Albersweiler Fremdes Bildmaterial für Bauprojekt Albersweiler geklaut?
Im schicken Münchner Stadtteil Harlaching plant eine Immobilien-Unternehmensgruppe eine Villenresidenz. Das Ensemble besteht aus „zwei zusammengehörenden Stadtvillen in bester klassizistischer Tradition“. Wer eine der „Premium-Neubauwohnungen am Isar-Hochufer“ haben möchte, ist mit 700.000 bis drei Millionen Euro dabei. 50 Prozent der zwölf Eigentumswohnungen sind bereits verkauft. Das Bauprojekt trägt den Titel „Hauensteinstraße 6“. Und nicht nur der Name lässt Erinnerungen an die Pfalz aufkommen, auch die Bilder zu dem geplanten Wohnresidenz kommen einem seltsam vertraut vor.
Ein Blick auf Webseite des Neustadter Investors Pfalz Wärme, der in Albersweiler eine „gated community“ hochziehen will, zeigt, dass dort haargenau die gleichen Grafiken benutzt wurden, um den ersten Wohnkomplex der geschlossenen Nobel-Siedlung dazustellen. Sowohl für die Außen- als auch für die Innenansicht. Aufgefallen ist die „verblüffende Ähnlichkeit“ einem aufmerksamen Leser, der nach dem Lesen unseres Artikels „Ein Bauprojekt mit vielen Fragezeichen“ aus Neugierde die Homepage der Pfalz Wärme GmbH besuchte. Und dem dabei die vielen hochwertigen Darstellungen auffielen, was ihm angesichts des Planungsstands, zu dem sich ja noch Abstimmungsbedarf ergeben hat, spanisch vorkam. Also warf er mal die Google-Bilder-Suche an. Und siehe da: Diese ergab auf Anhieb das Projekt in München.
Nach RHEINPFALZ-Anfrage Webseite offline genommen
Kurz nach der Anfrage der RHEINPFALZ zu der fremden Bilder-Nutzung an den Investor war die Homepage des Projekts Albersweiler offline. „Entschuldige die Unannehmlichkeiten. Diese Website befindet sich aktuell im Wartungsmodus. Vielen Dank für das Verständnis“, hieß es da. Am nächsten Tag reagiert man in Neustadt mit einer Antwort nach dem Motto „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“. So bedankt sich das Pfalz-Wärme-Team erst einmal für den Hinweis und kündigt an, den Sachverhalt umgehend zu prüfen. Bis dahin schiebt man die Verantwortung von sich, da „die näheren Auskünfte zur Gestaltung der Homepage beim verantwortlichen Grafikdesigner A. Konrad in Freising liegen“. Die Stadt liegt nur 30 Kilometer von München entfernt, könnte durchaus sein, dass er über das Bauprojekt Hauensteinstraße 6 gestolpert ist.
Allerdings sind die Gestaltung der Homepage und die dafür verwendeten Inhalte zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Mit welchen Grafiken ein Investor sein Bauprojekt bewirbt, liegt in dessen Ermessen. Zumal in der Kundenbroschüre unter der Villen-Skizze Pfalz Wärme GmbH als Bildquelle genannt ist. Übrigens tauchten die Entwurfsbilder nicht nur auf der Homepage des Bauprojekts auf, sondern auch auf der Facebook-Seite der Pfalz Wärme. Wenn sich der Bauträger solch einen wichtigen Punkt mit Außenwirkung aus der Hand nehmen lässt, zeugt dies nicht von Professionalität.
Bild eines vietnamesischen Bauprojekts genutzt
Wo wir gerade dabei sind. Starteten wir doch mal die Google-Bilder-Suche für all die anderen Gebäude, die für Albersweiler angepriesen wurden. Für Bauabschnitt zwei (weiterer Wohnkomplex) und drei (Kita) spuckte die Google-Suche kein Fremdmaterial aus. Die Grafik für Bauabschnitt vier gehört offenbar aber zu einem anderen Bauprojekt, zumindest entdeckte man identisches Bildmaterial. Die Visualisierung des zunächst vorgesehenen, mittlerweile wieder zurückgestellten Gewerbe-, Gesundheits- und Wohnkomplexes für Albersweiler findet sich nämlich eins zu eins auf einer vietnamesischen Seite als Shophouse für das dortige Großprojekt Swan Park. War bei dem Neustadter Bauträger kein Planer am Werk, sondern lediglich jemand, der das Internet nach schönen Beispielbildern durchstöbert hat?
In München reagiert man am Telefon überrascht, verwundert und empört, als man erfährt, dass die Bilder für das Projekt Hauensteinstraße 6 auch anderweitig im Umlauf sind. Sowohl bei dem Immobilienbüro, das die Nobelwohnungen vermarktet, als auch beim Bauträger selbst. Dessen Chef will allerdings keine Fragen zu dem Vorfall beantworten, da das Unternehmen in diesem Zusammenhang nicht namentlich erwähnt werden möchte, wie es heißt.
Neue Entwürfe auf Homepage
Am Wochenende ging die Projekt-Homepage wieder online. Von allen Gebäude-Bildern leer gefegt. Lediglich die Bauabschnitte und Grundrissbeispiele waren geblieben. Und mittlerweile sind neue Entwürfe zu den geplanten Häusern auf der Webseite eingestellt. Diese zeigen zwei Häuser mit zwei Geschossen, Penthouse und Tiefgarage – mit insgesamt zehn Wohnungen. Wo die für den ersten Bauabschnitt angekündigten 25 Wohnungen seien sollen, bleibt abzuwarten. Fragen der RHEINPFALZ beantwortet die Pfalz Wärme aktuell nicht. Schließlich wollten wir wissen, was es mit den Änderungen auf der Projekt-Homepage auf sich hat und was die „umgehende Überprüfung“ der Bilder-Angelegenheit ergeben hat. Antwort: „Da sich unsere Geschäftsleitung derzeit im Krankenstand befindet, bekommen Sie die gewünschten Informationen, sobald die zuständigen Instanzen wieder genesen und zurück im Büro sind.“
Der mutmaßliche Bilder-Missbrauch ist ein weiterer Punkt, der einen zweifelhaften Eindruck bei diesem Bauprojekt hinterlässt. Aber wie die Pfalz Wärme in der Öffentlichkeit ankommt, scheint ihr gar nicht so wichtig zu sein, Hauptsache, sie gelangt überhaupt dorthin. Oder wie sollte man die Reaktion auf unseren zuletzt veröffentlichten Artikel, der auf die vielen offenen Fragen eingeht, sonst verstehen? „Den Bericht nehmen wir mit einer gemischten Note auf. Was aber hier viel wichtiger ist, ist der Fokus auf das Ziel: Die Aufmerksamkeit haben wir erlangt.“

