Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Contwig: Grundschule vorerst für mindestens eine Woche geschlossen

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Erboste Eltern: Mit selbstgeschriebenen Schildern ausgerüstet, brachten Mütter und Väter von Contwiger Grundschülern am Morgen ihren Unmut zum Ausdruck. Foto: thof

Nicht hitzefrei, sondern schimmelfrei bekamen am Montagmorgen Erst- und Zweitklässer der Contwiger Grundschule: Schulleiter Peter Schmidt hatte es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken, nachdem in einem Technikraum eine schimmelige Holzplatte gefunden worden war. Am Nachmittag kam es noch dicker.

Contwig. Die Grundschule in Contwig bleibt bis mindestens Anfang nächster Woche geschlossen, nachdem in einem Technikraum erneut Schimmel gefunden wurde. Das Ingenieurbüro Marx hat am Montag im Keller Messungen vorgenommen. Ein unverfälschtes Messergebnis im Erdgeschoss kann aber nur gewährleistet werden, wenn Türen und Fenster in der Schule 24 Stunden geschlossen bleiben. Weil mit den Messergebnissen nicht bis kommende Woche zu rechnen ist, bleibt das Schulgebäude bis dahin vorsorglich geschlossen.

Was das für die Contwiger Kinder bedeutet, war am späten Nachmittag noch unklar. Schulleiter Peter Schmidt forderte die Erst- und Zweitklässer auf, am Dienstagmorgen nach Contwig zu kommen. In einer Mail an die Verbandsgemeinde kündigte er an, dass für den Fall der Sperrung des Schulhauses „pädagogisch zu verantwortende Lösungen gefunden werden“.

Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker rechnet damit, dass das Schulhaus zumindest im Erdgeschoss bald wieder für den Unterricht geöffnet werden kann. Dort wurden im September keine Schimmelsporen gefunden. Trotzdem hat der Verbandsbürgermeister die Verwaltung schon am Montagmorgen aufgefordert zu prüfen, wo die vier ersten und zweiten Klassen unterkommen können. Diese vorerst kurzfristige Verlagerung wird nun schon für diese Woche angestrebt. Darüber hinaus sollen, in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, unabhängige Gutachter in die weitere Analyse eingebunden werden.

Eltern und Kinder protestieren

Der Montagmorgen hatte schon ungewöhnlich begonnen: Still war es rund um das Grundschulhaus in der Maßweilerstraße. Normalerweise füllt es sich ab 7.30 Uhr. Kinder kommen dann von allen Seiten und erzählen sich, was sie am Wochenende erlebt haben. Am Wochenenfang sollte es eigentlich noch ein Stück lebhafter werden. Denn der Klassenraum für die 1c im Untergeschoss sollte endlich eröffnet werden.

Laut den Messergebnissen ist er frei von Schimmel. Doch die 1c ist nun doch in Stambach geblieben. Und den restlichen Eltern der Klassen 1 und 2 wurde die Entscheidung überlassen, ob sie ihre Kinder zur Schule bringen wollen oder nicht.

40 Eltern und Schüler kamen schließlich, um ihrem Ärger Luft zu machen. Statt Schulranzen tragen sie Protestplakate. Zwei fordern: „Schluss mit den Lügen“. Dabei schien sich die Geschichte bis Donnerstag zum Guten gewandt zu haben. Ein Schulbediensteter bereitete das Untergeschoss für den Einzug der 1c in Contwig vor, der schon für den Beginn des Schuljahres vorgesehen war. Doch im Technikraum entdeckt er ein Stück Holz mit Schimmel. Er habe dann, womöglich auf Anweisung, versucht, das Holz vom Schimmel zu befreien, erzählen Eltern. Weil er dafür wohl Wasserstoffperoxid benutzt, erleidet er Verätzungen an den Händen. Wie schlimm die Verletzungen sind, ist noch unklar.

Der Schulelternsprecher ist sauer

Der Ärger bei den betroffenen Eltern ist nun groß. Sie erfahren von offizieller Seite erst spät von dem Unfall. „Meldewege wurden schon wieder nicht eingehalten“, grollt Schulelternsprecher Markus Heinrichs. Diese Meldewege seien nach zwei runden Tischen so beschlossen worden. An diesen saßen neben Eltern und Lehrern auch Vertreter der Verbandsgemeindeverwaltung. Demnach sollten bei erneutem Schimmelbefall das Gesundheitsamt, der Schulleiter und die Eltern informiert werden.

Schulleiter Schmidt bestätigt den Vorwurf des Elternsprechers. Ihn erreichte die erneute offizielle Schimmelwarnung „am Freitag, 13.13 Uhr. Ich habe mir das extra gemerkt und habe gedacht, jetzt schlägt es 13.“ Schmidt wusste aber schon, was passiert war. Weil der Bedienstete ihn nach seinem Unfall um die Herausgabe von Verbandsmitteln gebeten und einen Arbeitsunfall gemeldet habe. „Der wollte eigentlich nur im Erdgeschoss streichen und hat in bester Absicht gehandelt“, will Schmidt dem Angestellten keine Vorwürfe wegen des Unfalls machen.

Infolgedessen habe Schmidt in Rücksprache mit der Schulaufsicht beschlossen, den Eltern die Entscheidung darüber zu überlassen, ob sie ihre Kinder am Montag in den Unterricht bringen wollen. „Ich habe das lange mit der Schulrätin diskutiert. Sie war meine Vorgängerin (Claudia Sahner, Anmerkung der Redaktion), sie kennt die Situation hier richtig gut.“ Dem Angebot seien zum Teil ganze Klassen gefolgt. Diese Kinder wurden entweder im Contwiger Hort untergebracht oder begleiteten ihre Eltern zur Arbeit. Zusätzlich organisierten Mütter und Väter private Betreuungsangebote.

Schulleiter fühlt sich übergangen

Dass Schmidt von wichtigen Entwicklungen zu spät oder aus dritter Hand erfährt, sei nicht zum ersten Mal vorgekommen. Von der ursprünglich geplanten Eröffnung des Raums für die 1c habe er aus dem Hörfunk erfahren. „Das war das erste Mal, dass ich von einem direkten Eingriff in den schulischen Ablauf aus den Medien erfahren habe. Und jetzt habe ich von der verschimmelten Holzplatte von einem Bediensteten erfahren, der noch völlig verunsichert war, ob er mir das sagen soll oder nicht.“

Verbandsbürgermeister Gundacker bestreitet vehement, dass Schmidt die geplante Eröffnung aus den Medien erfahren haben kann. Die Kommunikation sei aus Sicht der Verwaltung gut. Zudem habe er in der Vorwoche in Sachen Klasse 1c in Contwig keinen Pressekontakt gehabt. Die geplante Bekanntgabe der Öffnung des Klassenzimmers an Schmidt sei per Brief erfolgt. „aus der Zentralabteilung, Montag oder Dienstag“. Dass das Untergeschoss gesperrt bleibt, hält Gundacker für richtig. Der Fund der verschimmelten Bodenplatte im dortigen Technikraum entsetzt ihn. Auch die Entscheidung, den Eltern den Schulbesuch ihrer Kinder zum Wochenanfang freizustellen, sei richtig gewesen, stärkt er dem Schulleiter den Rücken.

Schulelternsprecher Markus Heinrichs am Fenster des Klassensaals im Untergeschoss, der wegen Schimmels gesperrt ist.
Schulelternsprecher Markus Heinrichs am Fenster des Klassensaals im Untergeschoss, der wegen Schimmels gesperrt ist. Foto: thof
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