Kreis Südwestpfalz
Contwig: Drittklässer ziehen von Stambach in die IGS, Erstklässer vom Rathaus nach Stambach
Die Contwiger Grundschüler müssen wieder umziehen. Diesmal neben den Erstklässern auch die Drittklässer. Umziehen müssen dann auch 7500 Bücher der Gemeindebücherei, die erst vor einer Woche ins Obergeschoss gebracht wurden. Der Elternsprecher hofft unterdessen auf eine ganz andere Lösung.
Ab 7. Januar, dem ersten Tag nach den Weihnachtsferien, werden die beiden dritten Klassen in der IGS Contwig unterrichtet – „in zwei nahe beieinander liegenden gut ausgestatteten Räumen“, wie die Schule den Eltern am Donnerstag in einem Elternbrief mitgeteilt hat. Die beiden ersten Klassen, 1a und 1b, ziehen dann nach Stambach in die frei werdenden Räume. In Stambach wird derzeit auch die 1c unterrichtet. Schulleiter Peter Schmidt war am Freitag nicht mehr zu erreichen. Die Schule habe sich „nach verantwortlicher Abwägung aller pädagogischen Aspekte“ für diese Lösung entschieden, heißt es in dem Elternbrief. Die Lösung sei vorläufig, biete aber für längere Zeit die Sicherheit, dass alle Schüler in angemessenen Räumen unterrichtet werden. Im Elternbrief heißt es zudem: „Bitte richten Sie alle Mitteilungen und Klagen zur Raumsituation schriftlich über unser Sekretariat an die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Wir werden diese Schreiben gesammelt an den Herrn Verbandsbürgermeister weitergeben.“
Der Elternsprecher hätte gerne Container in Stambach
Schulelternsprecher Markus Heinrichs hält es auch für besser, die Kinder in einer Schule zu unterrichten als in einem Rathaus. Über die IGS sagt er: „Das ist eine der modernsten Schulen, die haben uns alles gegeben, was wir brauchen.“ Die Frage sei gewesen, welche Klassen man in die IGS schickt. Die Erst- und Zweitklässer seien noch zu klein, die vierte sei Inklusionsklasse, und man hätte einen dritten Raum gebraucht. So sei die Wahl auf die dritten Klassen gefallen. Die würden ab Januar vier Stunden an der IGS unterrichtet, dann zur fünften Stunde und zum Ganztagsunterricht nach Stambach gebracht.
Heinrichs hofft unterdessen auf eine ganz andere Lösung: Er schlägt vor, Container zu mieten, die dann in Stambach aufgestellt werden. Diese Idee zeigt auch, dass er nicht mit einer schnellen Lösung des Problems rechnet: Erst müsse das Gutachten vorliegen, dann müsse der Verbandsgemeinderat tagen, dann müsse ein Bauantrag gestellt werden, dann müsse ein Fundament gebaut werden, und die Container müssten bestellt und geliefert werden. Bis dahin ist Sommer, und bis zu den Sommerferien gelte auch die Zusage, dass die Grundschule zwei Räume der IGS nutzen kann.
Dass die Verbandsgemeinde der Schule zwei Räume an der IGS zugewiesen hat, wie es in dem Elternbrief heißt, sei richtig, sagt Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker. Die weiteren Entscheidungen, welche Klassen wo unterrichtet werden, seien Sache der Schule. Hintergrund des Ganzen ist, dass es in Contwig dieses Jahr so viele neue Schüler gab, dass drei erste Klassen gebildet werden mussten. Für die 1c war kein Platz, weshalb die Verbandsgemeinde einen ehemaligen Turnraum im Keller umbauen ließ. Dort fanden sich aber Schimmelsporen, weshalb der Saal nicht genutzt werden kann. Die 1c wird deshalb im Stambach unterrichtet, die 1a und die 1b zogen ins Rathaus.
