Albersweiler
„Gated community“: Was ist dran an den Plänen?
„Das Phantom“, antwortet Projektleiter Waldemar Nürnberg scherzhaft auf die Frage, wer sich eigentlich hinter der Pfalz Wärme GmbH verbirgt. Jener Neustadter Firma, die in Albersweiler eine „gated community“ errichten will. Als wir vor Kurzem über die Pläne berichteten, schlugen die Wellen hoch. Einige Leser fanden die Idee richtig interessant, andere kommentierten, dass solch eine geschlossene Wohnsiedlung für Gutbetuchte in der Pfalz doch reichlich „lächerlich“ sei. Und es kamen Stimmen auf, die die Seriosität des Vorhabens infrage stellten. Denn schon bei der Vorstellung des Projekts hatten sich einige offene Fragen und Ungereimtheiten aufgetan.
Noch mal zusammengefasst: Die Pfalz Wärme plant in Albersweiler ihr erstes Bauträger-Projekt. Dafür hat sie eine Fläche hinter dem Autohaus Weis gekauft. Bis zu 100 hochwertige Wohnungen sollen in vier Bauschritten entstehen. Ein Park mit Teich rund um die Freiheitsstatue soll als Erholungsraum geschaffen werden. An der Einlassschranke lasse ein Concierge (Pförtner) nur Bewohner und angemeldete Gäste herein. In Bauphase drei soll zudem eine Privat-Kita und in Bauphase vier ein Areal für Gewerbe und Gesundheitseinrichtungen errichtet werden. Allerdings war der Investor im Laufe unserer Recherche für den ersten Artikel bereits von Bauphase vier abgerückt. Was zunächst als durchgeplantes Fünf-Jahres-Ziel vorgestellt wurde, musste dann doch zurückgestellt werden, weil sich noch Absprachebedarf mit verschiedenen Seiten ergeben habe, hieß es.
Alles Familiensache
Zuvor
war die im Februar 2020 gegründete Pfalz Wärme nur auf Heizungs- und Sanitärdienste fokussiert. Das Gesamtprojekt – damals noch mit Bauphase vier – soll ein Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro haben. Zwei Großbanken hätten schon Interesse an der Finanzierung bekundet. Das berichtete das Planungsteam bei seiner Vorstellung der Pläne. Wortführer bei dem Termin ist Waldemar Nürnberg. Ein Blick in die Handelsregister-Daten offenbart einige Verflechtungen. Als Projektleiter sei er bei der Pfalz Wärme angestellt, sagt er. Zudem wolle seine Firma Nürnberg Montage, ebenfalls 2020 gegründet, den Innenausbau übernehmen.
Die Nürnberg-Gruppe sei groß. Verschiedene Familienmitglieder hätten Restaurant-, Elektro-, Catering-, Bau- und Zeitarbeitsfirmen, berichtet er auf Nachfrage freimütig. Dass manche davon auch pleite gegangen seien, verheimlicht er nicht, denn „Offenheit und Ehrlichkeit sind die beste Lösung“, sagt er in Bezug darauf, dass er das Gefühl habe, dass mancher das Unternehmen und das Projekt in Misskredit bringen wolle. Zu den 2020 liquidierten Firmen gehört die Nürnberg Personal GmbH. Corona habe ihr den Garaus gemacht, sagt Nürnberg. Denn die Firma habe ihr Zeitarbeitspersonal fast ausschließlich aus Osteuropa rekrutiert, was angesichts der Pandemie-Beschränkungen schwierig gewesen sei. Noch auf dem Papier vorhanden sei die EU Personal GmbH, bei der Waldemar Nürnberg Geschäftsführer ist. Aber auch für diese sehe es angesichts der Corona-Lage nicht gut aus.
