Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Verkehrswende: Feldwege sollen zu Fahrradstraßen werden

Die Wege sind in einem teils sehr schlechten Zustand, zum Beispiel dieser bei der Autobahn in Richtung Mörlheim.
Die Wege sind in einem teils sehr schlechten Zustand, zum Beispiel dieser bei der Autobahn in Richtung Mörlheim.

Radfahrer und Landwirte teilen sich Feldwege in und um Landau. Einige sind nicht asphaltiert, andere in einem erbärmlichen Zustand. Das soll sich verbessern – indem die Wege zu Radstraßen werden.

Die Stadt Landau will Radwege in die Stadtdörfer und Verbindungswege zu den Gemeinden im Kreis Südliche Weinstraße schaffen. Weil der komplette Neubau zu aufwendig ist, sollen Wirtschaftswege auf Vordermann gebracht werden. Zunächst, so der Plan, werden Wege im Südosten des Stadtgebiets ausgebaut und instandgesetzt, sagt Mobilitätsdezernent Lukas Hartmann (Grüne).

Die genaue Planung umfasst acht Wege. Asphaltiert werden sollen die Schotterwege Richtung Herxheim und Insheim, das Teilstück zwischen dem Aussichtsturm auf dem früheren LGS-Gelände und der Straße Am Birnbach, der Schotterweg zwischen Gewerbepark und A65 sowie der Weg Richtung Offenbach am Mörlheimer Sportplatz. Instandgesetzt werden sollen der Asphaltweg von Mörlheim Richtung Herxheim sowie das asphaltierte Teilstück des Wegs vom Aussichtsturm im Südpark Richtung Am Birnbach.

Stadt macht in der Regel nur Schlaglöcher

Die Stadt habe bisher viel für die Rad-Infrastruktur in der Innenstadt, aber wenig in den Stadtdörfern getan, sagt Hartmann. Das wolle er nun zunächst im Südosten in Absprache mit den Ortsvorstehern und den Vertretern des Bauern- und Winzerverbands von Mörlheim und Queichheim angehen. Ein Problem sei aber die Finanzierung.

Bisher geht es um Feldwege. Sie sind auch für die Nutzung von Radfahrern freigegeben. Aber Instandsetzungen müssen aus den Feldwegebeiträgen bezahlt werden, erklärt Hartmann. Die von den Bauern und Winzern zu bezahlenden Beiträge seien zu niedrig: Sie brächten rund 15.000 Euro pro Jahr, das reiche für 70 Meter Feldweg – bei 400 Kilometer Feldwegen auf Landauer Gemarkung. „Deshalb machen wir in der Regel nur Schlaglöcher, eine grundanständige Erneuerung ist nicht drin.“ Nun liege aber ein Lösungsvorschlag vor.

Künftig werden Radler Vorrang haben

Die Wege, die die Stadt nun angehen will, sollen umgewidmet werden, wie es im Amtsdeutsch heißt. Aus den Feldwegen, die für Radfahrer frei sind, sollen innerhalb bis Ende 2022 Fahrradstraßen werden, die für den landwirtschaftlichen Verkehr offen sind. Somit kann die Stadt Geld aus dem Radwege-Budget für die Reparatur einsetzen – und Bundesförderung bekommen. Die Verwaltung geht von 500.000 Euro für die Sanierung aus – 50.000 Euro davon kommen aus Landau, den Rest trägt der Bund. In der Folge ist dann auch der laufende Unterhalt – bis hin zum Winterdienst – Sache der Stadt. Hartmann rechnet damit, dass auch 2023 wieder 500.000 Euro zur Verfügung stehen werden und abermals drei bis vier Dörfer radwegetechnisch angebunden werden können.

Das bedeutet dann natürlich auch, dass sich die Rechtslage ändern wird. Künftig werden wohl die Radfahrer Vorrang vor den Landwirten haben. Hartmann bittet die Radler darum, auch Verständnis für die Belange der Landwirte zu haben – und alle Beteiligten um Rücksicht aufeinander. „Gerade zur Erntezeit kommt es für Landwirte oft auf jede Minute Tageszeit an. Radfahrer können Landwirte gerne mal kurz vorbeilassen“ – also den Weg räumen und kurz neben der Fahrbahn warten.

Der Mobilitätsausschuss war ganz überwiegend angetan von den Plänen. Es gab nur zwei Enthaltungen. Nachfragen oder Verbesserungsvorschläge gab es lediglich in Details. Dazu gehörte beispielsweise die Frage, ob eine solche Regelung nicht gefährlich sei und ob wirklich alles asphaltiert werden müsse. Hartmann antwortete, dass keine Unfälle mit Beteiligung von Radlern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen bekannt seien. Ralf Bernhard, Leiter der Abteilung Mobilität, sagte, dass nur bisher schon asphaltierte oder betonierte Wege asphaltiert werden sollten. Wassergebundene Decken wären für Radler zwar auch möglich, würden aber von bis zu 40 Tonnen schweren landwirtschaftlichen Maschinen schnell beschädigt.

In Neustadt werben Schilder für die gegenseitige Rücksichtnahme von Landwirten und Radfahrern.
In Neustadt werben Schilder für die gegenseitige Rücksichtnahme von Landwirten und Radfahrern.
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