriss der Süwega-Halle für nächstes Jahr auf der Liste. Der Hauptausschuss hat zu Jahresbeginn zugestimmt, die dann frei werdende Stelle der Universität zur Verfügung zu stellen. Die Hochschule braucht dringend weitere Hörsäle. Die Stadtverwaltung hat noch keine Informationen, wie das Land die Fläche nutzen möchte. Sollte das Land ein festes Gebäude errichten wollen, bräuchte es dafür einen Bebauungsplan.

Der AfD-Antrag wurde bei einer Enthaltung gegen fünf Stimmen abgelehnt. Gertraud Migl (Pfeffer&Salz) hätte es gerne gesehen, wenn sich der Rat mit dem Thema noch einmal auseinandergesetzt hätte.

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