Landau Festung Landau: "Vorwerk 100" in Gefahr
In der Landauer Paul-von-Denis-Straße wird das Baufeld 33 bebaut. Darunter vermutet die Stadt aber eine vorgeschobene Verstärkung der Vaubanschen Festung.
An der Paul-von-Denis-Straße wird ein Grundstück auf Festungsreste untersucht. Das 4700 Quadratmeter große Baufeld 33 war vom Hauptausschuss der Stadt an die RG Residential Development GmbH, eine Tochter der Reuter Real Estate aus Klingenmünster, vergeben worden. Bevor die Bauarbeiten beginnen können, muss das Grundstück in Abstimmung mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz archäologisch untersucht worden. Die komplette Festung Landau steht seit einem Jahr unter Denkmalschutz, und auf dem Grundstück werden Reste des Werks 100 vermutet.
Stichprobenartige Untersuchungen
Nach Angaben der Stadt gibt es stichprobenartige Untersuchungen, teils mittels Bagger, teils als Sondierung. Das heißt, dass gezielt Gräben angelegt werden. Die Fachleute erwarten sich davon Erkenntnisse über Lage, Umfang und Erhaltungszustand der vermuteten Reste. Wie man inzwischen weiß, sind beim Schleifen der Festung vor allem Wälle eingeebnet und Gräben aufgefüllt worden. Mauerwerk und Gänge sind dagegen größtenteils erhalten geblieben, wie sich bei der Lunette 42 im Savoyenpark oder dem Werk 38 im Wohnpark am Ebenberg gezeigt hat. „Wir haben Mauerwerk gefunden“, sagte gestern David Hissnauer, Gebietsreferent bei der GDKE-Landesarchäologie, Außenstelle Speyer, auf Anfrage. Die Funde passten auch zu den vorhandenen historischen Lageplänen, aber die Verhältnisse seien komplex, und „wir lernen jedes Mal noch dazu“. Daher sei es für eine Bewertung zu früh. Noch bis Ende dieser Woche soll sondiert werden. Wegen zu erwartender Funde ist nach Angaben der Stadt insbesondere die Tiefgarage mit rund 80 bis 85 Stellplätzen unter den Gebäuden und Außenflächen von besonderer Bedeutung. Sie soll so angeordnet werden, dass sie möglichst wenig in erhaltene Festungsteile eingreift.
"Lunette 38" weitestgehend zerstört
Die Reuter Real Estate hat bereits das Projekt „Le Quartier No.1“ im Wohnpark Am Ebenberg mit 87 Wohnungen an der Ecke Cornichonstraße/Hartmannstraße realisiert. Dabei war die Lunette 38 freigelegt worden. In der Folge hatte es erhebliche Proteste gegen das Bauvorhaben gegeben. Bei einer Bürgerinformation in Landau hatte GDKE-Direktor Thomas Metz erklärt, dass eine Dokumentation reiche, das Werk aber nicht erhalten werden müsse. Nach jetzigen Angaben der Stadt ist es über- und teilweise rückgebaut worden – de facto ist es weitestgehend zerstört worden. Die Kontur des Vorwerks wurde in der Freianlage der neuen Wohnanlage mit Natursteinpflaster nachgezeichnet.
"Wollen Bauen möglich machen"
Nach Angaben der Stadt bedeutet der Denkmalschutz der Festung Landau, dass nun gemeinsam mit dem Bauherrn, dem Grundstückseigentümer, den Genehmigungsbehörden und der GDKE Lösungen gefunden werden müssten, die zeigten, dass Stadtentwicklung und Schutz der Festung nicht im Widerspruch zueinander stünden. So hat es Oberbürgermeister Thomas Hirsch formuliert. Und weiter: „Wir wollen Bauen möglich machen und nicht verhindern.“ Baudezernent Maximilian Ingenthron erwartet ein gutes Ergebnis. Investor Costa Reuter sagte: „Die vorhandenen Festungsreste zu ignorieren, ist nicht angebracht.“ Es gelte, Lösungen zu finden, die eine qualitätsvolle städtebauliche Entwicklung ermöglichten. Weil im frühen Planungsstadium untersucht werde, gehe er derzeit nicht von Verzögerungen aus. Das sieht auch Hissnauer so: Die Archäologen hätten genügend Zeit. Der Terminplan sieht vor, dass im Februar sondiert und parallel die Bauvoranfrage bearbeitet wird. Ende 2018 soll mit der Bebauung begonnen werden.