Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Freier Wähler liest der AfD die Leviten

Der gescheiterte Infostand der AfD hatte ein Nachspiel im Stadtrat.
Der gescheiterte Infostand der AfD hatte ein Nachspiel im Stadtrat.

Wolfgang Harsch, Vertreter der Freien Wähler (Landespartei) im Landauer Stadtrat, hat sich bei der Stadt für die würdige Gedenkveranstaltung zum 9. November bedankt – und dann noch „recht herzlich“ bei seinen Kollegen von der AfD.

An diesem Punkt hatte er die volle Aufmerksamkeit des Rates, auch wenn er erst im letzten Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ das Wort ergriffen hatte. Nachdem es zuvor noch darum gegangen war, ob der Oberbürgermeister die Narren im Rathaus zu empfangen gedenkt, meldete sich Harsch zu Wort, der zwar auch ein Fasnachter ist, aber ein alternativer: einer der Begründer der Stunksitzung in Landau. Entsprechend kritisch, aber geschliffen kam sein Redebeitrag rüber.

Ihm ging es um den 9. November, den Jahrestag der Novemberpogrome 1938, die der Auftakt zur systematischen Ermordung der Juden in Deutschland waren. „Ich danke Ihnen dafür, dass Sie sich selbst demaskiert haben“, hob Harsch in Richtung AfD an. Er meinte deren Infostand auf dem Danziger Platz, der von Gegendemonstranten blockiert worden war und nur durch Einsatz der Polizei überhaupt aufgebaut werden konnte.

„AfD verhöhnt Opfer“

„Wer an einem der schwärzesten Tage Deutschlands eine Parteiveranstaltung mit Glühwein und Bratwurst veranstaltet, dies unter dem lachhaften fadenscheinigen Argument: an einem 9. November sind schließlich auch angenehme Dinge geschehen, wie zum Beispiel der Mauerfall, wer bewusst seine kruden Parteivorstellungen an einem 9. November kundtut, der zeigt sein wahres Gesicht. Der verhöhnt die Opfer der Reichspogromnacht“, sagte Harsch in Richtung der versteinert lauschenden AfD-Ratsmitglieder. Der AfD-Kreisvorsitzende Eugen Ziegler hatte den Bratwurst-Stand mit dem Übergang von der Monarchie zur Weimarer Republik am 9. November 1918 und dem Mauerfall am 9. November 1989 begründet. Dieses Geschichtsbild war parteiintern offenbar nicht völlig unumstritten, setzte sich aber durch.

Harsch erinnerte daran, dass die AfD in Teilen als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist. Sie sei zwar demokratisch legitimiert, „aber mitnichten eine demokratische Partei“. Dass die Veranstaltung am Danziger Platz stattgefunden habe, könne der mangelnden Allgemeinbildung der AfD-Mitglieder geschuldet sein, weil vielleicht nicht jedem bekannt sei, wo der Zweite Weltkrieg begonnen worden ist. Gemeint war der Beschuss eines polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte bei Danzig durch ein deutsches Schulschiff.

Die Gescholtenen schweigen

Ihm sei bewusst, so Harsch, dass „wir alle hier nichts mit den schrecklichen Geschehnissen von damals zu tun haben“ und dass viele sagten, es reiche jetzt auch einmal, das sei doch alles schon so lange her. Doch heute dürfe niemand mehr sagen, er habe von nichts gewusst. „Es liegt nur an uns zu verhindern, dass derart schreckliche Ereignisse noch einmal bei uns geschehen. Dazu gehört, dass man diese Dinge nicht vergisst, an sie erinnert.“

Harsch schloss mit einem „nochmals danke, dass Sie sich selbst demaskiert haben“ und bekam starken Beifall aus den Reihen des Rates. Die AfD äußerte sich nicht.

Wolfgang Harsch
Wolfgang Harsch
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