Ramberg / Eußerthal / Albersweiler
Wut über Schulpläne: Zwei Grundschulen droht Schließung
So viele Besucher hat kaum eine andere Sitzung des Verbandsgemeinderats Annweiler jemals angezogen. Während in den Zuschauerreihen sonst meist gähnende Leere herrscht, drängten sich an diesem Abend die Menschen auf jedem freien Zentimeter. Denn sie hatten Wut im Bauch. Über die Idee des Bürgermeisters können sie nur fassungslos den Kopf schütteln. Es geht darum, die Schullandschaft im Trifelsland neu zu ordnen. Angedacht ist, dass die Grundschule Albersweiler baulich erweitert wird, um auch die Kinder aus Ramberg, Eußerthal und Dernbach aufzunehmen. Dafür sollen die Schulstandorte Ramberg und Eußerthal geopfert werden.
„Wir werden für unsere Schulen kämpfen!“, macht Jacky Gabriel deutlich. Die dreifache Mutter aus Ramberg und ihre Mitstreiter haben in dieser Woche eine Interessengemeinschaft gegründet. Innerhalb von zwei Tagen hatte ihr Whatsapp-Kanal schon über 100 Mitglieder. Nun wollen sie die Gegenwehr mit Flyern und Unterschriftensammlungen mobilisieren.
Eltern organisieren den Widerstand
Als die Eltern im vergangenen Herbst von der Sache Wind bekamen, ging ein Aufschrei durch ihre Reihen. Dieser konnte nicht verhindern, dass der VG-Rat Ende Oktober beschloss, eine Zusammenlegung prüfen zu lassen, und nun erneut dafür votierte, die Untersuchung fortzusetzen. Die SPD-Fraktion stemmte sich jedes Mal geschlossen dagegen, ebenso kam Kritik von den Grünen und der AfD.
Sie alle stellten die zentrale Frage: „Wieso sollen wir Geld für ein Projekt ausgeben, das von den Menschen vor Ort abgelehnt wird und das nach derzeitigem Stand auch gar nicht nötig ist?“, brach es besonders aus dem Sozialdemokraten Thomas Dietrich heraus. Denn die Schülerzahlen sind stabil, in Ramberg/Eußerthal steigen sie sogar deutlich, sodass die erste Klasse ab kommenden Schuljahr zweizügig wird. In Albersweiler ist ein moderater Anstieg zu erwarten. Der Status quo an Gebäuden deckt den Platzbedarf jeweils ab. Zudem habe eine Umfrage unter den betroffenen Eltern ergeben, dass 83 Prozent für den Erhalt sind, so Dietrich, der auch im Ramberger Gemeinderat sitzt. Dieser hatte unlängst eine Resolution für den Erhalt seiner Schule verabschiedet. Auch der Eußerthaler Rat machte mit einem einstimmigen Beschluss klar, dass er die Außenstelle der Grundschule Ramberg bei sich im Ort nicht aufgeben will.
Viele vor Ort sehen keinen Grund für die Reform
Dabei war die Idee einst geboren worden, um die Ortsgemeinden zu unterstützen – ihnen einen Ausweg in ihrer jeweils verfahrenen Kita-Situation zu bieten, wie der Bürgermeister betont. In beiden Orten muss die Einrichtung wegen des Neuen Kita-Gesetzes erweitert werden, in beiden ist das am bisherigen Standort schwerlich oder gar nicht möglich. Die Verfahren ziehen sich bereits über Jahre. Würden die beiden Schulgebäude frei, könnte man darin jeweils eine größere Kita einrichten.
Zudem ließen sich durch die Eingliederung mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein großer Standort ist im Unterhalt günstiger als drei kleine. Zum Vergleich lieferte Burkhart die aktuellen Zahlen: Beide Schulen haben mit rund 65 etwa die gleiche Schülerzahl; der Doppelstandort Ramberg/Eußerthal verursache rund 450.000 Euro laufenden Kosten im Jahr, Albersweiler rund 236.000 Euro – also nur knapp die Hälfte. Und, was immer wieder betont wird, ab 2026 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Rheinland-Pfalz. Die neue Landesvorgabe müssen die Schulträger stufenweise in vier Jahren erfüllen. Und nur ein gemeinsamer Standort würde die Voraussetzungen mitbringen, um eine Ganztagsschule einzurichten.
Verwaltung verweist auf Kosten, Kita-Druck und Ganztag
„Aber die wollen wir gar nicht“, hält Jacky Gabriel entgegen. Den Eltern reiche die Möglichkeit der Betreuenden Grundschule, die es jetzt bereits gebe. Zudem schreibe die neue Rechtslage nicht explizit eine Ganztagsschule vor, die Anforderungen seien auch über das Modell der Betreuenden Grundschule zu erfüllen. Die Ramberger Mutter vermutet, dass es der Verwaltung dabei auch um die Geldfrage geht. Das derzeitige Modell wird über Beiträge der Eltern und der Verbandsgemeinde finanziert, die Ganztagsschule allein über den Landkreis abgerechnet.
Wie die Nachfrage tatsächlich zu bewerten ist und wie sich die Schülerzahlen entwickeln, soll in den nächsten Monaten zusammen mit der Schulaufsichtsbehörde ADD evaluiert werden. Ebenso, wie die Varianten aus pädagogischer Sicht zu beurteilen sind. Erst danach werde eine Entscheidung getroffen, so Burkhart, der dafür die VR-Ratssitzung am 18. Juni als Termin setzte.
Entscheidung ist noch offen – doch
der Ärger ist längst da
In einem ersten Schritt hatte ein Architekturbüro – ergebnisoffen – geprüft, welcher der drei Standorte sich baulich am besten für eine Erweiterung um vier Klassensäle eignen würde. Es kam zum Schluss, dass dies am günstigsten und unkompliziertesten in Albersweiler machbar wäre. Wobei Ramberg und Eußerthal erst vor wenigen Jahren saniert wurden, in Albersweiler wäre das dann noch nötig. In der nächsten Prüfungsphase sollen nun auch die Betroffenen vor Ort ihre Argumente vorbringen können. „Viel zu spät“, findet die Ramberger Mutter und sagt verärgert im Namen der Eltern: „Wir fühlen uns nicht gesehen und nicht gehört.“