Die Sache mit den Vorratsgesellschaften
Zuvor war Nino Luzi dort Geschäftsführer. Dieser ist jetzt als Geschäftsführer der Pfalz Wärme eingesetzt. Da es um die Firma nicht so gut stehe, habe man ihn an anderer Stelle beschäftigt, berichtet Nürnberg über das Personalmanagement in der „Nürnberg-Familie“. So ist wohl auch zu erklären, dass der Geschäftsführer der 2020 von Nürnberg liquidierten O.V. Elektrotechnik GmbH nun im Kundenmanagement der Pfalz Wärme untergekommen ist. Geschäftsführer Luzi saß beim Termin mit der RHEINPFALZ die ganze Zeit dabei, sagte aber kein einziges Wort. Der junge Mann habe vor sieben, acht Jahren seine Ausbildung bei ihm gemacht, sagt Nürnberg. „Seitdem gehört er zur Familie.“
Noch eine andere Geschäftsführer-Sache wirft Fragen auf. Im Handelsregister wird eine gewisse Claudia Hanft als erste Geschäftsführerin der beiden Personal-Gesellschaften geführt. Diese taucht auch als ehemalige oder aktuelle Geschäftsführerin einer ganzen Palette anderer Unternehmen auf. Was hat es damit auf sich? Nürnberg klärt auf, dass man sich Vorratsgesellschaften bedient habe, um die beiden Zeitarbeitsfirmen zu gründen. Das sind „leere“ GmbHs, die im Handelsregister eingetragen sind und alle Genehmigungen haben, aber keine Geschäftstätigkeit aufnehmen. Firmenhüllen, die nur auf dem Papier existieren. Es gibt Agenturen, die solche Vorratsgesellschaften gründen, sich um die ganze Bürokratie kümmern und diese dann an Neugründer verkaufen. „Für die 25.000 Euro Stammkapital einer GmbH plus, sagen wir, 10.000 Euro als Zusatzzahlung“, erklärt Nürnberg. Aber was lohnt daran? So könne man gleich loslegen, erklärt er. Außerdem genießt man sofort alle Vorteile einer „einsatzbereiten“ GmbH wie etwa die beschränkte Haftung.
Ein zweites Großprojekt?
Zurück zur Pfalz Wärme. Dabei handelt es sich laut Nürnberg um den Nachfolger eines anderen Unternehmens. In der Vergangenheit habe man für andere gearbeitet, nun wolle das Team dies auf eigene Rechnung tun, erklärt er. Vor Kurzem wurde das Stammkapital aufgestockt und der Unternehmenszweck des Handwerkerbetriebs um die Bautätigkeit erweitert. Auch wenn das Unternehmen noch recht frisch am Markt ist, bedeute dies nicht, dass es nicht stark sei. „Die Pfalz Wärme hat ein großes Netzwerk und ein großes Rückgrat der Finanzen“, äußert Nürnberg.
Laut Pfalz Wärme wurde das Projekt Albersweiler im Oktober 2020 gestartet. Wie die RHEINPFALZ erfahren hat, hatte Autohausbesitzer Harald Weis auf dem Grundstück im vergangenen Jahr noch ein Projekt mit mehreren Einfamilienhäusern mit einem anderen Partnerunternehmen geplant. Bis die Neustadter ihm das Areal abkauften. Und es ist nicht das einzige Großprojekt, das das junge Unternehmen in Angriff nehmen will. In Iffezheim will die Pfalz Wärme eine Siedlung mit 48 Wohneinheiten und Park hochziehen. Laut Nürnberg hat Pfalz Wärme dort ein Grundstück gekauft. Die Gemeinde habe das Projekt aber abgelehnt. „Zu groß.“ Das Unternehmen selbst teilt auf Anfrage mit, dass die endgültige Entscheidung des Bauamts noch ausstehe. Zudem habe man nie vorgehabt, beide Projekte parallel laufen zu lassen, „sondern in verschiedenen Abschnitten, Schritt für Schritt, beginnend mit dem Projekt Albersweiler“. Allerdings wird in der online veröffentlichten Projektpräsentation für beide Vorhaben der Sommer 2021 als Baubeginn genannt, lediglich mit einem Monat Unterschied.
