Landau / SÜW
Praxis-App: So buchen Eltern einen Termin beim Kinderarzt
Mancher Patient verzweifelt bei dem Versuch, bei seiner Arztpraxis telefonisch durchzukommen. Bei Kinderärzten kann das unkomplizierter gehen. Denn immer mehr Eltern chatten mit ihnen. Und zwar per App, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurde: für den Kontakt zwischen den Familien und den Medizinischen Fachangestellten (MFAs) beziehungsweise dem Doc.
In der Pfalz setzt unter anderem der Landauer Kinderarzt Frank Jan Ermark auf dieses digitale Angebot. Etwa 2500 Eltern und damit der Großteil der Familien, die bei ihm seien, nutzen nach seiner Aussage die Praxis-App bei jeglichen Anliegen. Sei es, wenn sie einen akuten Fall haben und am selben Tag noch in die Sprechstunde möchten, eine Überweisung brauchen oder sonst eine Rückfrage stellen möchten. Wer möchte, kann einen Rückrufwunsch hinterlassen, statt es selbst mehrfach zu probieren oder telefonisch in der Warteschleife zu hängen.
Die App erleichtere den Praxis-Alltag ungemein, sagt Ermark. Gerade seine Medizinschen Fachangestellten, kurz MFAs, im Volksmund Arzthelferinnen genannt, würden die Arbeit damit sehr schätzen. „Ich glaube, ein Teil meines Teams würde sofort kündigen, wenn wir die App nicht mehr nutzen würden“, sagt Ermark lachend. Das liege auch daran, dass sein Team schon seit Längerem damit arbeitet.
Welche Funktionen die Praxis-App hat
In der Corona-Zeit habe er die Praxis-App bei den „Kleinen Helden“ eingeführt, erzählt Ermark. So nannte sich die Praxisgemeinschaft, die er noch bis vor Kurzem noch mit Markus Knüppel in der Landauer Marktstraße führte. Die beiden Ärzte arbeiteten eigenständig, jedoch unter demselbem Dach, mehr noch, in denselben Räumen. Um effektiver arbeiten zu können, entschied sich das Duo, die Praxis aufzuspalten.
Gesagt, getan: Ermark richtet vor Kurzem seine Praxis Rummelkids im Nordring 11 ein. Wobei er weiterhin Eltern aus der Ferne berät, also per Videochat. Das ist eine der Funktionen, die die Praxis-App habe. Ergänzen möchte Ermark diese noch um einen Online-Terminkalender, die manche Kollegen bereits nutzen. Der Unterschied: Nicht die MFAs bieten Termine an, vielmehr sehen die Patienten verfügbare Zeitschienen und buchen einen Termin.
Mediziner: „Pushnachrichten wertvoll“
Gold wert sind laut Ermark die Pushnachrichten, also die Infos, die die Praxis von sich aus an das Endgerät ihrer Patienten verschicken kann, um beispielsweise an urlaubsbedingte Schließzeiten und Vertretungen sowie Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern.
Während Allgemeinmediziner und Fachärzte unterschiedliche Wege und Kanäle nutzen, um mit den Patienten in Kontakt zu treten, hat sich die Praxis-App „Meine pädiatrische Praxis“ bundesweit bei Kinderärzten bewährt. Etwa 1500 von rund 4000 Praxen nutzen diese. Aktuell seien 1,6 Millionen Eltern beziehungsweise Patienten registriert. Das berichtet Sean Monks, sozusagen der Kopf hinter dem Ganzen. Er sei der technische Dienstleister, herausgegeben werde die App vom Bundesverband für Kinder- und Jugendärzte.
App-Entwickler mit Landauer Wurzeln
Manche Pfälzer dürften Monks vielleicht noch kennen. Von 1972 bis 1982 lebte er mit seiner aus England stammenden Familie in Mörzheim, machte am Max-Slevogt-Gymnasium in Landau sein Abitur, bevor es ihn studienbedingt nach München verschlug. Über Umwege kam er in die Medizin, 2015 brachte er die Praxis-App auf den Markt. Inzwischen existiere eine vergleichbare App für Allgemeinmediziner, zwar nur für jene in Bayern, sie soll bald aber auch in den übrigen Bundesländern eingeführt werden.
Wieso die Praxis-App bei Kinderärzten erfolgreich ist, liegt für Monks auf der Hand. Angesprochen seien Eltern und damit junge, medienaffine Menschen, die das Smartphone ohnehin für alles Mögliche nutzen. Umgekehrt sei mehr als die Hälfte der Kinderärzte älter als 60 Jahre, was dazu führe, dass manche am Ende ihrer Berufslaufbahn diese digitale Möglichkeit scheuen. Auch deshalb, weil es eine Umstellung für das Team bedeute, nutzen noch längst nicht alle Kinderärzte die Praxis-App.
Für Monks kann die App auch einen anderen Zweck erfüllen als den schnelleren Austausch zwischen Eltern und Praxispersonal. Etwa dabei, die Impfquote zu steigern. Es sei beispielsweise im Zuge einer Untersuchung festgestellt worden, dass mehr Eltern ihre Kinder gegen HPV impfen ließen, die per App an die Möglichkeit erinnert wurden, als andere, die die Praxis-App nicht nutzen. Das sei zwar keine repräsentative Studie gewesen, aber könnte zeigen, dass da etwas an der Sache dran sein könnte.


