Bechhofen Weil alle Umzüge ausfallen, darf Sankt Martin auch nicht alleine durchs Dorf reiten
Britta Grötsch wollte mit zwei Helfern und drei Pferden am 10. November als Sankt Martin alle Straßen der Ortsgemeinde abreiten. Die Kinder sollten an den Fenstern ihre Laternen zeigen und den Reitern zuwinken. Britta Grötsch wohnt in Homburg, hat aber in Bechhofen ihre Pferde stehen, mit denen sie therapeutisches Reiten anbietet. Auf die Idee, einen ganz besonderen Martinsumzug anzubieten, kam sie durch einen Ponyhof im Saarland, der eine ähnliche Aktion plant. Auf der Facebook-Seite ihrer Praxis hat sie die Idee vorgestellt, der Beitrag wurde bis Donnerstagnachmittag weit über 100-mal geteilt, bekam fast 250 Likes und 40 lobende Kommentare. „Die Resonanz war riesig“, sagt sie.
Am Abend vor dem Martinstag, am 10. November, wollte sie auf ihrem Pferd Wilma als Sankt Martin verkleidet durch Bechhofens Straßen reiten. Da wegen Corona kein richtiger Umzug stattfinden kann, sollten die Kinder mit ihren Laternen einfach zuhause bleiben und dem Reiter in den Straßen zuwinken. Folgerichtig hat Grötsch die Aktion auch „Ich wink’ mit meiner Laterne“ überschrieben.
Weil Bechhofen viele Straßen hat, und ein Ritt eines einzelnen Sankt Martin zu lange dauern würde, hat sich Grötsch noch zwei Mitstreiter gesucht. Ihre Tochter Nele wollte auf Pony Charlie einige Straßen übernehmen, ebenfalls mit dabei war der Sohn einer Freundin, Matheo Winter, der das Mini-Pony Pepper durch weitere Straßen führen wollte. Los sollte es um 17.30 Uhr gehen, Grötsch schätzte, dass das Trio rund zwei Stunden in Bechhofens Straßen unterwegs sein würde.
Grötsch hatte, wie sie erzählt, ihren Plan auch mit Bürgermeister Paul Sefrin sowie den Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land abgesprochen. Die hätten keine Einwände gehabt, wohl aber darauf hingewiesen, dass niemand hinter den Pferden herlaufen darf, Stichwort Abstand und die Corona-Regelungen für Treffen im Freien. „Die Menschen sollen einfach in ihren Häusern bleiben und mit ihren Laternen den Reitern zuwinken“, erklärt Grötsch die Idee.
Daraus wird nun aber doch nichts: Laut Verbandsbürgermeister Björn Bernhard haben sich die Bürgermeister im Kreis darauf geeinigt, wegen der Corona-Pandemie alle Martinsumzüge abzusagen. Darunter falle auch der Bechhofer Umzug, auch wenn Bernhard einräumt: „Rein theoretisch hätte das stattfinden können.“ Er sei froh um alles, was die Leute derzeit „an etwas anderes denken lässt als an Corona“, sagte er. Aber weil es eben ein Martinsumzug sei, falle er aus – auch wenn drei einzelne Reiter nicht unter die Corona-Auflagen fallen.