Bornheim / Essingen
Wie grün wird das neue Hornbach-Logistikzentrum?
Hornbach investiert in die Region, Hornbach schafft neue Arbeitsplätze. Die Erweiterung seines Logistikzentrums in Essingen ist ein Gewinn für den Standort. Aber sie hat auch Kritiker auf den Plan gerufen. Besonders Umweltschützer beäugen das 25-Millionen-Euro-Projekt argwöhnisch. Schon bei der Genehmigung im Gemeinderat hatte das Essinger Ortsgremium deutlich gemacht, dass es erwarte, dass sich Hornbach seiner ökologischen Verantwortung stelle. Welchen Punkten hat sich der Baumarktriese angenommen? Wie werden bei dem Großprojekt Ökonomie und Ökologie unter einen Hut gebracht?
Wie wird die Flächenversiegelung ausgeglichen?
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte kritisiert, dass erneut wertvolle Flächen entlang der Queichwiesen versiegelt würden. „Hört das denn nie auf, das Zupflastern abwechslungsreicher, vertrauter Landschaften?“, fragte Ulrich Mohr von der Kreisgruppe Südpfalz. Und der derzeitige Anblick der Baustelle lässt das grüne Herz wahrlich nicht höher schlagen. Ein riesiges Areal der Ödnis offenbart sich da. Eingeebnetes Erdreich, so weit das Auge reicht zwischen der Reitanlage Dreihof, der Hornbachstraße, dem Bornheimer Industriegebiet und dem bereits bestehenden Logistikzentrum. Dort will Hornbach eine weitere Hallenanlage für Lang- und Sperrgut sowie Importartikel errichten, um die Kapazitäten des 1999 in Betrieb genommenen Logistikzentrums zu erweitern. Von Essingen aus werden Waren an die 50 Bau- und Gartenmärkte von Hornbach in Deutschland, Luxemburg und der Schweiz ausgeliefert und seit 2020 auch Waren direkt an Endkunden verschickt.
Bevor die neue Halle hochgezogen wird, muss ihr aber erst einmal der Boden bereitet werden. Und das ist in den vergangenen Monaten geschehen. 4500 Kubikmeter Oberboden wurden abgetragen. Die Erde wird aktuell auf einem benachbarten Grundstück zwischengelagert und soll nach Fertigstellung des Gebäudes auf den Freiflächen eingesetzt werden. 60.000 Quadratmeter groß ist das Grundstück. Mit dem Hallentrakt bebaut wird davon eine Gesamtfläche von 23.000 Quadratmetern. Wie Hornbach-Sprecher Florian Preuß berichtet, gibt es im nördlichen Bereich noch ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück, das als unbefestigte Ausgleichsfläche hergerichtet werden und als Habitat für Vögel, Insekten und Reptilien dienen soll. Zudem arbeite Hornbach entlang der Straße bereits an der Aufwertung einer Grünfläche. „Sie ergänzt die Grünflächen rund um das entstehende Logistikzentrum und besteht aus begrünten Entwässerungsrigolen inklusive altem und neuem Baumbestand“, erklärt Preuß. Rigolen sind Pufferspeicher, um Regenwasser aufzunehmen und zu versickern. Ziel sei, dass eine zusammenhängende Grünfläche und mit der richtigen Bepflanzung ein wertvoller ökologischer Lebensraum entstehe. Das Konzept habe Hornbach zusammen mit einem ökologischen Gutachter entwickelt und mit den Behörden abgestimmt.
Kommen Solaranlagen auf die Hallendächer?
Schon kurz nach Bekanntwerden der Erweiterungspläne hatte der BUND gefordert, dass Hornbach Sonnenenergie für die Versorgung des Logistikzentrums nutzen solle. Dafür böten die Dächer der Hallen schließlich genug Platz. Komplett zur Stromerzeugung werden diese nicht genutzt. Aber es werde eine 5000 Quadratmeter große Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 500 Kilowattpeak (kWp) installiert, kündigt Preuß an. Mit einem kWp lassen sich rund 1000 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr erzeugen. Zudem werden 9500 Quadratmeter der Dächer begrünt.
Zudem sollen beim Neubau weitere ökologische Aspekte aufgegriffen werden, kündigt Preuß an. So werde das Regenwasser in Zisternen gesammelt und soll für die Bewässerung der Pflanzen und Grünflächen genutzt werden. Die Beleuchtung der Außenanlage werde so gewählt, dass sie insekten- und vögelgerecht ist. Und es würden Sickerflächen und Mulden angelegt, um Oberflächenwasser aufzufangen.
Wird Weg für Industriegleis freigemacht?
Und wie sieht es mit der zusätzlichen Verkehrsbelastung aus? Ulrich Mohr vom BUND findet, dass schnellstmöglich der Weg für ein Industriegleis freigemacht werden müsse. Auch im Essinger Gemeinderat war die Forderung aufgegriffen worden. Einer der beiden stillgelegten Schienenstränge in der Verbandsgemeinde Offenbach verläuft nur einen Katzensprung vom neuen Logistikstandort entfernt. Doch das Unternehmen erteilt dem Gleisanschluss eine Absage. „Wir haben diese Möglichkeit bereits vor Einreichung des Bauantrags intensiv geprüft und sind auf eine ganze Reihe an Hürden gestoßen, die einem Industriegleis im Wege stehen“, so Sprecher Preuß. Ein Hauptgrund sei, dass das bestehende Gleis zum großen Teil bereits überbaut sei.
Wie stark wird sich der Lkw-Verkehr denn überhaupt verändern, wenn der Neubau im Frühjahr 2023 fertiggestellt sein wird? Laut Preuß wird er etwa um 50 Prozent zunehmen. Aktuell führen täglich rund 50 Laster den Wareneingang im bestehenden Logistikzentrum an und 45 verließen den Warenausgang. Am zweiten Standort werden es voraussichtlich jeweils halb so viele sein, wie er prognostiziert. Zudem wird mehr Personal ankommen. Vor rund einem Jahr waren in Essingen 123 Mitarbeiter beschäftiget, mittlerweile sind es bereits 137. Aus dem externen Lagerstandort Lorsch werden voraussichtlich 40 bis 45 Mitarbeiter nach Essingen wechseln. 20 bis 25 neue Mitarbeiter sollen dann noch eingestellt werden, kündigt Preuß an. Wer mit dem E-Auto zur Arbeit kommt, wird dafür künftig auch Ladestationen vorfinden.