Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Festungsmauer gibt Rätsel auf

Maurer tragen die Mauer abschnittsweise ab und richten sie neu auf.
Maurer tragen die Mauer abschnittsweise ab und richten sie neu auf.

Der Festungsbauverein hat Konkurrenz bekommen: Im Ostpark setzen Arbeiter eine weitere Lunette instand – zumindest ein bisschen. Die Arbeiter haben einen Fund gemacht, für den es bisher keine vernünftige Erklärung gibt.

Zum Glück hatten die mit 70.000 Euro veranschlagten Instandsetzungsarbeiten (die zu 90 Prozent von Bund und Land gefördert werden) an einer alten Festungsmauer in der südöstlichen Ecke des Landauer Ostparks bereits begonnen, bevor die Kostensteigerung das komplette Projekt der Parksanierung ins Stocken gebracht hat. Die Arbeiten sollen bis Ende November abgeschlossen sein. Entsprechend groß war das Interesse des Festungsbauvereins an einer Baustellenbesichtigung.

Immerhin wird im Ostpark gerade an einem Gegenstück zur Lunette 41 im Savoyenpark gearbeitet, die der Festungsbauverein seit Jahren freilegt, wiederherstellt und zugänglich macht. Im Osten der Stadt fallen die Arbeiten weniger spektakulär aus. Während die Freunde Vaubans, wie der Verein sich nach dem Festungsbaumeister des französischen Sonnenkönigs auch nennt, unterirdische Räume und Gänge und einen Turmstumpf freilegen, wird im Ostpark unterhalb des Spielplatzes nur eine Mauer gesichert. Dabei handelt es sich um die etwa 60 Meter lange Kehlmauer einer Lunette, also die rückwärtige Mauer eines vorgeschobenen Verteidigungswerks vor dem Hauptwall der Festung. Das erläuterte Landaus Denkmalpfleger Jörg Seitz, der im Festungsbauverein aktiv ist.

Lunette 35 war über Brücke erreichbar

Wie jede der zahlreichen Zacken der sternförmigen Festung ist auch diese nummeriert: Sie trägt die Nummer 35 und zeigte mit ihrer Spitze in Richtung Südosten. Vom Hauptwall war sie durch einen großen Graben getrennt, in dem heute große Teile des Ostparks liegen. Zum besseren Schutz enthielt dieser Graben zwei Kessel (Senken), die bei Bedarf geflutet werden konnten. Der Schwanenweiher im Kessel 80 ist einer davon, der benachbarte Kessel 30 ist nach dem Krieg mit Schutt verfüllt worden.

Die Lunette 35 war mit dem Hauptwall durch einen Steg verbunden, der über das Wasser führte. So schildert es Christine Thelen vom Festungsbauverein, die auch Angaben zur Entstehungszeit machen kann: nach der dritten Belagerung Landaus, von 1710 bis 1713. Sie weiß auch, dass diese Lunette mit der noch weiter vorgeschobenen Lunette 100 verbunden war, die an der Paul-von-Denis-Straße in einer Baugrube zum Vorschein gekommen war.

Die Mauer ist ein Flickwerk

Nachdem die Mitarbeiter der auf Sanierungen spezialisierten Zedler Baugesellschaft aus Oberflörsheim/Rheinhessen die Mauer im Ostpark von Bewuchs befreit und gereinigt hatten, bot sich ihnen das Bild eines Flickwerks: Sie bestand aus unbehauenen Steinen, sorgfältig bearbeiteten Sandsteinquadern, Ziegeln, allerlei Bruch und unfachmännischen Betonflicken. Ein Bild, für das es keine rechte Erklärung gibt, denn Spuren einer Erstürmung wären an dieser Innenseite eher nicht zu erwarten. Immerhin: Zum Vorschein gekommen ist auch jene – später zugemauerte – Öffnung in der Mauer, wo der besagte Steg auf das Vorwerk traf.

Die Arbeiter haben das Flickwerk fotografiert und dann abschnittsweise abgetragen. Das war nach Angaben von Seitz und Mirza Nurudinovic vom Stadtbauamt, der die Arbeiten überwacht, nötig, weil die Mauer hinterspült und zumindest in Teilen einsturzgefährdet war. Norbert Kolm, Mauermeister und Restaurator, schildert, dass sie nicht mehr gerade war und die leichte Neigung von 81 Grad nur noch an den aus exakt behauenen Quadern bestehenden Ecken vorhanden war. Warum das so war, wurde auch schnell klar: Die Mauer hatte kein Fundament.

Jeder Stein kommt an seinen alten Platz

Das haben Kolm und seine Männer aus Beton gegossen, und darauf errichten sie die Mauer wieder Stein für Stein, wobei jeder wieder an seine ursprüngliche Stelle kommt und nur dann ersetzt wird, wenn er kaputt und nicht mehr tragfähig ist. An einer Ecke sind die Arbeiter auf eine verrostete Messerklinge gestoßen, an einer anderen haben sie einen erstaunlich gut erhaltenen Säbel mitsamt Säbelscheide im Mörtelbett zwischen zwei Steinlagen gefunden.

Dieser Säbel wirft Fragen auf, denn eine Nut im Handgriff und eine Art Öse weisen ihn als Bajonett aus, das auf einen Gewehrlauf aufgeschoben werden konnte. Eines der Festungsbauvereinsmitglieder schätzt ihn auf Ende des 19. Jahrhunderts.

Das dürfte stimmen: Mit nur wenigen Klicks ist im Internet bei einem Waffenhändler in Mainz ein Säbel-Bajonett zu finden. Es habe zum Zündnadel-Gewehr Modell 1866 Chassepot gehört, einem nach seinem Entwickler benannten Infanteriegewehr.

Kommt das Bajonett ins Museum?

Baujahr und Fundort passen nicht zu sonstigen Waffenfunden, die Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen um die Festung sein könnten. Doch dass man einen solchen Fund bei einer früheren Mauerreparatur nicht geborgen, sondern an Ort und Stelle eingemauert hat, klingt auch nicht logisch. Sicher ist nur, dass der Säbel nicht einfach ans Stadtmuseum gehen kann. Als Kriegswaffe müsse er zunächst beim Kampfmittelräumdienst abgegeben werden, sagt Seitz.

Polier Norbert Kolm mit den gefunden Waffen.
Polier Norbert Kolm mit den gefunden Waffen.
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