Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bereit für die „schöne, neue Welt“: Wie man Künstliche Intelligenz im Alltag nutzen kann

Schnelle Antworten liefert die Künstliche Intelligenz. Geprüft werden sollten sie trotzdem noch.
Schnelle Antworten liefert die Künstliche Intelligenz. Geprüft werden sollten sie trotzdem noch.

Wie wird das KI-Sprachmodell ChatGPT sinnvoll genutzt? An der Volkshochschule Herxheim haben sich Senioren die neue Technologie erklären lassen.

Vier Frauen und vier Männer versammeln sich in den Räumen der Herxheimer Volkshochschule im Waldstadion und wollen digitales Neuland erobern. Frei nach Aldous Huxley betreten sie zum ersten Mal die „schöne, neue Welt“, wie sie von generativen, künstlichen Intelligenzen (KI) wie ChatGPT versprochen wird. Mit einer Ausnahme. Kurs-Teilnehmerin Bettina verfügt bereits über Vorkenntnisse, denn sie nutzt KI bei der Büroarbeit. Mit Hilfe der KI verfasse sie Texte und E-Mails, übernehme aber nicht alle Vorschläge. Denn es sei ihr wichtig, sich nicht in Abhängigkeit zu begeben.

Alle anderen Kursteilnehmer – inklusive der RHEINPFALZ-Mitarbeiterin – sind sich einig: „Wir sind zwar Anfänger, haben aber keinerlei Berührungsängste. Auch wenn wir der Generation 60 plus angehören, fühlen wir uns noch jung genug, ChatGPT sinnvoll zu nutzen.“ Daher wünschen sich die Senioren Anregungen, wie die „Plauder-KI“ ihren Alltag erleichtern kann.

Keine sensiblen Daten preisgeben

Kursleiter Christian Borowski, der beruflich als Grafikdesigner beim Südwestrundfunk arbeitet, führt die Gruppe mit viel Geduld in die KI-Welt ein. Vier Schritte sind nötig, um ChatGPT auf Smartphone, Tablet oder Laptop zu installieren. Es dauert seine Zeit, bis diese Hürde genommen ist. Dann kann es endlich losgehen.

Kursleiter Christian Borowski erklärt die Nutzung von ChatGPT im Kurs „KI im Alltag“.
Kursleiter Christian Borowski erklärt die Nutzung von ChatGPT im Kurs »KI im Alltag«.

„Wie kann ich dir helfen?“, will das Computerprogramm (Chatbot) wissen und die Frage (Prompt) kann eingegeben werden. Aber nicht bevor Coach Borowski noch einen Ratschlag erteilt hat: „Keine sensiblen Daten! Prüfen Sie jede Antwort und verifizieren Sie diese, wenn nötig auf weiteren Wegen.“ Im Laufe des Abends wird er diese Ermahnung wie ein Mantra wiederholen.

Reiseplanung mit der KI

Jetzt heißt es „learning by doing“. Schnell wird klar, dass die Antworten besser werden, je differenzierter die Aufträge formuliert sind. Oder andersrum gesagt: Je weniger Input, desto mehr 08/15-Antworten. Wohlgemerkt, wir kommunizieren mit einem Computersystem, das Anfragen versteht und darauf Antworten gibt. Es führt also Aufgaben aus, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordert. Da wir es aber mit einer Maschine zu tun haben, die zwischenmenschliche Konversation nur simuliert, brauchen wir auch nicht „bitte“ und „danke“ zu sagen.

Karlheinz, mit 77 Jahren der Älteste der Gruppe, will Urlaub am Gardasee machen. Der Chatbot plant die Anreise, schlägt Unterkünfte in der gewünschten Preiskategorie vor und gibt Infos zu Bootsausflügen, Radtouren und Wanderungen. Sogar ortstypische Gerichte mit dazu passenden Weinen empfiehlt er. Mit den recherchierten Informationen zum Urlaubsort ist Karlheinz sehr zufrieden und wird auf diesen Service in Zukunft nicht verzichten.

Von Kochrezepten bis hin zu Gedichten

Christa möchte ein Frühstücksbüfett für sechs Personen ausrichten und bekommt dafür Vorschläge für süße, herzhafte und frische Zutaten sowie eine Einkaufsliste. Die Anzahl der Gäste ändert sich? Kein Problem. Ein Klick und die Mengenangaben werden angepasst. Es melden sich noch unerwartet Personen mit einer Laktose-Unverträglichkeit an? Ein Klick und entsprechende Produkte werden angezeigt. Planung und Organisation von Festen seien mit Hilfe von ChatGPT ein Kinderspiel, staunt Christa.

