Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Digitalbotschafter: „Für Senioren mehr Chancen als Risiken“

Smartphone: Stellt Senioren häufig vor Probleme.
Smartphone: Stellt Senioren häufig vor Probleme.

Digitalbotschafter Reimund Gebhard erklärt, womit sich Senioren beim Umgang mit Smartphone und Co. besonders schwer tun und wie er ihnen dabei hilft.

Seit Reimund Gebhard 2019 nach Dudenhofen gezogen ist, engagiert er sich in verschiedenen Funktionen im Dorf. Eine davon ist das Ehrenamt des Digitalbotschafters. Das Projekt haben das rheinland-pfälzische Sozialministerium und die Landesmedienanstalt ins Leben gerufen. Gebhard fühlte sich davon angesprochen. „Mir ist bewusst geworden, dass ältere Leute mit dem Digitalen Probleme haben“, sagt er. Ein zweitägiges Seminar vor vier Jahren schuf eine erste Grundlage für seine neue Aufgabe, die er in Dudenhofen übernahm und der er bis heute gemeinsam mit Peter Demsar, einem weiteren Digitalbotschafter, mit Freude nachgeht. Von Standard-Computerprogrammen wie Word und Excel abgesehen, habe er keine großen Vorkenntnisse gehabt, gibt Gebhard zu.

Kaum hatte er sein Amt als Digitalbotschafter angetreten, kam die Corona-Pandemie und mit ihr auch neue Fragen zu den damals so wichtigen Impfstatus- oder Warn-Apps. „Wir haben im 14-Tage-Rhythmus zu einem Digitaltreff ins Bürgerhaus eingeladen – hinter Plexiglas“, blickt der 73-Jährige zurück. Nach Ende der Pandemie seien die regelmäßigen Treffs etwas eingeschlafen, aktuell gebe es keine. Doch auf Anfrage steht der Dudenhofener weiterhin Seniorinnen und Senioren mit Rat und Tat zur Seite. Sechs bis acht Anfragen erreichten ihn im Monat, schätzt er. Für die Zukunft hofft er, dass auch wieder ein regelmäßiger Treff zustande kommt.

Reimund Gebhard ist Digitalbotschafter.
Reimund Gebhard ist Digitalbotschafter.

Problemlösung beim Hausbesuch

„Die Leute melden sich meistens, wenn es irgendwo nicht mehr weitergeht“, sagt der Digitalbotschafter. Manchen sei es ein bisschen unangenehm einzugestehen, dass sie nicht weiterwissen. Nicht immer sei Verwandtschaft da, die weiterhelfen könne. Kinder und Enkel wohnten entweder zu weit weg oder die Erklärungen würden nicht verstanden. „Man braucht eine Engelsgeduld“, berichtet der Dudenhofener. Meistens lasse sich das Problem nicht telefonisch lösen, aber Gebhard kommt gerne bei den Hilfesuchenden zu Hause vorbei.

Ein wiederkehrendes Problem sei zum Beispiel, wenn der Speicher eines Geräts voll sei. Viele Fragen der älteren Generation drehten sich ums Smartphone. Ein solches besitzen mittlerweile die meisten, hat der Dudenhofener beobachtet – meistens haben sie es als Geschenk von den Kindern oder den Enkeln bekommen. Insbesondere die Kommunikation via Whatsapp sei immer wieder Thema, berichtet der Digitalbotschafter. „Bilder mit seinen Lieben auszutauschen oder Videotelefonie“, nennt er Beispiele. Auch zu den Apps von Einkaufsmärkten, mit denen sich Rabatte ergattern lassen, erreichen Gebhard immer wieder Fragen. Aktuell stelle die Umstellung auf die neueste Version des Betriebssystems Windows viele vor große Probleme. Aber nicht immer sind es die neuesten Errungenschaften der Technik, wegen denen Menschen Hilfe bei Reimund Gebhard suchen. Es hätten sich auch schon Senioren gemeldet, weil ihre Fernsehkanäle plötzlich verschwunden sind oder das Festnetztelefon nicht mehr funktioniert hat.

Manches nicht erlaubt

Es gibt übrigens Dinge, die die rund 700 Digitalbotschafter in Rheinland-Pfalz nicht tun dürfen. „Ich darf keine Kauftipps geben“, sagt Gebhard. Zu einem bestimmten Handy dürfen die Helfer den Senioren beispielsweise nicht raten. Außerdem dürfen die Digitalbotschafter kein Geld für ihre Hilfe nehmen. Sie sollen aber auch keine Konkurrenz zu Volkshochschulen oder gewerblichen Angeboten darstellen. Hilfe beispielsweise beim Online-Banking sei aber erlaubt, auch wenn er dabei in Kenntnis von sensiblen Daten wie Passwörtern kommt, erklärt der Dudenhofener. „Es liegt an den Leuten, wie weit sie uns vertrauen“, sagt er.

Zwei Tipps, die Gebhard Senioren im Umgang mit Smartphone und Co. auf den Weg gibt: immer alle Updates machen und sich am besten täglich mit dem Gerät beschäftigen, um Routine zu entwickeln. Um selbst immer auf dem Laufenden zu bleiben, bildet sich Gebhard regelmäßig bei Kursen für Digitalbotschafter weiter, denn es gibt immer wieder neue Themen, die auch für Senioren relevant sind. E-Rezept, elektronische Patientenakte oder künstliche Intelligenz nennt der Dudenhofener als Beispiele. Teilweise, wie beim E-Rezept, seien die Leute sehr skeptisch. „Auf dem Dorf ist das noch nicht so verbreitet“, hat Gebhard beobachtet. Auch das Thema KI sehen viele eher als Fluch denn als Segen.

Mehr Chancen als Risiken

„Ich versuche aufzuzeigen, dass die digitale Welt mehr Chancen als Risiken bietet“, sagt Gebhard. Statt eine halbe Stunde an der Bushaltestelle zu warten, könnten sich Senioren beispielsweise eine App herunterladen, die anzeigt, wann der Bus kommt. Auch Wetter-Apps seien nützlich. „Viele benutzen nur die Apps, die sowieso auf dem Smartphone sind und glauben nicht, dass es nützliche kostenlose Apps zum Herunterladen gibt“, berichtet der Digitalbotschafter. Er versuche, die Schwelle zu senken, sich mit digitalen Themen zu beschäftigen.

Bislang konnten Reimund Gebhard und sein Mitstreiter Peter Demsar bei Fragen immer weiterhelfen. Und den Anschluss an die technische Entwicklung konnten die Dudenhofener auch halten. „Bis jetzt klappt das, toi toi toi“, sagt Gebhard. Der 73-Jährige bemerkt aber auch, dass es mit zunehmendem Alter nicht leichter wird. Dennoch findet er: „Es ist in jedem Alter wichtig, sich mit dem Thema Digitales zu befassen, weil es auch eine Hilfe im Alltag ist“, findet er und ergänzt: „Und es hält die Birne fit.“

Kontakt

Reimund Gebhard, Telefon 0176 43060692, E-Mail: digibo.reimund.gebhard@gmail.com
Peter Demsar, Telefon 0179 2380744, E-Mail: Peter@pdemsar.de

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