Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Whatsapp im Check: Darum ist Signal die sicherere Chat-Alternative

Die Landauer Digitalbotschafter erklären den Seniorinnen, wie der sichere Messenger Signal funktioniert.
Die Landauer Digitalbotschafter erklären den Seniorinnen, wie der sichere Messenger Signal funktioniert.

Chats, Urlaubsfotos, Sprachnachrichten – Messenger sind überall. Aber sind sie auch sicher? Die Digitalbotschafter stellen Whatsapp auf die Probe. Ein Kurs, der Augen öffnet.

Ob die schnelle Nachricht an die Kinder, ein lustiger Spruch in der Familiengruppe oder das Urlaubsfoto im Status – Messenger gehören längst zum Alltag. Man könnte meinen, alle nutzen Whatsapp. Für viele ältere Menschen ist der Einstieg aber gar nicht so selbstverständlich.

Genau da setzen die Landauer Digitalbotschafter (Dibos) an. Heute geht’s im monatlichen Kurs für die 60-plus-Generation ums Thema Messenger. Und dabei steht nicht etwa Whatsapp im Mittelpunkt, sondern Signal. Und das hat einen Grund. Denn was passiert eigentlich mit all den Daten bei der Nutzung solcher Dienste?

Whatsapp oder Signal? Welcher Messenger schützt private Daten besser?
Whatsapp oder Signal? Welcher Messenger schützt private Daten besser?

Whatsapp-Gewinnprinzip: Daten sind das neue Öl

Während Whatsapp nach dem Prinzip „Daten sind das neue Öl“ arbeitet, setzt Signal auf Privatsphäre. Das macht den wichtigen Unterschied, wie Dibo-Leiterin Birgit Pfirrmann erklärt, die ihr buntes Trüppchen immer wieder auf das Thema Datensicherheit stupst. Wer Whatsapp nutze, mache sich ein Stück weit nackt. Das müsse einem bewusst sein. „Und es geht ja auch keiner von uns nackig über den Rathausplatz und zeigt alles von sich“, führt sie zum Vergleich an und erntet eine Runde Lacher. Doch die wandeln sich schnell in nachdenkliches Nicken. Vielen wird jetzt erst klar, welche persönlichen Infos durch das beiläufige Nachrichtenschreiben tagtäglich abgezwackt werden.

Und da geht es den Senioren nicht anders als der jungen Generation. Auch Jüngere wischen das Thema oft schnell beiseite. Man denkt: „Ach, wird schon nicht so schlimm sein“ – und tippt munter weiter. Datensicherheit wirkt abstrakt, genau das macht es so tückisch: Wir alle – egal ob 20 oder 70 – gehen mit unseren Informationen oft viel sorgloser um, als wir eigentlich möchten.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Whatsapp und Signal

Der Knackpunkt zwischen Whatsapp und Signal liegt in der Frage: Wer bekommt außer den Chatpartnern noch etwas von meinen Nachrichten mit? Beide Apps verschlüsseln Nachrichten, sodass sie unterwegs nicht abgefangen oder vom Betreiber mitgelesen werden können. Doch Whatsapp sammelt zusätzlich jede Menge sogenannter Metadaten. „Also die wissen, mit wem ihr kommuniziert, wie oft, wann und wo ihr dabei seid“, erklärt Birgit Pfirrmann. „Ich finde das nicht in Ordnung. Ich will nicht, dass die das alles über mich wissen und weitergeben.“

Im Kurs lernen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Schritt für Schritt, wie man mit Signal Nachrichten schreibt.
Im Kurs lernen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Schritt für Schritt, wie man mit Signal Nachrichten schreibt.

Denn diese Daten sind für den Konzern Meta, der hinter Whatsapp steht und zu dem auch Facebook und Instagram gehören, bares Geld wert. In riesigen Datenpaketen werden sie zu Werbezwecken genutzt. Signal dagegen beschränke sich auf das absolute Minimum: Es speichere keine Chatverläufe, verzichte komplett auf Werbung und das Weitergeben von Daten – und vor allem: kenne keine Kontakte außer denen, die man freigibt. Denn das sieht bei Whatsapp ganz anders aus, führen die Dibos der Seniorenrunde vor Augen.

Vier Messenger im Vergleich: „Datenkrake“ versus Privatsphäre

Wenn man den Messenger mit dem markanten grell-grünen Button nutzt, ist das ein bisschen so, als würde man sein Adressbuch beim Bäcker offen auf den Tresen legen. Man will eigentlich nur Brötchen kaufen, aber nebenbei kopiert einer still und leise die ganzen Telefonnummern aller Freunde, Nachbarn und Kollegen. „Meine Telefonnummer ist jetzt bei Meta, nur weil ich in den Kontakten von jemand anderem bin, obwohl ich selbst gar kein Whatsapp nutze“, macht eine der Ehrenamtlichen deutlich, mit welcher „Datenkrake“ man es hier zu tun habe.

