Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Festung: Spitze der Lunette 100 gefunden

Unspektakulär: Von der Spitze des Festungswerks ist nur der Mauerkern erhalten.
Unspektakulär: Von der Spitze des Festungswerks ist nur der Mauerkern erhalten.

Festungsreste sind über ganz Landau verteilt. Nun wurde die Spitze der Lunette 100 freigelegt – auf dem Gelände des abgebrannten Voodoo-Clubs. Was passiert nun mit dem unter Denkmalschutz stehenden Teilstück? Und wofür wird das Grundstück genutzt?

Grabungstechniker Sascha Hornbach von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), also der Denkmalschutzbehörde des Landes, hat ein weiteres Puzzlesteinchen der Festung Landau zutage gefördert: Er hat auf dem Grundstück des abgebrannten Voodoo-Clubs an der Paul-von-Denis-Straße bei einer Sondage, also einer Suchgrabung, die Spitze des Festungswerks 100 freigelegt. Man kann auch Lunette 100 sagen, denn da die Franzosen unter Festungsbaumeister Vauban, der auch große Teile der Landauer Festung entworfen hat, dem Festungsbau wesentliche Impulse verliehen hatten, sind auch viele Fachbegriffe französisch.

Überraschend war der Fund nicht: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren im Frühjahr 2018 in der Baugrube eines jetzt bereits im Rohbau stehenden Gebäudekomplexes bereits Mauerzüge dieses vorgeschobenen Festungswerkes zutagegetreten. Ihretwegen musste der Bauherr seine Tiefgarage umplanen, um die Funde zu erhalten. Schon damals hatte der Festungsbauverein gefordert, die Spitze des Werks 100 müsse nicht nur erhalten, sondern auch erlebbar gemacht werden. Außerdem gibt es sehr detaillierte Pläne der Festung, deren Umrisse teils noch am Straßenverlauf der Stadt abzulesen sind, und die man sehr gut über aktuelle Stadtpläne legen kann.

Festungsteile wurden andernorts verbaut

„Jetzt schließt sich der Kreis“, sagte David Hissnauer, der Gebietsreferent der GDKE. Denn jetzt hat Grabungstechniker Hornbach die vordere Spitze des mehr oder weniger dreieckigen vorgeschobenen Festungswerks gefunden. Spektakulär ist der Fund nicht: Man sieht einen kantigen Mauerkern, der aus einer Böschung ragt, dessen ursprüngliche Verblendung aus sauber behauenen Granitquadern aber nicht mehr vorhanden ist. Solche Steine waren ein beliebtes Baumaterial, das beim Schleifen der Festung gewonnen und bei der Stadterweiterung verwendet wurde, sagt Landaus Denkmalpfleger Jörg Seitz. Damals seien einzelne Abschnitte der Festung als Steinbrüche verkauft worden. Die Verladerampen des ehemaligen Güterbahnhofs, der ganz in der Nähe von Werk 100 lag, bestanden aus solchen Steinen; die Stadt hat sie beim Abriss geborgen und eingelagert und verwendet sie nun wieder, wenn an der Festung etwas instandzusetzen ist. Seitz würde es aber auch nicht wundern, wenn das benachbarte DRK-Gebäude nicht auch etliche Steine aus den Festungsmauern enthielte.

Gang führte in den Ostpark

Vor der Spitze der Lunette lag ein Graben. Auf dessen gegenüberliegender Seite gab es ebenfalls eine Mauer, die Contrescarpe, und einen Wall. Hinter der Mauer und unter dem Wall verlief zudem ein unterirdischer Gang mit Schießscharten in den Graben hinein, damit Verteidiger der Festung Angreifer, die es bis in den Graben geschafft hatten, von beiden Seiten beschießen konnten. Hornbach hat auch ein Stück dieser Mauer und ein kleines Teilstück des etwa 1,20 Meter breiten Gangs freigelegt, dessen Gewölbe, mutmaßlich aus Ziegelstein, aber längst nicht mehr erhalten ist.

Das Werk 100 war eine vorgeschobene Befestigung, die über einen unterirdischen Gang mit Werk 35 verbunden war. Das liegt im Ostpark: Die Spitze mit dem (derzeit gesperrten) Aussichtspunkt ist gut erhalten. Die Gegenmauer hat die Stadt erst kürzlich sanieren lassen, wobei unter anderem ein Säbel gefunden worden war.

Abriss des Werks 38 sorgte für Empörung

Was mit den jetzt gefundenen Festungsresten passiert, ist noch offen. Im Frühjahr – wenn die dort lebenden Eidechsen aus der Winterruhe erwacht sind und in Sicherheit gebracht werden können – werden sie wieder zugeschüttet, berichtet Bauamtsleiter Christoph Kamplade. Das sei der beste Schutz für archäologische Funde. Das Grundstück wird eingeebnet und eingesät. Die Stadt will es vorerst in Reserve halten. Möglicherweise wird dort einmal eine neue Rettungsleitstelle gebaut, weil die bestehende an der Haardtstraße nicht mehr zeitgemäß ist, sagte Oberbürgermeister Thomas Hirsch.

Die GDKE hatte die komplette Festung Landau einschließlich aller noch im Boden verborgenen Teile Anfang 2017 unter Denkmalschutz gestellt. Auslöser damals war der nahezu komplette Abriss des sehr gut erhaltenen Werks 38 im Wohnpark am Ebenberg gewesen, der einem Neubau hatte weichen müssen. Dies hatte zu erheblichem Unmut beim Festungsbauverein und in der Öffentlichkeit geführt.

Bahnhof konnte abgebaut werden

Christine Thelen vom Festungsbauverein hatte in alten Unterlagen ein Protokoll der Bundesversammlung aus dem Jahr 1858 ausgegraben. Darin war das Werk 100 beschrieben worden, das beim Bau der unmittelbar davor verlaufenden Eisenbahnlinie um sechs Fuß höhergelegt werden musste. Daher hatte die „Geniedirektion“, also die Eisenbahnbehörde, den Umbau bezahlen müssen. Das Vorwerk bot Platz für 75 Soldaten, bei Bedarf auch bis zu 100, und enthielt Kanonenkammern, Schlafsäle, Küche und Toilette. Seitz berichtete, dass damals auch eine Art Bunker für Lokomotiven gebaut worden war. Der war mit einer dicken Erdschicht überdeckt, hatte aber lange Schornsteine, damit die Dampfloks im Unterstand eingeheizt werden konnten. Ein ähnliches Lokhaus sei in Ulm noch erhalten. In Landau sind noch keine Reste davon zutagegetreten. Laut Seitz bestand auch der erste Landauer Bahnhof aus Holz und war so konstruiert, dass man ihn im Kriegsfall abbauen und „in die Stadt tragen konnte“.

David Hissnauer von der GDKE mit einem Plan der Festung Landau.
David Hissnauer von der GDKE mit einem Plan der Festung Landau.
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