Rieschweiler-Mühlbach
Die Umgehungsstraße hätte 35 Millionen Euro gekostet
Eigentlich sind es gleich drei Probleme auf einmal, die den Höhmühlbachern zu schaffen machen: Die Brücke über die Bahnlinie, die steile und kurvige Stichstraße und die kurvige Ortsdurchfahrt. Dass die Strecke eine wichtige Verbindung von der Sickinger Höhe Richtung Pirmasens ist – und damit zu den Industriegebieten bei Höheischweiler und Petersberg und zur Autobahn – stört die Anwohner. Sie würden gerne die Laster aus ihrem Dorf verbannen und hätten gerne, dass die übrigen Autos langsamer fahren.
Dass das nicht so einfach ist, das wurde am Donnerstagmorgen bei einer Verkehrsschau wieder einmal klar. Um die 20 Vertreter von Gemeinde, Verbandsgemeinde, Straßenbehörde, Landkreis und Polizei waren auf Einladung von Bürgermeister Peter Roschy gekommen. Der fand, es lägen viele Vorschläge auf dem Tisch, nun sei es Zeit, die auch umzusetzen.
Als Landrat Duppré die Hände überm Kopf zusammenschlug
Dass das nicht so einfach ist, wurde gleich klar, als Roschy das Wort an Verbandsbürgermeister Thomas Peifer übergab: „Eine sofortige Lösung wird es nicht geben“, sagte der als erstes. Er erinnerte daran, dass es vor knapp zehn Jahren schon einmal Gespräche über eine Umgehungsstraße gegeben habe, die neben Thaleischweiler-Fröschen und Höhmühlbach auch Höhfröschen entlastet hätte. Als der damalige Landrat Hans Jörg Duppré gehört habe, dass die 35 Millionen Euro kosten würde, habe er „die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“.
Nun müsse man eben schauen, was machbar wäre und in welcher Reihenfolge. „Wir können ja nichts vom Himmel fallen lassen“, sagte Peifer, der einräumte, dass es viele Beschwerden gebe. Er erinnerte daran, dass ein Teil der Pirmasenser Straße sowieso zur Baustelle wird, weil dort die Wasserleitung erneuert werden muss. Mit einer neuen Asphaltdecke lasse sich zumindest das Lärmproblem etwas mindern. Dazu komme aber, dass die Stichstraße steil und eng sei und die Brücke über die Schienen in dieser Breite heute gar nicht mehr für Laster zugelassen würde.
Die Straße wird sowieso ein halbes Jahr voll gesperrt
Laut Werkleiter Joachim Becker könnten die Arbeiten in der Pirmasenser Straße Mitte des Jahres beginnen, wenn die Strecke von Maßweiler zur Faustermühle wieder frei ist. Er rechnet mit einem halben Jahr Bauzeit unter Vollsperrung. Wenn über Winter nicht gearbeitet wird, würde die Straße aber für den Verkehr geöffnet.
Auch wenn eine neue Asphaltdecke etwas Abhilfe schaffen könnte, wäre sie nicht der Weisheit letzter Schluss: „Eigentlich müsste man einen Vollausbau machen“, sagte Klaus-Dieter Schmid, Fachgruppenleiter beim Landesbetrieb für Mobilität (LBM) in Kaiserslautern. Ein Bodengutachten habe ergeben, dass der Untergrund ganz schlecht ist.
Auch Tempo 30 geht nur unter gewissen Voraussetzungen
Schmids Kollege Jens Schürmann erinnerte daran, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen an solchen Straßen von bestimmten Voraussetzungen abhängig sind. Tempo 30 sei nur möglich, wenn durch den Verkehr zu viel Lärmbelastung entsteht, wenn keine Gehwege da sind oder wenn die Straße an einer Schule, einem Kindergarten oder einem Altersheim vorbeiführt – und der Eingang auch zur Straße hin liegt.
Werner Scheerer, Fachbereichsleiter Bürgerdienste und damit auch fürs Ordnungsamt zuständig, sagte, dass die Verbandsgemeinde 2018 schon einmal versucht habe, die Stichstraße für schwere Laster zu sperren. Damals habe der LBM in Koblenz das abgelehnt, weil sich der Verkehr dann nach Rieschweiler oder Thaleischweiler-Fröschen verlagert. Der frühere Ortsbürgermeister Heino Schuck warnte davor, dass man dann in der Bahnhofstraße von Rieschweiler noch mehr Beschwerden bekomme.
„An anderer Stelle erheblich höhere Kollateralschäden“
„Wenn wir keine Umgehung bauen können, werden wir keine Lösung finden, von der wir sagen, das ist der Königsweg“, fasste Verbandsbürgermeister Peifer die Diskussion zusammen. Dem stimmte auch Andreas Kohler zu, Leiter der Polizeiinspektion in Waldfischbach-Burgalben: „Egal, welche Entscheidung wir treffen, wir bekommen an anderer Stelle erheblich höhere Kollateralschäden.“ Der Kreisel in Rieschweiler sei ebenso untauglich für Schwerlastverkehr wie die Brücke in Höhmühlbach. Und mit einer Gewichts- oder Geschwindigkeitsbegrenzung sei es auch nicht getan: „Jedes Verbot bedarf einer Überwachung. Ich kann nicht jeden Tag drei oder vier Stunden hier ’ne Streife hinstellen.“ Selbst wenn hin und wieder intensiv kontrolliert würde, sei der Effekt nicht nachhaltig.
Dennoch möchte die Verbandsgemeinde nun schauen, ob sich zwei Dinge testen lassen: Zum einen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30, zum anderen eine Sperrung der Stichstraße aus nur einer Richtung, und zwar vom Golfplatz her. Dass dies innerorts Sache der Verbandsgemeinde ist und nicht des Landkreises, obwohl die Pirmasenser Straße eine Kreisstraße ist, das hatte eingangs Thomas Keller, Abteilungsleiter Verkehr bei der Kreisverwaltung, klargestellt.
Verbandsgemeinde will prüfen, was möglich ist
Die Verbandsgemeinde will nun prüfen, welche Maßnahmen möglich sind. Würde die Stichstraße vom Golfplatz her für Laster über 7,5 Tonnen gesperrt, müssten die durch die Bahnhofstraße in Rieschweiler fahren oder den Weg über Thaleischweiler oder Dellfeld nehmen. Klaus-Dieter Schmid hielt zudem für denkbar, dass an der Brücke eine neue Ampel installiert wird, die besser auf den Verkehr reagiert.
Axel Stuppy, Gemeinderatsmitglied und Besitzer einer Schuhfabrik an der Höhmühlbacher Brücke, fand, das in der Runde ein Vertreter fehle: die Bahn. Er schlug zudem vor, dass die Brücke so verbreitert wird, dass Fußgänger und Radfahrer die Brücke sicherer benutzen können.
50 Laster am Tag aus Richtung Pirmasens
Lastwagen fuhren während des Treffens keine vorbei, was Stuppy wunderte. Erst am Ende nach fast anderthalb Stunden kam der erste. Dass die Pirmasenser Straße durchaus viel von LKW benutzt wird, konnte aber Jens Schürmann mit Zahlen belegen. Die L 477 durchs Schwarzbachtal hatten bei einer Zählung im Durchschnitt 7670 Fahrzeuge am Tag passiert, davon elf Prozent Lastwagen, also fast 850. Über die Brücke seien 1348 Fahrzeuge gefahren, davon zwei Prozent Laster, knapp 30. Von Pirmasens her seien 2547 Fahrzeuge gekommen, davon 50 Laster, wieder zwei Prozent.