Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau-Takt 2022: Mehr Bus für alle

So könnte der Landau-Takt 2022 einmal aussehen. Alle Linien sind nur erste Vorschläge und noch im Detail verhandelbar.
So könnte der Landau-Takt 2022 einmal aussehen. Alle Linien sind nur erste Vorschläge und noch im Detail verhandelbar. Abbildung: Stadt

Einen Altstadt-Shuttle in der Innenstadt, eine Ringbuslinie mit vier Umsteigeknoten drumherum und eine Handvoll Linien von dort in die Stadtdörfer: So soll das künftige Stadtbussystem für Landau aussehen.

Landau Die ersten Schritte für einen neuen öffentlichen Nahverkehr in Landau sind mit dem Altstadt-Shuttle getan. Jetzt geht es weiter mit Überlegungen der Verwaltung, wie ein Landau-Takt 2022 (der aber erst im Dezember des Jahres startet) im Busverkehr in der Stadt und zu den Stadtdörfern aussehen könnte. Dazu haben der Beigeordnete Lukas Hartmann (Grüne), Ralf Bernhard, Leiter der Abteilung Mobilität, und Stefan Grewenig, der sich in der Verwaltung schwerpunktmäßig um das Thema kümmern soll, erste Überlegungen vorgestellt. „Wir sind ganz am Anfang“, betont Hartmann, „nichts ist festgezurrt.“ Ortsbeiräte und Bürger sollen in die Planungen eingebunden werden.

Ein einziges System für alle

Es soll keine Unterscheidung von Schülerverkehr und sonstigen Bussen mehr geben, sondern ein logisches System für alle und den ganzen Tag. Davon sollen nicht zuletzt die 22.000 Arbeitnehmer profitieren, da unter anderem die Gewerbegebiete besser angeschlossen werden sollen, aber auch die Stadtdörfer und Stadtviertel wie Horst und Wollmesheimer Höhe. Eine eigene Linie über Dammheim soll das Mörzheimer Industriegebiet anbinden. Bei Interesse der Nachbarn könnte sie auch durch das Bornheimer Gewerbegebiet (unter anderem Hornbach) führen.

Ringbuslinie als Rückgrat

Herzstück des Landau-Taktes 2022 ist eine dicht befahrene Stadtbuslinie, die Krankenhäuser, Unistandorte, zwei Grundschulen und alle weiterführenden Schulen miteinander verknüpft und von der man in den Altstadt-Shuttle umsteigen kann. Sie verläuft nach den bisherigen Überlegungen über den Hauptbahnhof und die großen Ringstraßen. Auf dem Rundkurs liegen neben dem Hauptbahnhof drei weitere Knoten (Alter Messplatz, Westbahnhof, Südring/Xylanderstraße), an denen man in die Busse in die Dörfer wechseln kann. Bisher werden die Stadtdörfer über Regionallinien aus dem Kreis an die Innenstadt angebunden. Künftig will die Verwaltung zusätzliche Stadtbuslinien in die Stadtdörfer schicken, um das Angebot zu verdichten. Der Horstring, Queichheim und die Wollmesheimer Höhe sollen eigene Linien erhalten. Jeder Bus aus einem Stadtdorf soll an mindestens zwei Knoten in der Stadt das Umsteigen auf andere Linien ermöglichen.

Zuverlässiger Service

„Die Menschen sollen zur Frühschicht und nach der Spätschicht oder nach dem Kino wieder nach Hause kommen“, sagt Hartmann. Die CDU habe vor zwei Jahren das Eis gebrochen, indem sie einen 20-Minuten-Takt anstelle des bisherigen Stundentakts vorgeschlagen habe, sagt Hartmann. Ziel ist ein halbstündlicher Takt. Nur sonn- und feiertags sollen die Busse etwas seltener fahren. Ein Ruf-den-Bus-System insbesondere nachts soll das System ergänzen. Es kann bei Bedarf auch zusätzliche Verbindungen schaffen, beispielsweise zwei benachbarte Dörfer miteinander verknüpfen.

