Die Wochenend-Meinung Warum es gut und richtig war, den Martins-Ritt in Bechhofen nun doch zu erlauben
„Eine starrköpfige Prinzipientreue ist der Kobold kleiner Geister.“ Das schrieb der amerikanische Schriftsteller Ralph Waldo Emerson vor 180 Jahren. Was er damit meinte: Es ist falsch, stumpfsinnig an etwas festzuhalten, nur weil man das schon immer so getan hat oder nur weil man seine Meinung nicht ändern möchte. Ich mag den Spruch, und ich musste diese Woche wieder öfter daran denken.
Vor einer Woche habe ich in der Zeitung mit meinem Kollegen Andreas Sebald darüber diskutiert, ob es richtig war, dass die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land den Martinsritt in Bechhofen abgesagt hat, obwohl er nicht gegen die Corona-Bestimmungen verstieß. Ich hielt das für richtig: Er war als Martinsumzug angemeldet, und wenn die alle ausfallen, trifft das auch Bechhofen. Gerade weil es manchmal unübersichtlich ist, was erlaubt ist und was verboten, und weil das Ordnungsamt eine klare Linie fahren muss.
Mitte dieser Woche nun die Kehrtwende: Britta Grötsch und ihre Helfer dürfen doch durchs Dorf reiten, während die Kinder ihre Laternen aus dem Fenster halten. Na, wie find’ ich denn das jetzt? Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln? Schwankendes Rohr im Wind? Hat Verbandsbürgermeister Björn Bernhard da einfach klein beigegeben, weil ihm auf Facebook ganz schön heftiger Gegenwind ins Gesicht blies?
Nein. Nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte, haben sich die Beteiligten noch mal zusammengesetzt und geschaut, um was es genau geht und ob das trotz der Corona-Beschränkungen möglich ist. Das tut es. Deshalb ist es gut und richtig, dass der Verbandsbürgermeister und sein Ordnungsamt nicht aus starrköpfiger Prinzipientreue an ihrer ursprünglichen Entscheidung festgehalten haben. Dass sie gemeinsam mit den Veranstaltern eine Lösung gesucht und gefunden haben.
Was überdies toll ist: dass es in anderen Dörfern – darunter Bottenbach, Dellfeld, Kleinsteinhausen, Reifenberg, Rieschweiler-Mühlbach und die Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau – ähnliche Aktionen gibt, um den Kindern zum Martinstag eine kleine Freude zu bereiten. Und das nicht, indem versucht wird, die Corona-Auflagen irgendwie trickreich zu umgehen, sondern ganz einfach im Rahmen dessen, was erlaubt ist.