Rhodt
Familie beklagt rassistische Beleidigung durch Kellnerin
Tina Dörr möchte den Vorfall auf dem Terrassencafé an der Talstation der Rietburg in Rhodt nicht einfach hinnehmen. „So etwas möchte ich nicht totschweigen“, erklärt die Familienmutter, wieso sie sich an die RHEINPFALZ gewandt hat. Dörr wollte am vergangenen Wochenende mit ihrem Mann und ihrem Kind wieder einen schönen Tag in der Südpfalz verbringen. „Wegen unseres Kindes besuchen wir regelmäßig die Alla-Hopp-Anlage in Edenkoben“, berichtet die Vorderpfälzerin. Dieses Mal haben die Gäste das Herumtollen auf der Anlage mit einer Fahrt auf die Rietburg verbunden. Ein tolles Erlebnis sei das gewesen – das Ende des Ausflugs habe sie jedoch fassungslos gemacht.
Zurück an der Talstation, kehrte die Familie für Kaffee und Kuchen in das dortige Terrassencafé ein. Dabei bekam sie Lust auf einen Schokokuss. So lautet heute die politisch korrekte Bezeichnung für die mit Schaumzucker gefüllte und mit Schokolade überzogene Süßigkeit. „Schon bei der Bestellung an der Theke merkte mein Mann, dass sich die Angestellte an der Bezeichnung irgendwie störte oder nicht verstand. Er musste den Begriff mehrmals wiederholen“, meint Dörr.
Familie hat keinen Grund zum Lachen
Als die Vorderpfälzerin zahlen wollte, kam Michaela Keller an den Tisch. Sie arbeitet dort, das Lokal betreibt ihr Mann. Dabei fielen Sätze, die Dörr sauer machen: „Sie haben bei uns einen Schokokuss bestellt. Der kostet bei uns ein Euro. Hätten Sie einen Mohrenkopf bestellt, hätten sie nur 60 Cent bezahlt. So heißt das hier nämlich.“ Das Produkt kostet dort in der Tat so viel. Am Ende folgten noch die Worte: „Wenn sie einen Negerkuss bestellt hätten, wäre er sogar gratis gewesen.“
Keller bestätigt die Aussagen gegenüber der RHEINPFALZ. Sie behauptet: „Es sollte aber nur ein Scherz sein.“ Tina Dörr hatte jedoch keinen Grund zum Lachen. Vor allem deshalb nicht, weil ihr Kind dunkelhäutig ist. Bevor sie die Beherrschung verliert, sei sie aufgestanden und gegangen. Sie wollte nicht vor ihrem Kind „explodieren“, wie sie erzählt. Auch wenn es die Worte nicht richtig einzuordnen wisse, es sei nämlich noch im Kita-Alter. Zumal ihnen so etwas noch nie widerfahren sei. Dörr berichtet: „Ich habe sie gefragt, ob sie es für angebracht hält, so zu reden.“ Keller schildert. „Die Mutter sagte zu mir, dass sie ihr Kind nicht rassistisch erziehen würde.“
Freifahrten versprochen
Die Bedienung wunderte sich schon an dem Nachmittag über die Reaktion der Gäste, die die Rechnung beglichen und gingen. Inzwischen habe sie mitbekommen, dass sich die Familie angegriffen fühlte. Über Tina Mermer, die Geschäftsführerin der Sesselbahn. Tina Dörr hatte sie über die rassistische Äußerung informiert, weil sie keine Kontaktdaten zu dem Betreiber des Terrassencafés gefunden habe. Auch das Tourismusbüro Edenkoben habe sie verständigt, aber noch keine Antwort erhalten.
Die Sesselbahn hat mit dem Betrieb der Lokalitäten an der Berg- und Talstation zwar nichts zu tun. „Wir sehen uns aber in der Verantwortung, weil wir miteinander verbunden sind“, sagt Mermer. Für sie stehe an erster Stelle, dass sich die Gäste wohlfühlen. „Insofern tut es uns für die Geschädigten sehr leid.“ Deshalb werde sie den Fall mit den Verantwortlichen nochmal aufarbeiten. Sie suche auch das Gespräch mit der Familie. „Wir möchten sie einladen und Freifahrten spendieren.“
„Bezeichnung keine Beleidigung“
Auch Keller entschuldigt sich: „Ich wollte nie jemanden zu nahe treten.“ Begriffe wie Mohrenkopf seien in ihrem Sprachgebrauch, weil sie damit aufgewachsen sei. „Viele Kunden benutzen das Wort noch heute. Gerade in der Pfalz, wo etwas lockerer gesprochen wird.“ Deshalb fasse sie die Bezeichnung nicht als Beleidigung auf. Sie habe nicht damit gerechnet, in die rassistische Ecke gestellt zu werden. Zumal sie in ihrem Bekanntenkreis Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe habe.
„Es gibt in der Gastrobranche generell viele Bezeichnungen, die benutzt werden, obwohl sie nicht mehr zeitgemäß sind“, unterstreicht Keller. Kürzlich habe sie in einem Restaurant etwa Zigeunerschnitzel auf der Karte gelesen. Tina Dörr hat kein Verständnis. Sie hätte sich mehr Feingefühl gewünscht: „Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Deswegen sollte man auf seine Wortwahl genau achten.“ Gerade in der Gastronomie sei das wichtig, deren Personal sich nach den Lockdown-Phasen über die Rückkehr der Gäste freuen. Für sie stehe fest, dass sie dort nicht mehr einkehren.