Arzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Alte K3 soll Radweg werden

Das war einmal eine Kreisstraße: die alte K3 zwischen Arzheim und Ranschbach.
Das war einmal eine Kreisstraße: die alte K3 zwischen Arzheim und Ranschbach.

Eine vor Jahren stillgelegte Straße zwischen Arzheim und Ranschbach soll eine wichtige Achse im Radwegekonzept Landaus werden. Ein Komplettabriss kommt aus Kostengründen kaum infrage: Der Asphalt ist teerhaltig und müsste aufwendig entsorgt werden.

Wenn dem einsamen Wanderer auf der ehemaligen Kreisstraße 3 zwischen Arzheim und Ranschbach ein Wolf über den Weg laufen würde, wäre er vermutlich gar nicht mal so sehr erstaunt: Das kümmerliche Sträßchen sieht aus, als läge es auf irgendeinem Truppenübungsplatz am Ende der zivilisierten Welt und wäre von Panzern in Grund und Boden gefahren worden – ein ideales Rückzugsgebiet also für Isegrim und seine Familie. Und doch ist das Sträßchen nicht vergessen. Allerdings scheint das Thema auch nicht die allerhöchste Dringlichkeit im Rathaus zu genießen.

Zuletzt hatte ein Arzheimer Paar in zwei Leserbriefen („Warum lässt man sich das gefallen?“ vom 27. Juni und „Mensch und Tier etwas zurückgeben“ vom 11. Juli) auf den scheinbar vom Radar der Behörden verschwundenen Flecken Verkehrsinfrastruktur hingewiesen und sich Gedanken gemacht, wie man sinnvoll damit umgehen könnte. Bei Wolfgang Klein, dem Arzheimer FWG-Fraktionsvorsitzenden, rennen sie damit offene Türen ein. Denn die örtlichen Freien Wähler arbeiten zusammen mit der SPD schon lange an dem Thema.

Trasse für Radler

Beide würden die Straße gerne zur Allee umgestalten, vor allem aber kostengünstig als Rad- und Fußweg ausbauen und ins Konzept der Stadt integrieren, das Radwege von der Landauer Innenstadt zu allen Stadtdörfern und darüber hinaus ins Kreisgebiet vorsieht. Bezahlen könnte man dies mit den Fördermitteln des Landes, die nach Angaben des Beigeordneten Lukas Hartmann (Grüne) beantragt werden. Der Weg wäre auch touristisch interessant, da er eine Verbindung zur Weinstraße darstellen würde, so Klein.

Letzteres hält auch die Stadtverwaltung für sehr attraktiv, nicht nur für Touristen. Auch für die Bewohner Birkweilers, Ranschbachs und Leinsweilers könnte so eine sehr attraktive Anbindung an Landau geschaffen werden. Die Stadt erwägt daher, die Strecke 2023 für das Förderprogramm Stadt-Land anzumelden, um eine durchgängige, vom motorisierten Verkehr unabhängige, asphaltierte Verbindung vom Pfälzerwald zur Weinstraße zu schaffen. Künftig könnte die Strecke beispielsweise durch das Ranschbachtal Richtung Godramstein verlängert werden. Den Aufwand hält die Stadt für vertretbar, es müsste lediglich eine neue Deckschicht aufgebracht werden.

Asphalt wäre Sondermüll

Eine komplette Renaturierung scheide dagegen eher aus: Die alte K3 bestehe aus einem nur schwer – und teuer – zu entsorgenden Material. Es handelt sich um teerhaltiges Material und damit um gefährlichen Abfall, der über die Sonderabfall-Management-Gesellschaft des Landes entsorgt werden müsste. Bei 9000 Quadratmeter Fahrbahn (4,50 Meter Breite, rund zwei Kilometer Länge) würde der Rückbau rund 250.000 Euro kosten, wovon allein 200.000 Euro auf die Entsorgung entfallen würden. Wohlgemerkt: Das Material muss nicht ausgebaut werden. Es geht nicht per se eine Gefahr von ihm aus. Es dürfte unter besonderen Sicherungsvorkehrungen sogar wieder eingebaut werden, wenn beispielsweise sichergestellt ist, dass es nicht ausgewaschen oder durchwurzelt wird.

Allerdings: Der Oberbau der Fahrbahn sei zwischen zwei und 16 Zentimeter dick und in desolatem Zustand. Das würde dann auch die Ausbaukosten in eine ähnliche Höhe treiben wie beim Rückbau, teilt die Stadt weiter mit. Aber dann hat man zumindest einen Mehrwert.

Spielen die Winzer mit?

In einem Aufwasch würde die Stadt dann auch gerne noch eine Baumallee an der alten K3 anlegen, die auch auf das Ökokonto einzahlen würden. Bedenken, dass der Weg den Winzern fehlen würde, teilt die Stadt nicht: Es gebe zwei parallel verlaufende landwirtschaftliche Wege.

Die Stadt will das Thema nach der Sommerpause im Ortsbeirat und im Mobilitätsausschuss behandeln lassen. Wie sich die örtlichen Winzer zu dem Thema stellen, bleibt abzuwarten. An anderer Stelle des Stadtgebietes hatte es Klagen aus ihren reihen gegeben, weil sie befürchtete, durch den Radverkehr bei ihrer Arbeit behindert zu werden. Bei der K3 war in der Vergangenheit auch schon das Argument zu hören, dass es sich um Winzerland handele, das für den Straßenbau genutzt worden sei und wieder an die Winzer zurückfallen müsse, wenn die Straße nicht mehr benötigt werde.

x