Die Sache zieht sich länger hin als gedacht
Weil spätere Messungen erneut Schimmelsporen ergaben, hat die Verbandsgemeinde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das im Januar vorliegen soll. Außerdem werden die Mauern freigelegt und getrocknet. 100 000 Euro stehen dafür im Haushalt der Verbandsgemeinde. Das Contwiger Schulgebäude ist seit Mitte November gesperrt. Wann es wieder freigegeben wird und wann auch der Kellerraum als Klassenzimmer genutzt werden kann, ist offen. Die Sache zieht sich somit länger hin als zunächst gedacht. Dass die 100 000 Euro reichen, bezweifelt Elternsprecher Heinrichs nach einem Gespräch mit dem Sachverständigen.
Das Rathaus sei nur eine Übergangslösung gewesen, sagt Bürgermeister Gundacker. Die Genehmigung vom Kreis, die Räume im Obergeschoss zu nutzen, habe nur für 14 Tage gegolten. Zudem hat der Kreis moniert, dass die Anforderungen an den Brandschutz im ersten Stock nicht erfüllt seien, weil eine Fluchttreppe fehle. Die Kinder zogen zu Beginn der Woche in die Gemeindebücherei. Diese Räume wurden eigens freigeräumt. 7500 Bücher und andere Medien wurden laut Büchereileiterin Heidrun Hiller im Obergeschoss zwischengelagert.
Wann Contwig wieder freigegeben wird, lässt sich nicht abschätzen
Laut Wilfried Lauer, dem Leiter der Bauabteilung, sind die Büchereiräume aber ebenfalls nicht als Klassenzimmer geeignet. Sie seien mit 40 Quadratmetern zu klein und zudem zu niedrig – 2,75 statt der vorgeschriebenen drei Meter. Solange das Gutachten nicht vorliegt, will er nicht abschätzen, wann das Contwiger Schulgebäude wieder genutzt werden kann. Deshalb habe man sich entschlossen, das Angebot des Kreises anzunehmen, zwei Räume in der IGS zu nutzen, und den Umzug jetzt in die Ferien zu legen. Bürgermeister Gundacker geht davon aus, dass der Kreis der Verbandsgemeinde die Räume kostenlos zur Verfügung stellt. Man habe der Schule schon zu Beginn die IGS als Alternative angeboten, „das kam für die Eltern und die Schulleitung aber nicht in Frage“, sagt Gundacker.
Eine Alternative: das leerstehende Grundschulgebäude in Althornbach. Das würde aber bedeuten, dass die Kinder aus Contwig und Stambach nicht nur zwischen den beiden Ortsteilen pendeln, sondern mindestens zwei Klassen morgens und mittags knapp 15 Kilometer mit dem Bus fahren. Zudem müsste die Buslinie erst noch eingerichtet werden.
Elternsprecher Heinrichs sagt, die Zusage für die IGS sei erst gekommen, nachdem der Umzug bereits vorüber war. Hätte man das früher gewusst, hätte man sich gleich für die IGS entschieden – ebenso, wenn zu Beginn klar gewesen wäre, dass es um mehr geht als nur um eine Übergangslösung. „Die IGS war nach Betrachtung aller Umstände das für die Kinder am wenigsten Fordernde“, findet er.
Die Bücherei wurde erst vor einer Woche leergeräumt
Die Umzüge – auch die der Bücherei – erledigt eine Spedition, teilweise mit Hilfe von Eltern. Wie viel das bisher gekostet hat, konnte Gundacker gestern Mittag nicht sagen. Büchereileiterin Heidrun Hiller ist nicht besonders erfreut, dass sich das ganze Hickhack auch auf die Bücherei auswirkt, die derzeit geschlossen ist. Sie ärgert sich zudem, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Sie will zwar nicht weiter Kritik üben, fragt sich aber, ob das alles notwendig war: „Es hätte sich nur um ein paar Tage gehandelt. Da hat man sich so eine Arbeit gemacht.“ Nun müssten alle Regale wieder aufgebaut und richtig befüllt werden. Sie wird am 7. Januar da sein, falls jemand nach den Feiertagen Bücher zurückgeben möchte, aber die Bücherei bleibt vorerst geschlossen. „Ich werde nicht eher wieder aufmachen, bis das einigermaßen in trockenen Tüchern ist“, sagt sie.