Die Männer und Frauen folgen den Ausführungen der Kursleiters interessiert. Sie wollen erfahren, wie KI im täglichen Leben eine
Die Männer und Frauen folgen den Ausführungen der Kursleiters interessiert. Sie wollen erfahren, wie KI im täglichen Leben eine Bereicherung sein kann.

Die RHEINPFALZ-Mitarbeiterin ordert ein Geburtstagsgedicht für den Enkel und bekommt sofort eins geliefert. Es hat vier Strophen mit jeweils zwei Paarreimen und liest sich flott, da das Metrum stimmt. Auch inhaltlich ist es gelungen, denn alle Wünsche, wie Glück, Erfolg, Spaß und Lebensfreude sind genannt. Nun ja, man hätte es auch selbst fabrizieren können, wenn auch nicht in dieser kurzen Zeit. Und erst recht nicht hätte man Varianten wie scherzhaft, feierlich oder poetisch zustande gebracht.

Kritischer Blick auf die Nutzung

Auch Ferdinand und Hermann sind überrascht, was ChatGPT so alles kann und bringt: „die Zeitersparnis, die personalisierte Hilfe und den Zugriff auf unendlich viel Wissen“. Aus Neugier seien sie gekommen, „aber der Abend hat unseren Blick verändert. Diese Vielfalt haben wir nicht erwartet“, sind sich die beiden einig. Dabei hat die Gruppe an diesem Abend lediglich einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten von KI erhalten. Vertiefungskurse sollten folgen.

Am Ende des Tages gibt es trotz der positiven Erfahrungen mit ChatGPT auch kritische Überlegungen. Angelika und Joachim geben zu bedenken, dass in Sekundenschnelle eine riesige Menge an Informationen zusammengetragen werden könne – auch über Menschen. Was heißt das für Bürger in autokratisch regierten Ländern? Was für den Datenschutz im eigenen Land? Wie erkennt man falsche oder erfundene Informationen? Welche Auswirkungen hat die Technologie auf bestimmte Arbeitsplätze?

Noch Fragen?

Die Volkshochschule Herxheim ist eine Außenstelle der Kreisvolkshochschule SÜW und bietet regelmäßig Kurse zum Thema Künstliche Intelligenz an. Die Einführungskurse „KI im Alltag“ finden jeden Monat statt. Vertiefungskurse sind am 28. Oktober und am 9. Dezember. Weitere Informationen unter vhs-suwe.de.

Zur Sache: So fasst ChatGPT den Abend zusammen

Volkshochschule Herxheim – KI im Alltag: In der Volkshochschule Herxheim trafen sich acht Interessierte zu einer Veranstaltung rund um ChatGPT und Künstliche Intelligenz im Alltag. Gemeinsam wurde erarbeitet, welche praktischen Anwendungen es bereits gibt und wie KI sinnvoll genutzt werden kann. Im Alltag kann KI sehr hilfreich sein. Sie liefert schnelle Antworten auf Fragen, unterstützt beim Schreiben von Texten, E-Mails oder Präsentationen, hilft bei Übersetzungen und bietet kreative Ideen für Beruf, Schule und Freizeit. Auch beim Lernen oder Üben neuer Themen kann sie ein nützlicher Begleiter sein. Positiv hervorgehoben wurde, dass KI Zeit spart, den Zugang zu Wissen erleichtert und dabei hilft, Ordnung und Struktur in Aufgaben zu bringen. Darüber hinaus kann sie kreative Impulse geben und das eigenständige Lernen fördern. Gleichzeitig gibt es auch Risiken. Inhalte sind nicht immer zuverlässig, weshalb eine kritische Prüfung wichtig bleibt. Zudem spielen Datenschutz und der Umgang mit sensiblen Daten eine große Rolle. Auch die Gefahr, zu abhängig zu werden oder den Ergebnissen unkritisch zu vertrauen, wurde diskutiert. Schließlich wurden auch ethische Fragen angesprochen, die sich beim Einsatz in Schule, Beruf und Gesellschaft stellen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass KI-Technologien verantwortungsvoll genutzt werden sollten – als hilfreiches Werkzeug, das viele Chancen bietet, aber mit einem wachen Blick für mögliche Risiken.

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