Landau / SÜW
BI: Mehr Sicherheit auf B10 mit kleinen Maßnahmen möglich
„Strebsam und regelmäßig wie jedes Jahr quält auch aktuell wieder der Landtagsabgeordnete Reichert das Landesverkehrsministerium mit einer Kleinen Anfrage zu den Unfallzahlen auf der B10 zwischen Pirmasens und Landau. Wie jedes Jahr leitet er daraus teilweise eher seltsame Schlüsse zu den Unfallhäufigkeiten auf der B10 ab“, heißt es in der Stellungnahme der BI zum RHEINPFALZ-Beitrag „Mehr Sicherheit durch vier Spuren“ vom 19. Oktober.
Die Interpretation Reicherts, dass ein Ausbau auf vier Spuren das Unfallrisiko senke, lasse sich anhand der vorliegenden Datenlage nicht nachvollziehen. Der vierspurige Abschnitt von der A62 bis Hinterweidenthal zeige für dieses Jahr mit 35 Unfällen deutlich höhere Unfallzahlen als die zweispurige Tunnelstrecke mit 27 Unfällen und die daran anschließende dreispurige Strecke zwischen Queichhambach und Godramstein (25 Unfälle).
Fehler bei der Auswertung
Reichert hatte neben absoluten Zahlen auch die Unfallhäufigkeit pro Kilometer aufgelistet. Doch selbst das ergibt kein eindeutiges Bild: Die zweispurige Tunnelstrecke bei Annweiler schneidet in den Jahren 2019 und 2020 bei der Gesamtzahl der Unfälle sehr gut ab. Nur die Baustellen-Strecke bei Landau ist in drei von fünf Jahren vergleichsweise unfallträchtig, aber selbst dort gab es 2021 weniger Unfälle pro Kilometer (3,66) als im vierspurigen Ausbau (3,74), was Reichert offenbar übersehen hat.
Die BI vermisst auch eine Auswertung von Unfallzahlen auf der A65, zum Beispiel zwischen Edenkoben und Kandel, als Vergleichsmöglichkeit. Gefühlt werde fast jeden Tag über Unfälle von dieser Strecke berichtet.
„Jeder Unfall einer zu viel“
Aus Sicht der BI Queichtal ist es müßig, „sich im Klein-Klein der Unfallstatistiken zu ergötzen“: Jeder Unfall sei einer zu viel und sollte möglichst vermieden werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der B10-Ausbau sicher noch Jahrzehnte dauern werde, sofern er überhaupt noch komme.
Die BI fordere deshalb seit Jahren deutliche Verbesserungen und Optimierungen im Bestand, erinnert Vorstandsmitglied Werner Schreiner, der stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag und Fraktionsvorsitzender im VG-Rat Annweiler ist. Dazu gehören kreuzungsfreie Knoten, Fahrbahntrennungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und stationäre Geschwindigkeitsüberwachungen. Leider habe der Landesbetrieb Mobilität (LBM) „bisher nur zweimal in diesen Instrumentenkasten gegriffen“, mit Tempo 60 in den Tunneln und mit einem einzigen Blitzer im Staufertunnel. Doch schon diese Minimal-Maßnahmen hätten laut der Reichert-Statistik die niedrigsten Unfallzahlen im gesamten B10-Bereich bewirkt.
BI: Fahrbahnen trennen
Die BI fragt, warum solche Maßnahmen nicht auch auf der unfallträchtigeren Strecke Hinterweidenthal – Rinnthal angewandt werden. Die am Frauenstein vor Jahren eingebaute Fahrbahntrennung habe die Unfallzahlen drastisch verringert und eine Unfallhäufungsstelle ausgeschaltet. Solche Fahrbahntrennungen müssten an allen Übergängen von zwei auf drei Spuren installiert werden. Nach einem Unfall-Horrorwochende im August hatte der LBM auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt, beim derzeitigen Querschnitt mit drei Fahrspuren reiche die Fahrbahnbreite nicht für eine bauliche Trennung aus.
An der Felsnase bei Hauenstein müsste es eine Geschwindigkeitsbeschränkungen geben, und es bedürfe weiterer fest installierter Blitzer, so die BI. Abschließend greift sie die Forderung nach einer Streckensperrung für Lastwagen auf, denn ein 30-Prozent-Anteil von Lkw am Unfallgeschehen stelle bundesweit einen Spitzenwert dar, werde aber sehenden Auges hingenommen.
Schreiners Fazit: „Hier wäre noch viel Luft nach oben und ein großes und sinnvolleres Betätigungsfeld für den Abgeordneten Reichert.“
