Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Abriss Festungsbauwerk gefunden

Grabungstechniker Uli Mayer hat bei der bisher nur provisorischen Untersuchung interessante Entdeckungen gemacht.
Grabungstechniker Uli Mayer hat bei der bisher nur provisorischen Untersuchung interessante Entdeckungen gemacht.

Vom Landauer Festungspuzzle ist ein gewichtiges Stück wiedergefunden worden: ein Pulvermagazin an der Reitschulgasse. Es lag nur 20 Zentimeter unter der Oberfläche. Und ja, auch von der Reitschul’ hat Grabungstechniker Uli Mayer einen Rest gefunden.

Der Fund des Pulvermagazins 110 war erwartet worden, denn die Landauer hatten beim Schleifen der Festung nur oberflächlich Tabula rasa gemacht. Überraschend ist aber, wie viel von dem Bau noch erhalten ist. Und wie genau der Fund mit alten Plänen des französischen Festungsbaumeisters Vauban übereinstimmt. Grabungstechniker Uli Mayer von der Generaldirektion Kulturelles Erbe war nach dem Abriss einer ehemaligen Tankstelle und Autowerkstatt (später Lokal Kaktus, plus Sonnenstudio im Anbau) an der Ecke Reitschulgasse/Reiterstraße sehr schnell auf die mächtigen Mauern des Pulvermagazins gestoßen. Die sind auf gut 23 mal neun Metern auch sehr vollständig erhalten. Wie erwartet, hat Mayer eine Reihe von „Nasen“ an den Mauern gefunden: rechteckige Vorsprünge, auf denen Strebepfeiler standen. Die hatten eine doppelte Funktion. Sie sollten die ohnehin schon mächtigen Mauern verstärken, und sie trugen Gewölbe, auf denen ein Satteldach auflag. Das sei alles weitgehend so, wie man es von anderen Pulvermagazinen aus der Barockzeit kenne. Mayer hat aber auch massive U-förmige Verstärkungen an allen vier Gebäudeecken gefunden, die so nicht im Plan verzeichnet waren und die offenbar eine Besonderheit darstellen.

Explosion hat halbe Stadt zerstört

Landaus Denkmalpfleger Jörg Seitz berichtet, dass Pulvermagazine sehr massiv ausgeführt worden waren. Denn eine Explosion des heiklen Schwarz- oder Schießpulvers hat in vergangenen Zeiten schon viele Städte zerstört. Eine solche Explosion hatte es auch in Landau mal gegeben – 1794, wie Christine Thelen vom Festungsbauverein berichtete – , und damals waren mehr als 400 Häuser zerstört worden. Daher lagen die Pulvermagazine der jetzt gefundenen Bauart oft tiefer und waren zusätzlich mit einer Umfassungsmauer versehen, um die Druckwelle einer Explosion nach oben abzuleiten und die Nachbarschaft möglichst zu schonen. Wie alle Zweckbauten der Festung lagen sie eher am Rand, zwischen der annähernd rechteckigen mittelalterlichen Stadt und dem sternförmigen Hauptwall.

Gleich nebenan auf der Baustelle hat Mayer auch eine weitere Mauer gefunden: Sie gehörte zur Reitschul’ oder Manege, womit aber weder keine Kirmesbelustigung noch ein Zirkus für Kinder gemeint ist, sondern eine Reithalle des Militärs. Die Mauern des Pulvermagazins bestehen nach Angaben des Grabungstechnikers aus schwarzem Gestein, vermutlich Basalt aus Albersweiler, das aber mit Sandstein verkleidet war. Der Grund dafür ist noch unklar. Vielleicht sei darum gegangen, Feuchtigkeit vom Pulver fernzuhalten. Als weiteres Baumaterial fanden sich große Backsteine, wie sie für den Festungsbau verwendet wurden.

Bloß nicht rauchen

Laut Thelen, die eine alte Zeitungsmeldung aus dem „Eilboten“ gefunden hat, wurde die im Magazin gelagerte Munition 1866 in andere Pulvermagazine gebracht. Die Landauer wurden ermahnt, sich mit Pfeifen und Zigarren fernzuhalten. Im Folgejahr sei das Magazin abgerissen worden. Auf einem der gerade vom Stadtarchiv digitalisierten Stadtpläne sind Magazin und Reithalle verzeichnet.

David Hissnauer, Gebietsreferent der GDKE, bezeichnete die Zusammenarbeit mit den Investoren, die auf dem Grundstück etwas Neues errichten wollen, als sehr gut. Die GDKE habe ausreichend Zeit für ihre Voruntersuchung bekommen. Mehr sei es noch nicht, so Hissnauer. Ob eine sorgfältige archäologische Untersuchung nötig wird, hängt davon ab, wie sehr der Bauherr in die Funde eingreift. Die komplette Festung einschließlich ihrer unterirdischen Teile steht seit 2017 unter Denkmalschutz. Bei weitgehenden Eingriffen in die Substanz müsste der Bauherr die archäologische Untersuchung bezahlen.

Investor will Funde schonen

Zum ersten Mal mit den Funden konfrontiert wurde auch Eduard Richert, Geschäftsführer der Masterground Project GmbH, Germersheim, die auf dem Areal Wohnungen und eine Gewerbeeinheit errichten will. „Das Risiko war uns bewusst“, sagt Richert. Daher sei von Anfang an auf eine Tiefgarage verzichtet worden. Fahrzeuge sollen in einem ebenerdigen Parkdeck untergebracht und die Wohnungen darüber angeordnet werden. Ob es mit einer einfachen Bodenplatte über den Funden getan sei oder man tiefer gründen müsse, werde jetzt mit dem Landauer Architekturbüro Hausgemacht geprüft.

Pulvermagazine ähnleten ein wenig Kirchen.
Pulvermagazine ähnleten ein wenig Kirchen.
Auf einem Stadtplan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Stadtarchiv sind Pulvermagazin und Reithalle verzeichnet (rech
Auf einem Stadtplan aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Stadtarchiv sind Pulvermagazin und Reithalle verzeichnet (rechts unten, zwischen Wall und Stadt).
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