Albersweiler / Ramberg / Eusserthal
Streit um Schulschließung: Entscheidung überrascht
Jaqueline Gabriel hatte bereits ein Plädoyer vorbereitet. Die Mutter dreier Kinder wollte den Entscheidungsträgern der Verbandsgemeinde Annweiler, konkret Mitgliedern zweier politischer Ausschüsse, noch einmal ins Gewissen reden. Die Grundschule Ramberg-Eußerthal soll erhalten bleiben und nicht in der Grundschule Albersweiler aufgehen. Als Mitglied des Schulelternbeirats hat Gabriel die vorangehenden Debatten rund um das Thema besorgt mitverfolgt. Plötzlich aber war es für sie nicht mehr nötig, für den Erhalt zu kämpfen. Verbandsbürgermeister Christian Burkhart (CDU) kam ihr nämlich mit seiner Rede zuvor. Tenor: Man hat sich schon entschieden.
Wie Burkhart informierte, bestehe für die Verbandsgemeinde als Schulträgerin der Grundschule Ramberg mit dem Außenstandort Eußerthal „auf Grundlage der aktuellen Prognosen des Schulentwicklungsplans kein unmittelbarer Handlungsdruck“. So wird der Christdemokrat in einer Pressemitteilung wiedergegeben.
Ausweg aus dem Kita-Dilemma
Ebenso wichtig sei der Blick auf die Entwicklungen in den Dörfern. Die Ortsgemeinden Ramberg und Eußerthal hätten in Resolutionen deutlich gemacht, dass sie sich den Erhalt ihrer Grundschulstandorte wünschen. Zumal sie sich damit beschäftigten, einen Ausweg aus dem Kita-Dilemma zu finden, das die Überlegungen zur Zusammenlegung der Grundschule erst in Gang gebracht hatte beziehungsweise förderte.
In beiden Dörfern muss sich in den Kindertagesstätten baulich etwas tun, um die seit Sommer 2021 bestehenden Landesvorgaben erfüllen zu können. Aufgrund der aktuellen Begebenheiten ist das aber kaum möglich. Die Idee stattdessen: Die Schulgebäude könnten in Kitas umgewandelt werden. Dabei wurde bei den seit Herbst 2025 geführten Debatten auch berücksichtigt, dass sich auch in der Grundschule Albersweiler etwas tun muss. Spätestens bis zum Sommer 2029 müssten dort bauliche Veränderungen vorgenommen werden, weil dann erstmals zwei erste Klassen erwartet werden. Die Räume reichen jedoch für diesen Zuwachs nicht aus.
Eltern protestieren
Parallel zu diesen Erkenntnissen konnten betroffene Eltern im Modenbachtal zahlreiche Menschen für Demonstrationen und eine Unterschriftenaktion mobilisieren. Das Ziel war, die Schulstandorte zu erhalten. Diesem Engagement trug Burkhart in seiner Rede ebenfalls Rechnung.
Berücksichtigt wurde auch der Wechsel in der Landesregierung, in der nach 35 Jahren wieder die Christdemokraten den Ministerpräsidenten stellen und auch das Bildungsministerium führen. Viele Fragen zur zukünftigen Ausrichtung der Grundschulen in Rheinland-Pfalz werden derzeit neu diskutiert. Auch wenn der Koalitionsvertrag weniger konkrete Aussagen als frühere Wahlprogramme enthalte, so Burkhart, sei zuletzt in einem SWR-Beitrag mit der Ministerin die sogenannte Grundschulgarantie erwähnt worden, nach der Unterricht von 8 bis 14 Uhr gewährleistet sein soll. Auch wenn ab Sommer dieses Jahres das Ganztagesförderungsgesetz an den Grundschulen eingeführt und sukzessive ausgebaut wird. Die neuen Erstklässler haben künftig Anspruch auf eine ganztägige Betreuung – auch in weiten Teilen der Ferien –, sodass sie nach Unterrichtsende auf Wunsch bis etwa 16 Uhr betreut sein können.
Bürgermeister unterbreitet Vorschlag
Doch für Burkhart wird aufgrund des Interviews deutlich, dass in den kommenden Monaten sowohl vom Land als auch von den Kommunen für die Schulen wichtige Weichenstellungen zu erwarten seien. „Daher sollten wir diese Entwicklungen sorgfältig abwarten. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, auf einer möglichst verlässlichen und fundierten Grundlage Entscheidungen zu treffen, die langfristig tragfähig sind, für unsere Kinder, unsere Familien und unsere Ortsgemeinden“, so der Verwaltungschef.
Infolgedessen schlugen der Bürgermeister und seine Beigeordneten den Ausschüssen vor, dem Verbandsgemeinderat zu empfehlen, die Entscheidung über die Zukunft der Schulstandorte auf das zweite Quartal 2027 zu vertagen. Der entsprechende Beschluss wurde einstimmig gefasst.
Wie es weitergeht
Damit bleibt es bis auf Weiteres wie bisher. Kinder aus Ramberg, Eußerthal und Dernbach werden in den ersten beiden Klassenstufen in Ramberg beschult, die Dritt- und Viertklässler werden in Eußerthal unterrichtet. Das freut Jaqueline Gabriel zwar. Doch ganz zufriedenstellend sei das nicht, da die endgültige Entscheidung noch aussteht und sie und ihre Mitstreiter nicht wissen, ob und wie sie sich für ihre Interessen einsetzen könnten. „Ich habe Angst, dass dadurch die Aufmerksamkeit für die Sache verloren geht“, sagt die Mutter. Dadurch könnte es dem Verbandsgemeinderat leichter fallen, Schließungen der Grundschulen in Erwägung zu ziehen.
