ARZHEIM / RANSCHBACH RHEINPFALZ Plus Artikel Die alte Kreisstraße 3 ist gut fürs Öko-Konto

Die gesperrt Verbindung von der Stadt an die Weinstraße.
Die gesperrt Verbindung von der Stadt an die Weinstraße.

Die Kreisstraße 3 zwischen Arzheim und Ranschbach fristet ein tristes Dasein. Seit über zwei Jahrzehnten geht die Straße vor die Hunde. Jetzt soll sie ganz weg. So mancher verspricht blühende Landschaften. Dabei hat sie das Zeug zur Teststrecke.

Die K 3 ist die kürzeste Verbindung zwischen Arzheim und Ranschbach. Zwei Kilometer lang, ist die Passage aber keine reine Freude. „Die ist so desolat, da muss man damit rechnen, dass man selbst auf dem Traktor umfällt.“ So drückt es Klaus Kißel, der Ortsvorsteher von Arzheim aus. Schließlich sind Landwirte die einzigen, die dort überhaupt noch fahren dürfen – weil sie Anlieger sind.

Die Kreisstraße 3 ist seit über 20 Jahren für den Verkehr gesperrt. Und eine Kreisstraße ist sie auch nicht mehr. Der Landauer Stadtrat hat sie im Jahr 2015 zum Wirtschaftsweg degradiert und „eingezogen“. Der formale Begriff bedeutet, dass das Land keinen Unterhalt mehr zahlen möchte für die einst klassifizierte Straße, erläutert Ricarda Bodenseh von der Pressestelle der Stadt.

Daimler freut sich

Genau das ist der springende Punkt. Weil die Stadt schon damals kein Geld in diese Verbindung stecken wollte, verrottete sie zusehends. Omnibusse durften zeitweise noch fahren. Während die Bürger schimpften und maulten, rieb sich einer begeistert die Hände. „Keine Straße ist so schön schlecht wie diese“, freute sich der damalige Chef der Qualitätsabteilung von Daimler in Wörth.

Die K 3 bot ideale Voraussetzungen als Teststrecke. Um herauszufinden, welche Einzelteile an den nagelneuen Brummis zu locker sitzen. In der RHEINPFALZ hieß es im März 2000: „Die Straße erinnert in ihrem Zustand an weniger blühende Landschaften im Osten unseres Vaterlandes, vielleicht an die Verbindung von Eisenhüttenstadt zum Kombinat Schwarze Pumpe zur Zeit der Herrschaft Honeckers.“

So ging der Stern des Weltkonzerns über der Kreisstraße auf. Doch nach zweieinhalb Wochen war der Lack ab. Die Stadt Landau musste im Gemeinderat Ranschbach wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Sie werde unglaubwürdig, wenn sie die Straße mit Hinweis auf Fahrbahnschäden und fehlende Verkehrssicherheit sperre, sie dann aber als Lkw-Teststrecke freigebe und damit zusätzliche Schäden in Kauf nehme. Die 7000 Mark, die Landau von Daimler-Chrysler bekommen haben soll, müssten für die Sanierung investiert werden. Das juckte die Stadtoberen nicht. Hunderttausende Mark wären nötig, um diese Buckelpiste wieder fit zu bekommen, hieß es damals.

Wilde Müllablagerungen

Es sollte weitere fünf Jahre dauern, bis sich wieder ein Gremium öffentlich mit dem Thema befasste. Erneut hagelte es Kritik an der Landauer Verwaltung. Im Ortsbeirat Arzheim keimte der Verdacht, die Stadtspitze habe gar kein Interesse daran, die Straße zu sanieren. Auf jeden Fall wollten die Arzheimer nicht den Schwarzen Peter behalten und den landwirtschaftlichen Verkehr aussperren. Sie beantragten Mittel für eine grundlegende Sanierung. Es kam anders. Die Straße löst sich langsam auf.

Heute plädieren die Arzheimer für die Renaturierung der Holperstrecke. Ortsbeiratsmitglied Alexander Hieb (SPD) beklagt immer wieder wilde Müllablagerungen. Der Forst nutzt die Brache zur Zwischenlagerung von Käferholz. Und die Baufirma, die seit einem Jahr die Arzheimer Hauptstraße ausbaut, hat Baumaschinen und -material dort geparkt.

Alte Sorten pflanzen

Sozialdemokraten und Freie Wähler im Arzheimer Ortsbeirat haben die Renaturierung beantragt. Wie Wolfgang Klein (FWG) im Rathaus erfahren haben will, sollen 250 Bäume gepflanzt werden. Die FWG wünscht sich alte Sorten. Die SPD sieht darin eine gute Kombination mit dem geplanten Ausbau des Sportplatzes. Dort könnten dann zwei oder drei Wohnmobilstellplätze angelegt werden, meint Hieb.

Die Stadtverwaltung spielt diesmal mit, kommt doch die renaturierte Strecke dem Öko-Konto der Stadt zugute. Der entscheidende Satz in der Mitteilung der Pressestelle lautet: „Die Fläche kann später als Ausgleichsfläche für andere Maßnahmen genutzt und so auch refinanziert werden.“ Derzeit würden Angebote für ein Bodengutachten eingeholt.

Im Jahr 2000 testete das Wörther Daimler-Werk die Qualität der Brummis.
Im Jahr 2000 testete das Wörther Daimler-Werk die Qualität der Brummis.
So sah die Straße im September 2002 aus.
So sah die Straße im September 2002 aus.
Das ist die Strecke heute aus der Vogelperspektive.
Das ist die Strecke heute aus der Vogelperspektive.
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