Fast alle nutzen Whatsapp – im Kurs lernen man, welche sicheren Alternativen es mit Signal oder Threema gibt.
Fast alle nutzen Whatsapp – im Kurs lernen man, welche sicheren Alternativen es mit Signal oder Threema gibt.

Und wie sieht es mit anderen Messengern aus? Telegram ist beliebt und bietet viele Spielereien, doch Standardchats sind dort nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt – wirklich sicher sind nur die „geheimen Chats“. Threema setzt wie Signal stark auf Datenschutz: Die App kommt aus der Schweiz, funktioniert sogar ohne Telefonnummer und speichert nur das Nötigste. Nachteil: Sie kostet ein paar Euro beim Kauf, und weil sie viel weniger Leute nutzen, bleibt sie im Alltag eher eine Nischenlösung.

Der große Haken in der Praxis: Über 80 Prozent der Deutschen nutzen Whatsapp

„Wer von euch benutzt Whatsapp?“, fragt Birgit Pfirrmann in die Runde und überall strecken sich Finger in die Höhe. „Und was macht ihr damit?“, will sie wissen und sammelt Begriffe: schreiben, Fotos, Telefonieren, Emojis, Gruppenchats, Sprachnachrichten, Video-Anrufe, Status-Updates. „Das alles kann Signal auch“, hält sie fest. Doch Signal gehöre keiner großen Firma, sondern einer gemeinnützigen Stiftung. „Meta macht das meiste Geld mit persönlich zugeschnittener Werbung. Signal lebt von Spenden statt von Daten“, sagt Pfirrmann.

Messenger im Vergleich: WhatsApp, Signal, Telegram und Threema unterscheiden sich beim Datenschutz.
Messenger im Vergleich: WhatsApp, Signal, Telegram und Threema unterscheiden sich beim Datenschutz.

Aber ... Ja, es gibt einen großen Haken in der alltäglichen Praxis. Und den werfen gleich mehrere Teilnehmer ein: „Die meisten haben Signal ja gar nicht.“ Pfirrmann stimmt zu. Whatsapp ist der Platzhirsch. Laut Umfragen nutzen über 80 Prozent der Deutschen den Meta-Messenger regelmäßig. „Aber an diesem Argument können wir alle etwas ändern, indem wir die Entscheidung treffen, davon wegzugehen“, hält die Dibo-Leiterin fest. „Als ich mit Signal angefangen habe, waren auch noch weniger dabei.“ Aber inzwischen seien ganz viele ihrer Freunde und Bekannten nur noch dort zu finden. Und für den Übergang hat sie den Ratschlag: „Man kann mehrere Messenger-Apps parallel auf dem Handy haben und nutzen.“

Digitalbotschafter helfen Senioren beim Einstieg in die Digitalwelt

„Dann könnte ich ja einfach meine Freunde fragen, ob wir ab jetzt lieber Signal nutzen wollen?“, meint Uta Klenert, die schon über 80 ist und heute zum ersten Mal auf Signal unterwegs. Aber dank der Anleitung und Hilfe der Dibos haben die älteren Herrschaften es ziemlich schnell drauf: machen Profilbilder von sich, legen den Kontakt für einen Gruppenchat an und schicken fleißig Nachrichten rein, sodass es von allen Seiten plingt.

„Es geht ja auch keiner von uns nackig über den Rathausplatz“, meint Dibo-Leiterin Birgit Pfirrmann dazu, dass man sich ein stüc
»Es geht ja auch keiner von uns nackig über den Rathausplatz«, meint Dibo-Leiterin Birgit Pfirrmann dazu, dass man sich ein stückweit nackt mache, wenn man den Messenger Whatsapp nutze. Hier erklärt sie einer Teilnehmerin (im Bild rechts), wie man Kontakte einpflegt.

Mit diesem Piep-Konzert im Ohr gibt’s gleich Hausaufgaben: „Schreibt euch bis zum nächsten Treffen ganz viel untereinander. Ich will dann die Erfolgsmeldung: Isch fühl mich dehääm in Signal.“ Denn die Ü60-Runde weiß: „Es ist wichtig, im Nachgang zu üben, damit’s in unserem Alter auch hängenbleibt“, erklärt mir Ü75-Sitznachbarin Ingrid Braun.

Digitalbotschafter helfen

Die Landauer Digitalbotschafter bieten einmal pro Monat praxisnahe Kurse zu Digitalthemen an, die den Lebensalltag betreffen – etwa zu E-Rezept oder Online-Banking. Zudem gibt es weitere Unterstützungsangebote für den Einstieg in die Digitalwelt. Alle Infos finden Sie im Internet unter www.dibo-ld.de, per E-Mail an dibo-ld@online.de oder unter Telefon 01575 4080800.

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