Reise
Reisen mit KI: Wie künstliche Intelligenz die Tourismusbranche verändert
Spätestens seit ChatGPT Ende 2022 für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, ist Künstliche Intelligenz – kurz KI – in aller Munde. Die einen haben die selbstlernende Sprachsoftware begeistert mit Inhalten gefüttert, die anderen haben die Augen verdreht angesichts so viel blinden Technikvertrauens. Dabei ist intelligente Software nichts Neues. Bereits in den 1950er Jahren entwickelte der britische Mathematiker und Computerpionier Alan Turing einen Schachcomputer, weil er wissen wollte: „Kann eine Maschine denken?“ Inzwischen ist die Welt weiter. KI-Systeme sind heutzutage fähig, nicht nur Muster und Strukturen zu erkennen, sondern auch Informationen zu verarbeiten, vielschichtige Probleme zu analysieren, aus Daten Schlüsse zu ziehen und zu kommunizieren. Kurzum, KI kommt den Funktionen des menschlichen Gehirns sehr nahe, aber – zum Glück bis jetzt – eben nur beinahe. Denn selbstlernende Software ist immer nur so gut wie ihr Input. Gerade rund ums Reisen erweisen sich KI-gestützte Systeme von großem Nutzen, weil sie einfach „mitdenken“.
Personalisierte Angebote
Dank analysierender KI-Algorithmen, die Vorlieben und Suchmuster eines Kunden sofort ausmachen, können Reisebüros und Buchungsportale maßgeschneiderte Angebote auf Knopfdruck erstellen. Anhand bevorzugter Reiseziele, Herbergen und Aktivitäten können die Empfehlungen je nach Interessen und Reisebudget maßgeschneidert werden. Vor allem im Geschäftsreisebereich gibt es bereits KI-gesteuerte Systeme, die automatisch die Präferenzen jedes Reisenden speichern, analysieren und dementsprechend Buchungen ausführen.
Chatbot statt Hotline
Flug und Zug verspätet, Flug verpasst, Bahn gestrichen – es gibt viele Gründe, warum gebuchte Transportmittel unerwartet ausfallen. In solchen Fällen liefen früher die Hotlines heiß (und sie tun es immer noch). Doch inzwischen werden KI-gestützte Chatbots für Standardfragen eingesetzt. Diese können rund um die Uhr gleich mehrere Kundenanfragen gleichzeitig bearbeiten und Auskunft über Alternativen geben. So müssen Mitarbeiter nur noch komplizierte Anfragen entgegennehmen. Das spart Kunden Zeit und Unternehmen Personal.
Berechenbare Risiken
Einer der grundlegenden Fähigkeiten von KI ist es, Unmengen von Daten verdauen zu können sowie Muster und Strukturen zu finden. Das heißt zum Beispiel, aus den bekannten Wettermustern, historischen Flug- und Bahndaten und der aktuellen Wetterlage kann die Wahrscheinlichkeit von Annullierungen und Verspätungen prognostiziert werden. Das erhöht einerseits die Sicherheit der Transportmittel, weil die Verantwortlichen sich vorbereiten können. Andererseits werden Reisende rechtzeitig gewarnt, und falls die Vorhersage eintrifft, hat das System bereits die Reisealternativen parat.
Mehr Sicherheit
Äußerst effizient kann KI jeden Menschen finden, vorausgesetzt es gibt ein Bild von ihm. Die EU regelt seit Anfang Februar mit dem KI-Akt (AI Act) den Umgang mit Gesichtserkennungstechnologie und untersagt zum Beispiel den Einsatz von KI-Programmen, die – nach dem Modell China – das soziale Verhalten von Menschen bewerten. An öffentlichen Plätzen sind zudem gesichtserkennende Kameras nicht erlaubt. Nur Polizei und Sicherheitsbehörden dürfen bei Verdacht auf schwere Straftaten wie Terrorismus diese Software verwenden. Auch an Flughäfen und ähnlichen Reisezentren dürfen bei Personenkontrollen KI-Erkennungssysteme alle aussieben, gegen die etwas vorliegt.
Check-in-Gepäck
KI hilft, die Irrläufer bei der Gepäckabfertigung an Flughäfen durch intelligente Verfolgung und automatische Sortierung zu senken. Es gehen also weniger Koffer verloren. Zugleich steigt das Tempo bei der Gepäckausgabe durch intelligente Routenplanung und Echtzeitverfolgung. Die auf das Transportwesen spezialisierte IT-Firma SITA beispielsweise arbeitet mit einem Partner derzeit an einer Software, die durch intelligentes „Sehen“ menschliche Fehler bei der Gepäckabfertigung reduziert.
Sprachassistenten
Siri und Alexa helfen seit über zehn Jahren in unzähligen Haushalten aus. Sprachassistenten sind längst keine Neuheit mehr. Aber dank verbesserter KI können sie inzwischen viele Sprachen erkennen und kompliziertere Aufgaben erledigen. Die Hotellerie interessiert sich für sie, weil die Sprachassistenten Gästen mit Rat und Tat zur Seite stehen, ohne Personal zu binden. Der Bettenkonzern IHG mit den Marken Holiday Inn oder Crowne Plaza entwickelt mit einem Software-Partner eine sprachunterstützende Technologie, mit der Reisende nicht nur im Zimmer Temperatur und TV steuern, sondern auch Concierge-Dienste und Serviceleistungen beanspruchen können. Und das nicht nur in vielen Sprachen, sondern mit Stimmen, die menschlich klingen.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.