In eigener Sache RHEINPFALZ Plus Artikel "Mohrenkopf"-Aussage: Warum wir über den Fall der Kellnerin berichtet haben

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Den Medien wird gerne vorgeworfen, sie würden Fakten verdrehen oder Zitate aus dem Zusammenhang reißen. Umgekehrt reduzieren manche Leser den am Samstag erschienenen Artikel „Negerküsse gibt es gratis“ lediglich auf die Bezeichnungen Mohrenkopf und Negerkuss. Die hatte eine Kellnerin gesagt und so eine Familie aus der Vorderpfalz fassungslos gemacht. Ausgeblendet wird aber der Kontext.

In dem Bericht ging es nicht um die Frage, ob es verwerflich ist, Schokoküsse auch als Mohrenköpfe oder Negerküsse zu bezeichnen. Es ging vielmehr darum, dass die Bedienung diese rassistischen Begriffe gegenüber einer Familie mit einem schwarzen Kind gebraucht hat.

Gesellschaft ist multikultureller geworden

Zur Erinnerung: Die Gäste hatten einen Schokokuss bestellt. Bei der Bezahlung bekamen sie zu hören, die Süßigkeit würde einen Euro kosten. Ein Mohrenkopf wäre billiger, der Negerkuss gratis. Die Kellnerin wollte eigenen Aussage zufolge damit einen Scherz machen. Die Familie aber konnte darüber nicht lachen, sondern fühlte sich angegriffen.

Wir haben uns bewusst des Themas angenommen, denn der Fall zeigt, was passiert, wenn man nicht auf seine Wortwahl achtet. In einer Zeit, in der immer häufiger auf eine politisch korrekte Ausdrucksweise oder gendergerechte Sprache hingewiesen wird. Die Gründe sind klar: Die Gesellschaft ist multikultureller geworden. Das Zusammenleben verschiedener Kulturen spiegelt sich eben auch in der Sprache wider.

Zahlreiche Leserbriefe

Uns erreichten nach der Berichterstattung trotz allem zahlreiche Leserbriefe. Im Wesentlichen haben die Verfasser kein Verständnis dafür, dass wir das Thema aufgegriffen haben. Es sei eine Lappalie und keine Zeile im Blatt wert. Schließlich seien die Begriffe Mohrenkopf und Negerkuss bei vielen noch gebräuchlich. Die Kellnerin werde an den Pranger gestellt, so eine weitere Kritik.

Fakt ist: In dem Bericht wurde der Sachverhalt wiedergegeben. Nicht mehr, nicht weniger. Im Kommentar wurde der Fall eingeordnet und dabei die Kellnerin in Schutz genommen vor dem Rassismus-Pranger.

Ein wichtiges Ziel wurde mit der Berichterstattung erreicht: Die Leser setzen sich kritisch mit dem Thema auseinander. Debatten Raum zu geben, das ist eine der Aufgabe, die eine Zeitung erfüllen sollte. Die Lehren muss jeder für sich ziehen.

RHEINPFALZ-Redakteur Ali Reza Houshami.
RHEINPFALZ-Redakteur Ali Reza Houshami.
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