Landau Senioren machen Einkaufstest: So funktionieren SB-Kassen und Handscanner
Ob Supermarkt, Baumarkt oder Drogerie: Selbstbedienungskassen findet man inzwischen in ganz vielen Geschäften. Ohne Wartezeit die Waren schnell selbst scannen und bezahlen: ganz einfach, wird da versprochen. Aber wie genau geht das? „Ich habe die auch schon öfter gesehen, aber bisher nie den Mut gehabt, sie auszuprobieren“, erzählt die 71-jährige Marie Boldt. Sie habe immer die Sorge gehabt, dass sie etwas nicht sofort verstehe, und „ich dann den ganzen Betrieb aufhalte“. Deswegen ist sie sehr froh, dass die Landauer Digitalbotschafter (Dibos) einen Praxis-Workshop für Senioren anbieten, bei dem die SB-Kassen und Handscanner Schritt für Schritt erklärt und gleich ausprobiert werden. Und das Interesse ist groß. Die vier Termine im Rewe- und im SBK-Markt sind schnell voll.
„Solche Kassen kommen immer mehr. Igendwann wird es vielleicht gar keine Kassiererinnen mehr geben“, meint die Landauerin, während sich die Gruppe im Eingangsbereich des Rewe-Markts sammelt. „Und ich will nicht abgehängt sein“, hält sie fest. Aber jetzt flott: Digitalbotschafter Peter Seibel hat den Rest der Gruppe im Schlepptau schon in die Obst- und Gemüseabteilung geführt. Bananen, Avocado, Birnen und Co. wandern in den Einkaufskorb. Gewogen werden muss erst an der Kasse. Während Seibel – selbst Rentner und seit anderthalb Jahren ehrenamtlicher Digitalbotschafter – die Gruppe an Gewürzregalen, der Knabberabteilung und dem Getränkebereich gen Kassen schleust, ruft er noch in die Runde: „Bei Alkohol wird aber das Alter geprüft. Da muss man dann warten, bis jemand zur Kasse kommt.“ Auch wenn die heutigen Teilnehmer wohl keinen Ausweis mehr vorzeigen müssten, beim Thema Jugendschutz geht Sicherheit vor.
Hilfe nötig? Mit einem Klick Mitarbeiter rufen
Rufen müssen die Kunden den Mitarbeiter in solchen Fällen nicht. Die Scannerkasse merkt selbst, wenn Alkohol über sie gezogen wird, und aktiviert den Mitarbeiterruf dann automatisch. Und wenn sonst mal irgendwas nicht klappt oder unklar ist, kann man den mit einem Klick auf dem Display auch selbst auslösen. Meist dauert es nicht lange, bis jemand zur Stelle ist und hilft. Die 69-jährige Irene Hoffmann braucht keine Hilfe. Büp, büp, büp ... Sie zieht ihre Lebensmittel im Turbo-Tempo über den Selbstscanner. Dabei ist das gerade ihre Premiere an solch einer Kasse. „Ich war früher im Labor und habe da viel mit Barcodes gearbeitet“, erzählt die Kapellen-Drusweilerin. Auch wenn das nun schon sieben Jahre zurückliegt – gelernt ist gelernt. „Wenn ich sehe, dass viel an den besetzten Kassen los ist, dann werde ich das zukünftig jetzt einfach selbst machen.“
Währenddessen wird an der Nachbarkasse noch gerätselt, wie man den rotbäckigen Apfel am besten ins System kriegt. „Wir haben keine einzelnen Sorten gelistet. Die haben alle den gleich Preis“, erklärt Rewe-Mitarbeiter Christian Kuhn, der die Gruppe an diesem Tag zusammen mit einer Kollegin begleitet. Heißt für die SB-Kunden: Apfel auf die Kasse legen. Auf dem Display „Artikel suchen“ anklicken, „Gemüse“ auswählen und dann nach dem Apfelbildchen Ausschau halten.
Mehr Diebstahl durch Selbstbedienungskassen?
Derweil ist Irene Hoffmann schon auf dem Weg zu Runde Nummer zwei: „Und jetzt mit den Handscannern!“ Hört man sie noch, während sie schon flugs gen Ausgang verschwindet. Denn dort, im Eingangsfoyer, steht ein Aufsteller voller Scanner-Pistolen. Die 69-Jährige weiß bereits, wie’s funktioniert. „Auf dem Display ,Handscanner ausleihen’ drücken, dann leuchtet einer grün auf, den nehmen, und es geht los.“ In der Obst- und Gemüseabteilung wartet schon Mitarbeiter Kuhn auf die Teilnehmer mit einem Basilikum-Töpfchen in der Hand. Solche Stückware hat einen Barcode bereits auf der Verpackung oder aufgeklebt. Die Seniorin scannt mit dem Handgerät drüber, und danach darf das Kräuter-Grün in den Einkaufswagen wandern. Alle anderen Vitamine kommen auf die Waage.
Hat Rewe eigentlich keine Angst, dass mit der neuen Technik Schindluder getrieben wird und Waren ungescannt den Markt verlassen? Langfinger werde es immer mal geben, ist Mitarbeiter Kuhn bewusst. „Aber die gab’s auch schon davor.“ Und im Landauer Markt seien bei der Inventur keine besonderen Vorkommnisse bemerkt worden. „Wir haben mittlerweile mehr Detektive im Einsatz, die haben da schon ein Auge drauf.“ Zudem verlange das Kassensystem in regelmäßigen Abständen eine Nachkontrolle. „Aber das ist nicht auf den einzelnen Kunden bezogen, sondern das geht automatisch“, erklärt Kuhn. Und, zack, schon hat es Marie Boldt erwischt. Aber bei ihrem Einkauf stimmt ja alles, und der Mitarbeiter gibt die Kasse gleich wieder frei. Den Handscanner findet die Landauerin echt praktisch. So muss sie ihre Waren nicht extra auf die Kasse legen. Das erleichtere die Sache besonders bei größeren Einkäufen, findet sie. Denn zum Schluss müsse nur der QR-Code auf dem Handscanner an der SB-Kasse gescannt und dann bezahlt werden. Das geht an jenen Kassen jedoch im Vergleich zu normalen Kassen nur bargeldlos.
„Das war gar nicht so schwer“
Letzter Schritt: Den ausdruckten Kassenbon am Ausgang unter den Scanner halten und die Schranke öffnet sich. Denn klaro, nur wer bezahlt hat, darf mit den Waren die Sperre passieren. „Das war alles eigentlich gar nicht so schwer. Man muss sich nur einmal trauen, die Hemmschwelle zu überwinden“, findet die 71-Jährige.
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