Albersweiler
Was aus den Plänen für die „gated community“ geworden ist
Nach den großspurigen Ankündigungen vor einem Vierteljahr, am Rande von Albersweiler eine „gated community“ mit bis zu 100 exklusiven Wohnungen, Parkanlage mit Teich, Privat-Kita und eventuell noch Gewerbe- und Gesundheitseinrichtungen errichten zu wollen, herrscht jetzt Schweigen im Walde. Nachdem alles nicht so klappt wie gedacht, ist der Neustadter Investor auf Tauchstation gegangen. Fragen der RHEINPFALZ zu den vielen Ungereimtheiten und offenen Punkten geht die Pfalz Wärme mit immer neuen Vertröstungen aus dem Weg. Derweil erfährt man von anderer Seite, dass das Großprojekt wohl zu einem 08/15-Bauvorhaben zusammengeschrumpft ist.
Ja, eigentlich sollten ja längst die Bagger auf dem Gelände hinter dem Autohaus Weis rollen. Für Juni hatte der Investor die Erd- und Erschließungsarbeiten angekündigt, ab Juli sollte der Rohbau hochgezogen werden. Was ist davon passiert? Nichts. Noch nicht mal ein Bauantrag oder Ähnliches ist bei der Verbandsgemeinde eingetrudelt, wie diese auf Anfrage berichtet. Am hinausposaunten Traumschloss des ersten umzäunten Edelwohnviertels der Pfalz bröckelt der Putz immer mehr ab. Und nicht allein wegen seiner stümperhaften Planung fällt der Investor unangenehm auf.
Bilder-Klau und undurchsichtiges Firmenkonstrukt
So hatte er die Visualisierungsbilder für das Projekt Albersweiler auf seiner Homepage und Facebook-Seite offenbar von einem Bauprojekt in München geklaut. Nach unserer Anfrage dazu löschte die Pfalz Wärme die Grafiken von ihrer Seite. Eine Erklärung ist sie trotz Ankündigung einer „umgehenden Prüfung“ bis heute schuldig geblieben. Auch das Firmenkonstrukt hinter der erst vor anderthalb Jahren gegründeten Pfalz Wärme hinterlässt einen faden Beigeschmack. Als Projektleiter für Albersweiler tritt Waldemar Nürnberg auf, der in ein ganzes Konglomerat aus Personal-, Bau- und sonstigen Firmen verstrickt ist, die teilweise schon pleite gegangen seien, wie er gegenüber der RHEINPFALZ zugab. Er spricht von der „Nürnberg-Familie“, in der Mitarbeiter auch mal die Firma wechseln, wenn es gerade angebracht scheint, so auch der Geschäftsführer der Pfalz Wärme. Diese war bisher nur im Heizungs- und Sanitärgeschäft unterwegs, nun will sie als Bauträger Millionen-Projekte aus dem Boden stampfen. Ein anderes vor Kurzem noch groß beworbenes Mega-Projekt in Iffezheim ist mittlerweile komplett von der Homepage ausradiert.
Und von der „Residenz Liberty“ – wie das Vorhaben heißt, das rund um die markante Freiheitsstatue von Autohausbesitzer Harald Weis entstehen soll – ist nicht mehr viel übrig. Bauabschnitt vier – eine Gebäudezeile mit Geschäfts- und Wohnräumen Richtung Weinstraße – wurde bereits zwei Tage nach Verkündigung schon wieder getilgt. Es habe sich dann doch noch „weiterer Abstimmungsbedarf“ ergeben, hieß es. Denn weder mit der Gemeinde wurde darüber gesprochen, noch hatte der Investor Zugriff auf die nötigen Grundstücke. Auch für Bauabschnitt drei mit einer Kita fehlt ihm die Kaufzusage für das Areal.
