Landau
Landau stellt Eckpunkte für neuen Busverkehr vor
Zum Start des Winterfahrplans gibt es für Busfahrgäste einen Qualitätssprung in Landau. Die ehrgeizigen Ziele hat Verkehrsdezernent Lukas Hartmann (Grüne) schon vor zwei Jahren skizziert, jetzt hat er mit seinen Mitarbeitern Stefan Grewenig, Sachgebietsleiter Mobilität und ÖPNV, und Ralf Bernhard, Abteilungsleiter Mobilität, weitere Details genannt. Dass diese so auch kommen werden, ist ziemlich gewiss, denn sie sind in der gerade gestarteten Ausschreibung definiert, die bis zum 25. April läuft. Das heißt, dass die Stadt das Busnetz nicht selbst betreibt, wie das Großstädte tun, sondern ein Privatunternehmen damit beauftragt. Derzeit fährt beispielsweise die Queichtal-Nahverkehrsgesellschaft (QNV) in Landau.
Was kostet der Landau-Takt?
Wegen der laufenden Ausschreibung macht die Verwaltung noch immer ein Geheimnis aus den Kosten, die mutmaßlich anfallen werden. Vor langer Zeit hatte Hartmann jedoch schon angekündigt, dass sich die Ausgaben für den Busverkehr von 1,5 Millionen Euro pro Jahr auf das Drei- bis Fünffache steigern würden. Es waren nicht zuletzt die Kosten, weswegen im vergangenen Sommer elf Ratsglieder gegen die Vorlage gestimmt und sich sechs enthalten hatten. Fest steht aber, dass sich für Buskunden nichts ändert: Es gelten die Tarife des VRN – mit einer kleinen Besonderheit. Für Busverkehr auf Abruf muss ein Aufschlag von einem Euro pro Fahrt gezahlt werden.
Welchen Takt wird es geben?
Der bisherige Stundentakt wird zum Halbstundentakt. Auf Streckenabschnitten, auf denen mehrere Linien verkehren, verdichtet sich der Takt bis auf stellenweise fünfeinhalb Minuten, oder sogar vier Minuten, wenn man Linien aus dem Umland einrechnet. Im Horstring wird es beispielsweise einen Viertelstundentakt geben. An Samstagen gibt es das volle Werktagsangebot, und erstmals fahren auch sonn- und feiertags Busse. Bisher verkehren dann nur Busse, die aus dem Umland kamen.
Wie sind die Betriebszeiten?
In der ersten Ausbaustufe fahren die Busse von 6 bis 21 Uhr. Danach gibt es Bedarfsverkehr bis 24 Uhr mit einer Art Sammeltaxi, das ebenfalls vom Busunternehmen betrieben wird, das die Ausschreibung gewinnt. Das heißt, man bucht eine Fahrt per VRN-App oder telefonisch. Ein Computerprogramm berechnet die Fahrtroute, damit bei Bedarf unterwegs weitere Fahrgäste eingesammelt werden können. Buchen kann man sowohl vorab, als auch spontan. Dann sind Wartezeiten möglich.
In der zweiten Ausbaustufe ab 2024 wird der Bedarfsverkehr bis zum Start des Linienverkehrs um 6 Uhr morgens ausgeweitet. Es gibt also ein 24-Stunden-Angebot. Der Busverkehr auf Abruf fährt fiktive Haltestellen an, er verkehrt also nicht von Tür zu Tür, um Taxen keine Konkurrenz zu machen. Weiter als etwa 200 Meter soll man aber nicht laufen müssen.
Wie sieht das Liniennetz aus?
Es wird acht statt bisher fünf Linien geben. Rückgrat ist ein Innenstadtring mit vier Umstiegspunkten. Bisher kann man nur am Busbahnhof beim Hauptbahnhof umsteigen. Künftig ist das zusätzlich im Südring, Westring und Nordring beim Deutschen Tor möglich. Alle Stellen im Stadtgebiet sind mit maximal einem Umstieg erreichbar, viele ohne Umsteigen. Neu ist eine Buslinie, die das Gewerbegebiet Bornheim und das Gewerbegebiet Mörlheim einbindet und deren Betriebszeiten mit dortigen Unternehmen abgestimmt sind. Linien wie die 535, die bisher im stündlichen Wechsel mal die eine, mal die andere Route nehmen, werden vereinfacht.
In der ersten Ausbaustufe werden Mörzheim, Wollmesheim und Arzheim ins Stadtnetz einbezogen, in der zweiten ab 2024 auch Godramstein und Nußdorf.
Welche Fahrzeuge werden eingesetzt?
Große Linienbusse mit zwölf Meter Länge, mindestens 30 Sitz- und 70 Stehplätzen – wie gehabt. Neu dazu kommen vermehrt Kleinbusse mit etwa 12 Sitz- und 16-Stehplätzen, ähnlich wie die, welche die QNV schon in Herxheim und im Queichtal einsetzt. Sie steuern künftig beispielsweise die Wollmesheimer Höhe, Horst und Queicheim an. Beide Fahrzeugtypen haben Klimaanlage und sind barrierefrei. Auf die Forderung nach E-Antrieb verzichtet die Stadt: Die Fahrzeuge sind etwa dreimal so teuer und haben zwei Jahre Lieferzeit. Alternative Antriebe können aber eingesetzt werden, wenn sie verfügbar sind.
Für den Verkehr auf Abruf werden zunächst drei, später fünf Großraum-Pkw mit E-Antrieb eingesetzt. Sie bieten Platz für mindestens sechs Fahrgäste. Ein Fahrzeug ist barrierefrei.
Wie steht es um die Haltestellen?
Unterm Strich werden es etwas weniger (zum Beispiel am Lazarettgarten), weil komplizierte Linienführungen vereinfacht werden, um den Takt zu verdichten. Trotzdem sollen Haltestellen in etwa 300 Metern Entfernung erreichbar sein. Im Horstring kommen aber auch Haltestellen dazu. Noch in diesem Jahr werden laut Hartmann die Haltestellen mit elektronischen Tafeln ausgestattet, die anzeigen, in wie vielen Minuten der nächste Bus kommt und wo er hinfährt.