Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Ungewissheit im Grund soll Gebäude in Königstraße weichen

Der Bau ist ein Fremdkörper am Eingang zur Königstraße.
Der Bau ist ein Fremdkörper am Eingang zur Königstraße.

Der bunkerähnliche Klotz an der Ecke König-/Reiterstraße in Landau kommt weg. Jahrelang war die Entwicklung dieses Grundstücks am Kreisel blockiert, die Eigentümer haben sich die Zähne daran ausgebissen. Nun traut sich der neue Besitzer an etwas Neues.

Das Gebäude passt nicht in die Innenstadt. Seit vielen Jahren schon ist es vielen Landauern ein Dorn im Auge. Armin Schowalter, für die SPD im Stadtrat, hatte Anfang 2016 auf Facebook eine öffentliche Debatte dazu angestoßen. Schon damals wurmte den Mann, dass aus dem Bau nichts gemacht werde. Vor dem Krieg war es eine Tankstelle, später logierten dort Kneipen, etwa das „Kaktus“. Es folgten unter anderem ein mediterranes Restaurant und ein Tattoo-Studio. Seit 2016 steht der Bau leer. Auch das Sonnenstudio im hinteren Bau ist Ende 2018 ausgezogen. Nur noch ein Plakat mit der Aufschrift „Günstig bräunen zum Club-Tarif“ kündet vom früheren Glanz.

Der Eigentümer möchte den gesamten Komplex auf dem 4000 Quadratmeter großen Areal abreißen. Schon einmal, im Herbst 2018, hieß es, der Klotz werde abgerissen. Wegen eines Neubaus führe die Verwaltung vielversprechende Gespräche in unterschiedliche Richtungen, erzählte Oberbürgermeister Thomas Hirsch damals. Die Stadt hat nicht nur ein städtebauliches Interesse an dem „Fast-Filet“-Stück, als das der damalige CDU-Politiker Rudi Eichhorn die Ecke bezeichnete. Die Stadt ist selbst Grundstückseigentümerin. Ihr gehören die angrenzenden 680 Quadratmeter zur Weißquartierstraße hin, die als Parkplatz genutzt werden.

Den unbefestigten Platz hatte die Stadt als Reserve für mögliche Pläne des Landes zum Ausbau der Justiz in der Hinterhand. Denn der Justizpalast in der Nachbarschaft platzt aus allen Nähten. Doch das Land verfolgt mittlerweile andere Pläne: Es prüft, ob ein Umbau im Haus die Räume effizienter nutzen lässt. Die Stadt will auch über den Verkauf der Anwesen 3 und 5 in der Friedrich-Ebert-Straße mit sich reden lassen. Sie müsste dann die 125 Büroarbeitsplätze der vier Ämter anderswo unterbringen. Der geschotterte Parkplatz bleibt noch in Reserve, falls das Land im Gerichtsgebäude umbauen möchte und eine Ausweichfläche für einige Büros braucht.

Zur Einordnung: Die Ecke hat eine große städtebauliche Bedeutung. Da es aber für diesen Bereich keinen Bebauungsplan gibt, der die Gestaltung und Nutzung regelt, hat die Stadt keinen Einfluss. Es gilt nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches nur das „Einfügegebot“, das heißt, der Planer muss sich an der Bauweise des Umfelds orientieren, also am ehemaligen Versorgungsamt und dem Vauban-Haus gegenüber. Das würde hohe Gebäude und dichte Bebauung erlauben, die der kleinteiligen historischen Bauweise im anschließenden Umfeld nicht gerecht wird. Zumindest war das vor Jahren die Haltung der Stadtverwaltung, als die Eigentümergemeinschaft ihre Vorstellungen konkretisierte.

xxxxxxxxx

Bauamtschef Christoph Kamplade umriss 2018, wie er sich einen Neubau vorstellen könnte: durchaus fünf bis sechs Stockwerke an der Kreuzung zum Kreisel, die im hinteren Teil auf drei bis vier Geschosse und weiter auf zwei Geschosse gestaffelt werden sollten. Platz für kleinflächige Läden, Gastronomie, Büros im Erdgeschoss, Wohnungen darüber. Aus diesem Grund trug sich das Bauamt damals mit dem Gedanken, einen Bebauungsplan aufzustellen. Dazu kam es nicht.

Die Grundstücke wurden im Sommer 2019 verkauft. Zerschlagen hatten sich die Pläne der Eigentümergemeinschaft, weil eine Unbekannte im Boden lauert. Von einem Pulvermagazin ist die Rede, so groß wie das halbe Grundstück. Davon wussten die Eigentümer nichts, schon gar, nicht, dass die Relikte unter Denkmalschutz stehen. Die Erbengemeinschaft wollte das Risiko nicht eingehen, erst abzureißen und dann feststellen zu müssen, dass eine Tiefgarage wegen des historischen Gemäuers im Grund nicht möglich sein. Ein Neubau ohne Tiefgarage aber sei heute nicht mehr denkbar, sagte damals der Sprecher der Eigentümer, Hubert Roth.

Die beiden Grundstücke haben mittlerweile erneut den Besitzer gewechselt. Das Mannheimer Unternehmen CCZ Grundbesitz soll sie verkauft haben an jemanden aus dem Umkreis von Landau. Laut Stadtverwaltung beabsichtigt der Eigentümer, noch in diesem Jahr mit den Abriss- und Freilegungsarbeiten zu beginnen. Er möchte ein Wohngebäude mit Handel, Büros oder Praxen im Erdgeschoss errichten. Was wie möglich ist, wird sich letztlich erst zeigen, wenn die Mauerreste im Grund freigelegt sind. Erst dann weiß man, was wo schlummert und wie weiter vorgegangen werden muss. Das betrifft auch die Frage nach einer Tiefgarage.

Der neue Investor will nach Paragraf 34 bauen, informiert die Verwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ. Daher sei jetzt kein Bebauungsplan für das Areal notwendig. Das Bauamt sieht heute keine Notwendigkeit, planerisch einzugreifen. Für den Abriss braucht der Investor keine Genehmigung, er muss sich nur der Behörde abstimmen, besonders mit dem Denkmalschutz.

Der Bau wurde 1930 von Wilhelm Müller gekauft. Wie Hubert Roth, Enkel des Käufers, der RHEINPFALZ vor drei Jahren berichtete, befand sich auf dem Grundstück eine Reithalle. „Diese Reithalle hat wohl nichts mit der historischen Reithalle zu tun, deren Reste gemäß den alten Plänen der Stadt Landau auf dem städtischen Grundstück vermutet werden“, so Roth damals. Auf jeden Fall hat der Großvater im Gebäude die Zentralgarage Müller errichtet. Dort wurden Fahrzeuge von Borgward, später von VW vertrieben und gewartet. Der Enkel erinnert sich: Unter dem Ersatzteillager in dem kubusförmigen Bau war eine Tankstelle. Dahinter schlossen sich die Autowerkstatt von Wilhelm Müller und Werkstattgruben an. Ebenso Büros und Garagen.

Vom Grundstück aus blickt man auf das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung und das Arbeitsgericht links daneben.
Vom Grundstück aus blickt man auf das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung und das Arbeitsgericht links daneben.
x