Investor weicht Nachfragen aus
Der Pfalz Wärme gehörten aber bereits rund 4000 Quadratmeter hinter dem Autohaus, die der Inhaber den Neustadtern verkauft habe. Das sagten sowohl Investor als auch Verkäufer gegenüber der RHEINPFALZ im April. Aber sind die Flächen tatsächlich schon veräußert? Eine Anfrage beim Amtsgericht Landau ergibt, dass Stand 2. August im Grundbuch noch immer Harald Weis als Eigentümer all jener Grundstücke eingetragen ist, die für die Bauabschnitte eins und zwei mit Wohnkomplexen vorgesehen sind. Wie Amtsgerichtsdirektorin Michaela Winstel erklärt, könne der Eintrag im Grundbuch nach einem Eigentümerwechsel rund drei Monate dauern. Aber die wären längst verstrichen. Eine Antwort der Pfalz Wärme auf unsere Nachfrage dazu blieb – Sie ahnen es – bisher aus.
Mitte Mai kündigte der Investor freizügig an, bald alle Unterlagen, Pläne und Dokumente offenzulegen. Geschehen ist seitdem nichts. Auf unsere erneute Nachfrage zum Planungsstand Mitte Juli vertröstete die Pfalz Wärme auf die folgende Woche, da alle Verantwortlichen zu dem Projekt so lange nicht im Hause seien. Kam dann eine Rückmeldung? Nein. Anfang August hakten wir wieder nach. Nun hieß es: „Nach Beendigung der Urlaubszeit aller Projektmitglieder zum 15. August werden wir eine ausführliche Stellungnahme übersenden.“
Nur noch ein Paar Mehrfamilienhäuser übrig
Hinter den Kulissen scheint aber doch das ein oder andere Projektmitglied verfügbar gewesen zu sein. Erster Beigeordneter Werner Kempf berichtet, dass inzwischen Abstimmungsgespräche zwischen dem von der Pfalz Wärme beauftragten Architekten und der Verbandsgemeinde stattgefunden hätten. Zuletzt war der Investor Donnerstag vergangener Woche im Trifelsland, und zwar zu einem Gespräch mit den Verbandsgemeindewerken, in dem es um die Erschließung des Areals ging, wie Werkdirektor Reiner Paul informiert.
Dabei gewesen seien auch ein Ingenieur der Pfalz Wärme und ein neu beauftragter Anwalt aus Mannheim, der die Planung nun wohl in geordnete Bahnen bringen wolle. Erstmals in dem bisherigen Prozess seien die Gespräche gut und zielgerichtet verlaufen, sagt Paul. Allerdings ist nach seiner Einschätzung des Projekt Liberty in seiner bisherigen Dimension „tot“. Aktuell sei lediglich noch von ein paar Mehrfamilienhäusern die Rede. Denn für das große Konzept mit Park und anderem Pipapo müsste der Bebauungsplan geändert werden. Und das dauert nicht nur eine Weile, sondern macht auch die Zustimmung der Ortsgemeinde nötig. Und ob der Rat angesichts des Eindrucks, den der Investor bisher hinterlassen hat, einwilligen würde, ist mehr als fraglich.
Bau ohne Genehmigung möglich
Die Verbandsgemeinde bestätigt, dass eine Änderung des Bebauungsplans zurzeit nicht geplant sei. Dies wiederum bedeutet, dass die angekündigten Villen im römischen Stil mit Penthouse und begrüntem Flachdach nicht umgesetzt werden können. Der bestehende Plan lässt nämlich nur zweigeschossige Bebauung mit Satteldach zu.
Wenn sich der Investor allerdings an die Vorgaben hält, kann er sogar ohne Baugenehmigung loslegen. Laut Verbandsgemeinde ist auf dem Areal ein Bau im Freistellungsverfahren möglich. Das heißt, der Bauherr müsste den Baustart lediglich bei der Verbandsgemeinde anzeigen. Werkdirektor Paul rät allerdings von so einer Vorgehensweise ab. Sie sei risikoreich. Sollte es auch nur kleine Abweichungen von den Planvorgaben geben, stünde der Bauherr in der Verantwortung. Würde die Pfalz Wärme eine Baugenehmigung beantragen, würde der Prüfungsprozess zwar Zeit kosten, das Vorhaben wäre dann aber auch rechtssicher, erklärt er. Bevor es losgehen kann, muss aber erst einmal die Erschließung des Geländes gesichert sein. Dafür hätten die VG-Werke dem Investor vergangene Woche zwei Optionen aufgezeigt. Man warte seitdem auf Antwort.


