Landau Stunk ohne Zensur
Die fünfte Auflage der Landauer Stunksitzung am 30. Januar und am 6. Februar im Gloria Kulturpalast könnte gar zur besucherstärksten werden. Acht Wochen vor der ersten Sitzung waren 300 der 850 zur Verfügung stehenden Tickets bereits verkauft. Die Stunkies, das sind namentlich Angelika und Werner Bosch, Mike Usinger, Christian Chambon-Bergeron, Frank Hüsken, Wolfgang Harsch und Pirmin Roth. Auch wenn sie heute „nicht mehr darauf herumreiten wollen“, so ist und bleibt als Grund der leidenschaftlichen Fasnachter, sich neu auszurichten, dass sich die ehemaligen Mitglieder im Landauer Carneval Verein (LCV) nicht mehr wohlgefühlt haben. Einige gingen freiwillig, andere wurden rausgeworfen. Sie wollten aber weiterhin satirische Reden über politische und gesellschaftliche Ereignisse in der Region zum Besten geben und hören, Witze machen, launige Lieder singen, ihrem Talent zum Musizieren freien Lauf lassen sowie Männerballette und Funkenmariechen tanzen sehen. „Das Programm ist völlig offen für jeden, der etwas zu sagen oder zu zeigen hat, eine Zensur gibt es nicht“, erklärt Harsch, der anstelle eines „Sitzungspräsidenten“ das Bühnenprogramm in freier Rede und Gestaltung moderiert. Politiker werden nicht begrüßt und Sponsoren nicht namentlich genannt. „Personen und Firmen fragen von sich aus, ob und wie sie uns unterstützen können“, freut sich Pirmin Roth im Vorgespräch mit der RHEINPFALZ. Viel Geld für teure Orden brauchen die Stunkies nicht, denn als Belohnung für alle Bühnendarsteller gibt es den „goldiche Stinker“ – das ist ein von einer goldenen Konfektkugel gekrönter Limburger Käse. Weil es auch keine Tuschkapelle gibt, sind die Stunksitzungsgäste aufgefordert, ihre eigene Stimme einzusetzen und Ratschen, Tröten und sonstige Geräuschemacher mitzubringen, um Ge- und Missfallen spontan lautstark zu äußern. Legendär ist die Geschichte von der Eiseskälte, in der 250 Premierenbesucher im Jahr 2012 sich selbst einheizen mussten, weil die Technik streikte: „Keiner ging nach Hause“, erinnert sich Pirmin Roth. Im zweiten Jahr waren die Karten so schnell vergriffen, dass zum ersten Mal eine zweite Sitzung angesetzt wurde. 2014 zählten die Stunkies 550 Besucher und 2015 waren laut Roth und Harsch 90 Prozent aller Karten verkauft. Ein Platz im kuscheligen Kinosessel kostet 14 Euro, wer für zwei Euro mehr einen der wenigen Logenplätze mit Tisch im vorderen Bereich ergattert, darf sein mitgebrachtes Abendessen auspacken. Die Preise für Getränke sind, nicht zuletzt dank der Selbstbedienung, moderat. Als schützendes Dach gilt der Verein Herzenssache (www.herzenssache-landau.com). Allein die gute Idee der Vorsitzenden Roth und Harsch, vom Erlös der Stunksitzung Defibrillatoren für Fußballstadien zu stiften, will nicht so recht funktionieren. „Es findet sich kaum noch ein Verein, der ein solches lebensrettendes Gerät haben will.“ Doch auch in Sachen Benefiz passen sich die Stunkies ihrem Publikum an: Seit 2014 unterstützen die Besucher mit dem Kauf einer Eintrittskarte für die Stunksitzung eine weitere gute Tat: Die Hälfte des Überschusses spenden die Stunkies einem wohltätigen Verein. Im ersten Jahr kam das geplante Hospiz für Landau zum Zug, beim zweiten Mal das Kinderdorf Maria-Regina in Silz. Ab sofort darf jeder Mensch bis zum 29. Januar per elektronischer Post an wolf.harsch@web.de einen beliebigen Vorschlag machen. Die drei meist genannten Einrichtungen stehen auf den Stimmzetteln, die am 30. Januar und am 6. Februar „zwische halwer un dreiverddel achde“ beim Eintritt in den Gloria Kulturpalast ausgeteilt werden. Jeder zahlende Besucher der Stunksitzungen entscheidet mit seinem Kreuzchen, wohin das Geld geht. Kartenvorverkauf Firma Rotec, Offenbach, Telefon 06348 2251690, Firma Car-Top Landau, 06341 987780, und Firma Musik & Service Kohler, Landau, 06341 86074. (srs)