Verständliches System

Insgesamt soll das Bussystem verständlicher werden. Ausnahmen und Sonderfälle, dass beispielsweise eine Linie je nach Uhrzeit anders fährt oder Umwege nimmt, soll es nicht mehr geben. Farbcodes sollen die Linienpläne leichter lesbar machen.

Ralf Bernhard geht davon aus, dass mindestens fünf Busse erforderlich sein werden. Diese für die Kosten maßgebliche Anzahl liegt zwischen dem Ist-Zustand mit zwei Bussen und jenen Überlegungen, die das Kasseler Verkehrsplanungsbüro Büro Plan mobil im Stadtrat vorgestellt hatte und das von elf Fahrzeugen und Mehrkosten von einer Million Euro ausgegangen war.

Bringt Job-Ticket den Durchbruch?

„Ein gutes System ist wichtiger als der billige Preis“, meint Hartmann zu den Diskussionen, was der Nahverkehr die Nutzer kosten darf. Landau sei an die Tarifsatzung des VRN gebunden, der Stadtbus werde daher soviel kosten wie an anderen Orten im Verkehrsverbund. Große Hoffnungen setzt er auf das gerade neu eingeführte Jobticket des VRN. Das kostet laut Grewenig den Arbeitnehmer 45 Euro und den Arbeitgeber rund zehn Euro pro Monat, erlaubt beliebig viele Fahrten im gesamten Tarifgebiet von Homburg bis kurz vor Würzburg und ab 19 Uhr die Mitnahme von bis zu vier Personen. „Das ist erheblich günstiger als ein Auto“, stellt Hartmann fest. „Wenn es uns gelingt, nur 20 Prozent der Landauer zum Umsteigen auf den Nahverkehr zu bewegen, hat diese Stadt praktisch kein Verkehrsproblem mehr.“ Um übervolle Busse morgens zu vermeiden, will Hartmann, wenn der Landau-Takt rund läuft, auch nochmals einen Vorstoß bei den Schulen versuchen, ob nicht die eine oder andere den Unterrichtsbeginn etwas nach hinten schieben will.

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar:

Knackpunkt Stadtdörfer

Der Landau-Takt 2022 ist ein Meilenstein und hat das Potenzial, eine Verkehrswende zu unterstützen. Mit dem Altstadt-Shuttle und ersten Überlegungen für ein neues Stadtbus-Netz hat sich Landau eine Zeitenwende vorgenommen. Wenn das System klappt, heimsen vor allem die Grünen mit ihrem Beigeordneten Lukas Hartmann die Lorbeeren ein. Richtig ist aber auch, dass schon Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) Kernpunkte des Projekts vorgestellt hat.

Der Altstadt-Shuttle ist ein starkes Signal für die angestrebte Verkehrswende, aber die eigentliche Bewährungsprobe ist der Busverkehr aus den und in die Stadtdörfer. Kann damit der Autoverkehr zurückgedrängt werden?

Die richtige Frage zum Altstadt-Shuttle hat daher die Linke gestellt: Stehen 240.000 Euro Kosten und der erhoffte Nutzen in einem gesunden Verhältnis? Angesichts der kurzen Wege in der Innenstadt ist der Bus vor allem für all jene attraktiv, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Alle anderen werden vermutlich laufen, statt auf den Shuttle zu warten. Daher muss bewertet werden, ob der Shuttlebus voll wird. Gegebenenfalls darf es auch nicht am Mut fehlen, das Geld künftig einmal umzuschichten und für die Dörfer einzusetzen.

Die Stadtdörfer sollen künftig besser angebunden werden, und das nicht nur zu Schulzeiten. Unser Foto entstand in Nußdorf.
Die Stadtdörfer sollen künftig besser angebunden werden, und das nicht nur zu Schulzeiten. Unser Foto entstand in Nußdorf. Foto: van
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